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Die Bundesregierung verspricht für 2026 niedrigere Stromkosten. Das ist bitter nötig, denn nirgendwo anders in Europa bezahlen die Menschen mehr, wie unsere Übersicht zeigt.
Billigerer Strom im neuen Jahr? Die Bundesregierung versprach zwei Tage vor Weihnachten „Entlastungen für alle“. Die Energiekosten sollen „ab Januar 2026 für alle deutlich verringert werden“, hieß es. Grund seien eine geringere Stromsteuer für Unternehmen und niedrigere Netzentgelte. Davon sollen auch Privathaushalte profitieren, wie das Bundeswirtschaftsministerium erklärt. „Alle Verbraucherinnen und Verbraucher, inklusive Privathaushalte, profitieren ab 2026 von der im Koalitionsausschuss beschlossenen Entlastung bei den Stromkosten um bis zu 3 Cent pro Kilowattstunde“, so ein Ministeriumssprecher auf Anfrage der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media.
Die Stromkosten in Europa sind nirgendwo höher als in Deutschland. © picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte/Montage
Tatsächlich haben schon mehrere Betreiber angekündigt, ihren individuellen Strompreis zu senken. Dass das bitter nötig ist, zeigt der Blick über die Landesgrenzen: In keinem anderen europäischen Land sind die Stromkosten höher als in Deutschland. Laut aktuellen Zahlen von Eurostat bezahlten Privathaushalte hierzulande im Schnitt 40 Cent pro Kilowattstunde. Die Zahlen beziehen sich auf das zweite Halbjahr 2025; etwaige Strompreissenkungen sind noch nicht berücksichtigt.
40 Cent pro Kilowattstunde: Stromkosten in Europa nirgendwo höher als in Deutschland
In Deutschlands Nachbarländern ist der Strom teils deutlich billiger. So zahlen etwa Menschen in Tschechien, Dänemark und Österreich rund zehn Cent weniger. In Frankreich und Polen sind es etwa 14 Cent weniger, in den Niederlanden und Luxemburg sogar 17 beziehungsweise 20 Cent. Vergleichsweise teuer ist der Strom bei Deutschlands Nachbarn nur in Belgien, wo 35,7 Cent pro Kilowattstunde fällig werden.
Ebenfalls teuer ist der Strom europaweit in Italien (37,4 Cent pro Kilowattstunde), Liechtenstein (31,2), Irland (30,5) und Zypern (30). Die vollständigen Zahlen zu allen Ländern finden Sie in der Grafik.
Spannend ist auch der Blick auf die Preise mit und ohne Steuern und Abgaben. Ohne Steuern würde Deutschland nur auf Platz sechs liegen, hinter Irland, den Niederlanden, Luxemburg, Italien und Belgien. Dann wären in Deutschland nur 27,4 Cent pro Kilowattstunde fällig. Steuern machen also fast ein Drittel des Preises aus. Die Differenz ergibt sich durch Abgaben für Netzentgelte, die Mehrwertsteuer von etwa 6,4 ct/kWh (19 Prozent auf den Nettopreis), die Stromsteuer von 2,05 ct/kWh sowie zusätzliche Umlagen.
Steuern auf Strom gibt es in allen europäischen Ländern außer Moldau. Dadurch steigen in der Regel die Kosten. Einen Sonderfall stellen Irland, Luxemburg und die Niederlande dar. Hier liegen die Kosten „nach Steuern und Abgaben“ niedriger. Diese „negativen Steuern“ ergeben sich durch Subventionen, also staatliche Zuschüsse, wodurch die Kosten für die Verbraucher de facto sinken.
Laut Angaben des Vergleichsportals Verivox hat etwa die Hälfte der regionalen Stromversorger in Deutschland niedrigere Tarife für das kommende Jahr angekündigt. „Bei der anderen Hälfte werden die Preise entweder nicht oder erst in den kommenden Monaten gesenkt“, heißt es. Für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Stromverbrauch von 4.000 Kilowattstunden pro Jahr bedeute das eine rechnerische Entlastung von 77 Euro brutto. Dabei gibt es allerdings regionale Unterschiede. (Quellen: Eurostat, Bundeswirtschaftsministerium, Verivox).