Kurz vor Silvester dominieren Raclette und Fondue den Käseverkauf auf dem Wochenmarkt am Gutenbergplatz in Karlsruhe – mit teils langen Schlangen an den Ständen.
Standbetreiber Jens Völkle verkauft Raclette-Käse in zahlreichen Variationen. Auch Fondue-Mischungen finden in der Weststadt reißenden Absatz
Foto: Volker Knopf
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Nicht nur über die Festtage im Dezember mutiert der Wochenmarkt auf dem Karlsruher Gutenbergplatz zum Käse-Mekka. Aber in diesem Zeitraum wird es besonders deutlich. Denn die Schlangen bei den drei Marktbeschickern, die ausschließlich „Fromage“ anbieten, sind enorm.
Gerade zu Silvester steht bei vielen Karlsruhern ein gemeinsames Raclette- oder Käsefondue-Essen offensichtlich hoch im Kurs. „Das sind mit die umsatzreichsten Tage“, sagt Käsehändler Jens Völkle, der neben seinen Marktständen seit März 2025 einen Käseladen auf dem Werderplatz in der Karlsruher Südstadt betreibt.
Käseliebhaberin bevorzugt Gorgonzola und Munster
Völkle bietet diverse Schweizer Raclette-Käse beispielsweise mit Trüffel oder Chili an. In der Schlange steht Ute Erne aus der Weststadt. Am zweiten Weihnachtsfeiertag gab es bei ihr klassisches Käsefondue. Generell mag sie aromatischen Käse wie Gorgonzola oder einen vollmundigen Munster-Käse aus den Vogesen.
Britta Nann aus Neureut schätzt ebenfalls das Angebot bei Völkle. Die Dozentin an der Pädagogischen Hochschule deckt sich mit reichlich Raclette-Käse in diversen Varianten ein, der im Winterurlaub über die Feiertage in den Alpen verspeist wird. Dann werden Baguette, Kartoffeln oder Gemüse in kleinen Pfännchen traditionell mit Raclette-Käse überbacken.
Für Nils Ewers und Lucie Pasquay gehört Käse über die Festtage einfach mit dazu. Das Paar schätzt den geselligen Aspekt von Raclette oder Käsefondue. Bei Völkle gibt es fertige Mischungen fürs Fondue – zum Beispiel eine Packung aus Beaufort, Comté und jungem Emmentaler.
Mit Knoblauch und Kirschwasser gelingt das perfekte Fondue
Auch Zubereitungstipps gibt es am Stand von Jens Völkle mit dazu: Den Caquelon (Topf) mit einer Knoblauchzehe ausreiben, die Käsemischung mit zwei Teelöffeln Maisstärke vermischen und mit 175 Millilitern Weißwein und einem Spritzer Zitronensaft unter kräftigem Rühren aufkochen. Ein halbes Gläschen Kirschwasser hinzu und mit Pfeffer und Muskat würzen.
Bei Susanne Leibold, die mit den Töchtern aus Grötzingen den Markt in der Weststadt mit seinem frankophilen Flair ansteuerte, gab es dieses Jahr zu Weihnachten Fondue, im vergangenen Jahr Raclette. Generell mag die Frau aus dem Malerdorf cremig-pikanten Käse. Zu ihren Favoriten zählt der Brebirousse d’Argental, ein cremig-sahniger Schafkäse mit Rotschmierrinde.
Dem Standbetreiber ist es wiederum wichtig, neben Klassikern wie Comté, Langres, Epoisses, Brie oder Roquefort auch Produkte von kleinen Käsebauern anzubieten. Unter anderem ist eine Käserei aus der Nähe von Engelsbrand im Nordschwarzwald vertreten, die jungen Kapficher Käse herstellt. „Kleine Käserei mit gerade mal 30 Kühen. Tolle Qualität“, berichtet der gelernte Koch.
Roter Teufel Käse sorgt für Gesprächsstoff
Nur einige Meter entfernt beim Pfälzer Käse-Stand ist ebenfalls eine lange Schlange. Standbetreiber Matthias Kirsch aus Bad Dürkheim bekommt seinen Käse direkt vom berühmten Großmarkt Rungis in Paris. Prominent in seiner Auslage befindet sich der „Roter Teufel Käse“. Das wirft Fragen auf.
Matthias Kirsch und Manuela Kares aus der Pfalz verkaufen besonders gerne „Rote Teufel Käse“ auf dem Karlsruher Gutenbergplatz.
Foto: Volker Knopf
Er sei zwar passionierter Fan des 1. FC Kaiserslautern, aber mit dem Verein habe der Käse nichts zu tun, sagt Kirsch. „Das ist ein würziger Bergkäse aus der Schweiz. Aber für einen Fan wie mich ist das natürlich eine Steilvorlage. Den FCK-Wimpel haben wir dazu gestellt“, merkt er schmunzelnd an. Und an seinem Stand gebe es ja immer wieder „Fachgespräche“ unter Fans.
Käseplatte mit Charakter: Fachmann empfiehlt besondere Sorten
Auch bei ihm gibt es Raclette-Variationen in Hülle und Fülle. Er empfiehlt dafür höhlengereifte Käse. Beim Fondue halb Gruyère und halb Vacherin. Wer den Pfälzer nach einer klassischen Käseplatte fragt, die zu Silvester ebenfalls gerne gereicht wird, dann nennt Kirsch unter anderem: Blauschimmelkäse, Camembert, einen schönen Ziegenkäse, Chaource fermier, einen kräftigen Rotschmierkäse wie Epoisses oder einen lange gereiften Comté aus dem Jura. „Eine Mischung aus Weich- und Hartkäse wäre gut“, merkt der Fachmann an.
Susanne Silva, die sich geduldig in die Schlange einreiht, schätzt in Kirschs Auslage besonders Ulmer Spatz, einen würzig-cremigen Schweizer Schnittkäse aus Bergmilch, und einen Fromage mit Namen Wasserfall.
Dritter im Bunde auf dem Areal ist Patrik Deuchler. Er verkauft ausschließlich Allgäuer Käse einer Käserei aus der Nähe von Kempten. „Das ist Heumilch-Käse mit Naturrinde. Ganz wichtig – bei uns kann man die Rinde ebenfalls mitverzehren. Bei Industrie-Käse ist das häufig nicht der Fall“, sagt der Murgtäler, dessen Käse ebenfalls gerne fürs Silvester-Raclette gekauft wird, wie der KSC-Fan und Käse-Experte anmerkt, dessen Auslage ein fetter Aufkleber der Blau-Weißen ziert.