Dieser Artikel ist in der Zeile 8 erschienen. Autorin: Andrea Schubert

Unweit der Waldschlößchenbrücke, in einer Seitenstraße der Johannstadt, liegt ein Ort, den man leicht übersehen könnte – wäre da nicht der verlockende Duft von frisch gebackenem Teig. In der Neubertstraße befindet sich die Pizzeria Fantina, die längst kein Geheimtipp mehr ist. Sie zählt zu den beliebtesten Adressen der Johannstadt – und das aus gutem Grund. 

In den Sommermonaten sind die begehrten Plätze im Außenbereich nur mit Glück oder einer Reservierung im Vorfeld zu ergattern, von den wenigen Tischen im kleinen Gastraum im Winter ganz zu schweigen. Und auch wenn das Ambiente in der Neubertstraße nur bedingt an italienische Verhältnisse erinnert, schafft es Wirt Daniel Roccadoro, seine Heimat Sizilien in die Johannstadt zu zaubern. Vor allem durch seine unnachahmliche Gastfreundschaft, die riesigen, unglaublich guten Pizzen, den süffigen Wein und die leckeren Antipasti. 

Mittlerweile gibt es bei Fantina über 106 Pizzen und Panini.

Viele herausragende Kreationen laden in Fantina dazu ein, mutig neue Geschmäcker zu testen, denn Daniel möchte seinen Gästen Abwechslung und Besonderes bieten. Da wären PIZZA GARLETTO mit Spanferkel, PIZZA RACLETTE mit Raclette-Käse und Kartoffeln oder PIZZA PIAOTTA mit getrockneten Tomaten, gekochtem Ei und wildem Brokkoli. Natürlich rufen auch die typischen Klassiker. Aber nicht Pizza Margherita oder Hawaii sind die beliebtesten Pizzen bei Fantina, das Rennen wird von Diavola angeführt. Jedes Jahr kommen vier bis fünf neue Pizzen dazu, die nach Familienmitgliedern oder Orten in oder rund um Fantina auf Sizilien benannt sind, der Heimatregion von Daniel Roccadoro. Wenn Daniel im Sommer in den Süden reist, nimmt er jedes Jahr Speisekarten mit, in denen seine alte Heimat gewürdigt wird. Das rührt die alten Menschen, die heute zum Großteil Fantina ausmachen. Nahezu alle jungen Leute sind aus der verstreut liegenden Siedlung weggegangen, auch Daniel. 

PizzaPizza | Foto: Andrea Schubert

Im September ist es 30 Jahre her, dass Daniel Roccadoro Sizilien verlassen hat – zunächst nur mit der Absicht, ein paar Monate in der Wintersaison in Deutschland als Pizzabäcker zu arbeiten. Seit 2001 lebt Daniel nun schon in der Johannstadt, nach Stationen in Meißen und Pirna – angestellt nicht nur als Pizzabäcker, sondern auch als Türsteher und Dolmetscher (zweite Muttersprache Französisch). 2010 hatte seine Frau Steffi, die mit dem zweiten Kind zu Hause war, die Idee, eine Pizzeria aufzumachen. Nicht unbedingt als Restaurant, sondern als Lieferdienst: Er als Pizzabäcker, sie als gelernte Restaurantfachfrau. Und wenn, dann in der Johannstadt! Daniel hat die Räume selbst hergerichtet – als Raum für die Gäste, zum Pizza abholen. Die Eröffnung war im Februar 2011. 

Am Anfang standen nur drei Tische im Gastraum und Stühle am Tresen. Die anfänglich kleine Karte umfasste 20 Pizzen und wenige Nudelgerichte. Doch die Leute wollten nicht nur Pizza abholen, sondern auch vor Ort essen, sodass der Gastraum erweitert werden musste. 

Seitdem hat es einige Veränderungen bei Fantina gegeben, nicht nur im Speisenangebot. Aber nichts bleibt dem aufmerksamen Stammgast verborgen:

„Manche kommen zwei- bis dreimal die Woche hier essen, ihnen entgeht kein neuer Nagel in der Wand“, scherzt Daniel.

„Ich gehe mit großer Freude zur Arbeit, es ist fast wie Urlaub. Es ist eine Freundschaft zu meiner Kundschaft entstanden. Selbst während der Corona-Pandemie sind uns unsere Kunden treu geblieben und haben die Pizzen durchs Fenster abgeholt.“ 

Ob er schon einmal über eine Erweiterung der Gasträume nachgedacht hat, schließlich sind besonders im Winter die Kapazitäten sehr begrenzt? 

Der Vertragsabschluss mit dem Nachbargeschäft stand sogar schon kurz bevor und die Genehmigung der Stadt für den Durchbruch in Küche und Gastraum wurde bereits erteilt. Doch Daniel ist froh, dass die Verhandlungen über die Anmietung kurzfristig scheiterten, denn bald darauf kam Corona.  

Auch heute würde er nicht mehr an eine Erweiterung denken:

„Es ist gut, so wie es ist. Die Menschen kommen hierher, weil sie sich wohlfühlen. Nicht nur die Pizza schmeckt, es ist familiär. Manche Gäste sagen auch, es könnte die Atmosphäre von Fantina zerstören. So wie es ist, reicht es für uns. Mehr Gäste bräuchten auch mehr Personal, doch wir sind nur zu dritt.“ 

Daniel kommt immer wieder auf den Personalmangel zu sprechen, wenn auch ohne Groll. „Ich habe bei uns schon einige junge Leute, auch aus Italien, ausgebildet. Aber ich kann sie nicht festketten.“ Umso mehr strahlen Steffi und Daniel, als sie berichten, dass ihr Sohn, der gerade eine Ausbildung zum Koch im Carolaschlösschen macht, später einmal Fantina übernehmen möchte. Auch die Tochter hilft ab und zu aus, um ihr Taschengeld aufzubessern. Insgesamt ist Fantina ein Familienprojekt: Die Mutter von Daniel sammelt jedes Jahr im Juni in Sizilien den Oregano für das Restaurant. 

Beim Hinausgehen zeigt Daniel noch auf ein Foto, das am Ortseingang von Fantina in Sizilien aufgenommen wurde. Von einem Gast.

„Einige Gäste haben Fantina schon besucht, um den Ort kennenzulernen, nach dem unser Restaurant benannt ist. Manche waren sogar schon bei meiner Mutter“, grinst er. 

Und gibt es etwas, das sich Daniel von der Johannstadt wünscht? 

„Nein, die Gäste sind toll. Sie sollen so bleiben, wie sie sind. Viele kommen auch von weiter her. Wir sind eine Familie. Auch wenn meine unverblümte Art vielleicht manchen vor den Kopf stößt“, schiebt Daniel mit Blick auf die eine oder andere kommentierte Bewertung im Internet ein. „Aber das hat sich Gott sei Dank immer auf mich und nicht auf unser Essen bezogen“, ergänzt er schmunzelnd. Auch mit den anderen Geschäften versteht er sich gut.

„Wenn es bei uns zu voll ist, schicke ich die Gäste auch zu Aslan. Der Eigentümer des Fährgartens kommt im Winter ab und zu vorbei. Es gibt hier keinen Hass und keinen Neid, das finde ich toll!

Ich bin froh, Teil des Viertels zu sein. Aus der Johannstadt wegziehen? Nur für einen Lottogewinn vielleicht.“ 

Von Andrea Schubert 

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