Arbeiten von Benita Koch-Otte in der aktuellen Ausstellungen „Künstlerinnen! Von Monjé bis Münter“ im Kunstpalast Düsseldorf. Benita Koch-Otte wuchs in Krefeld auf und kehrte als Bauhaus-Schülerin im Rahmen ihres Studium in die Samt- und Seidenstadt zurück (Foto: Kunstpalast Düsseldorf)
Krefeld/Düsseldorf. Benita Koch-Otte gehörte zu den Frauen, die am neu gegründeten Bauhaus in Weimar gelernt und gelehrt haben. In den vergangenen Jahrzehnten blieb sie jedoch eher einem Fachpublikum in Erinnerung. Mit dem Bauhaus-Jubiläum 2019 und dem gesonderten regionalen Format „Bauhaus im Westen” rückte ihr Name und Werk wieder etwas mehr ins öffentliche Blickfeld. Benita Koch-Otte wuchs in Krefeld auf, wo sie zur Schule ging, später dort auch unterrichtete und als Studentin des Bauhauses Kurse an Krefelder Textilfachschulen belegte. Nun sind einige ihrer Arbeiten in der Ausstellung „Künstlerinnen! Von Monjé bis Münter” im Kunstpalast Düsseldorf zu sehen.
Benita Koch-Otte (1892-1976) geboren in Stuttgart, wuchs im heutigen Krefelder Stadtteil Uerdingen auf. Ihr Vater, Dr. Rudolf Otte, ein promovierter Chemiker, arbeitete als Betriebsleiter bei den auf Textilfarben spezialisierten Chemischen Fabriken vormals Weiler-ter Meer. Ihr Reifezeugnis absolvierte sie 1908 am Lyzeum, einem damaligen Mädchengymnasium in Krefeld. Ihr beruflicher Werdegang konzentrierte sich dann auf eine Laufbahn als Lehrerin. So legte sie 1913 die staatliche Zeichenlehrer-Prüfung am Zeichenseminar in Düsseldorf ab, 1914 die staatliche Prüfung als Turnlehrerin im Frauenbildungsverein Frankfurt am Main, 1915 die Staatliche Prüfung als Handarbeitslehrerin im Lettehaus in Berlin. Dann kehrte Benita Otte nach Krefeld zurück. Dort arbeitete sie bis 1920 als Lehrerin für Zeichnen, Turnen und Handarbeit an der Städtischen Höheren Mädchenschule in Uerdingen.
Moderne und konservatives Weltbild
Anfang der 1920er-Jahre interessierte sich Benita Koch-Otte für das neue Bauhaus in Weimar und dessen Programm. Sie schrieb sich 1920 für das Studium ein. Das 1919 gegründete Bauhaus in Weimar galt und gilt als ein Ort der Moderne. Quasi neben dem Bauhaus tagte zeitgleich im Deutschen Nationaltheater die verfassungsgebende Versammlung der „Weimarer Republik”, in der Frauen zum ersten Mal wählen und gewählt werden konnten. In Sachen Gleichberechtigung von Frauen blieben Bauhaus-Lehrer wie Oskar Schlemmer und Johannes Itten jedoch einem konservativen Weltbild verhaftet. So vertrat Itten die Ansicht, Frauen sollten nur in der Fläche arbeiten, weil sie eine natürliche Schwäche hätten, dreidimensional zu sehen. Die Studentinnen wurden so gerne in die Weberei-Klasse abgeschoben. Und der erste Direktor des Bauhauses, Walter Gropius, befürchtete angesichts der hohen Anmeldezahlen von Frauen am Bauhaus, um das Ansehen der Schule. Zum ersten Semester am Bauhaus schreiben sich mehr Frauen (84) als Männer (37) ein – berühmt beziehungsweise bekannt wurden nur wenige Frauen des Bauhauses.
Betina Koch-Otte und Gunta Stölzl gehörten zu den begabtesten Studentinnen der Weberei-Klasse. Für das heutige Unesco-Welterbe, das Musterhaus Am Horn in Weimar, entwickelte Benita Koch-Otte 1923 die erste Einbauküche mit. Außerdem entwarf und fertigte sie für das Haus Am Horn den waschbaren Teppich des Kinderzimmers. – Koch-Otte und Stölzl kamen in den 1920er-Jahren im Rahmen ihres Studiums zweimal nach Krefeld, um dort zu lernen. Die jungen Frauen eigneten sich das Wissen über Färbereimethoden in der Samt- und Seidenstadt an und transferierten das Erlernte direkt in die Arbeit am Bauhaus. In Weimar wurde dann eine eigene Färberei eingerichtet, wo man Färbungen mit Natur- und chemischen Farbstoffen ausführen und damit experimentieren konnte. Stölzl und Koch-Otte belegten 1924 auch den so genannten „Fabrikantenkurs” an der Preußischen Höheren Fachschule für Textilindustrie in Krefeld. In erster Linie ging es dabei um das Erlernen der Bindungs- und Materiallehre, aber auch betriebswissenschaftliche Grundlagen und Vermarktung standen auf dem Programm. Stölzl wurde 1925 zur Werkleiterin und von 1926 bis 1931 zur Leiterin der Weberei am Bauhaus ernannt, in der Koch-Otte als Mitarbeiterin tätig war.
Ausstellung im Kunstpalast Düsseldorf
Betina Koch-Otte verließ noch 1925 das Bauhaus, um an einer Kunstgewerbeschule in Halle an der Saale eine Weberei-Klasse zu leiten. Sie heiratete 1925 den ehemaligen Bauhaus-Studenten, Heinrich Koch, der in Halle Fotografie lernte und später unterrichtete. Unter den Nationalsozialisten wurde beide gekündigt, sie zogen nach Prag. Nach dem Unfalltod ihres Mannes 1934, ein persönlicher Bruch für Koch-Otte, kehrte sie nach Deutschland zurück. Sie übernahm die Leitung der Weberei der Bodelschwinghschen Anstalten Bethel in Bielefeld, wo sie auch nach ihrer Pensionierung 1957 noch lehrte. An ihre Zeit in Weimar und Halle an der Saale konnte Benita Koch-Otte nach dem Zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik nicht mehr anknüpfen – wie viele Bauhaus-Frauen. Sie geriet in Vergessenheit und starb in Bielefeld.
Mit der Ausstellung „Künstlerinnen! Von Monjé bis Münter” holt der Kunstpalast Benita Koch-Otte und über 30 Künstlerinnen zurück ins Licht der Öffentlichkeit. Die Sonderausstellung widmet sich – anschließend an ein mehrjähriges Forschungsprojekt – erstmals umfassend den Lebenswegen und Werken jener Frauen, die in dieser Zeit in Düsseldorf künstlerisch tätig waren. Über 500 Namen konnten durch Recherchen in Archiven, Adressbüchern, Ausstellungskatalogen und historischen Zeitungen ermittelt werden – darunter auch Benita Koch-Otte. Die Ausstellung ist noch bis zum 1. Februar 2026 zu sehen. Weitere Informationen stehen unter www.kunstpalast.de.

