Stuttgarter Krippenspiel in der ARD: „Ekelhaft und unwürdig“ – Christmette in St. Maria provoziert Szene aus der vom SWR übertragenen Christmette in der Stuttgarter Kirche St. Maria: Im Stroh liegt ein echter Mensch mit Reispapier überzogen. Foto: SWR

Die von der ARD aus der Stuttgarter Kirche St. Maria übertragene Christmette kam nicht bei allen gut an. Nun äußert sich der Pfarrer zu seinem radikal menschlichen Bild von Gott.

Licht und die Menschwerdung Gottes stehen im Mittelpunkt einer katholischen Christmette. In diesem Jahr übertrug die ARD den festlichen Gottesdienst aus der Stuttgarter Kirche St. Maria. „So viel Mensch war nie“ lautete das Motto der von Hörfunkpfarrer Thomas Steiger gestalteten Weihnachtsmesse; das Krippenspiel einer Künstlerin machte es auf ungewöhnliche Weise anschaulich: Milena Jorek zeigte einen echten Menschen, der sich im Stroh wand.

„Das war wahrlich ein Albtraum zum Anschauen. Widerwärtig.“

Kommentar zum Krippenspiel der Performerin Eleni Sismanidou

In der Krippe lag die Performerin Eleni Sismanidou; nur mit feuchtem, rotem Reispapier bedeckt, wirkte sie tatsächlich wie ein riesiges Neugeborenes. Was als Sinnbild menschlicher Verletzlichkeit gedacht war und die Herzen berühren sollte, stieß vielen Zuschauenden eher sauer auf. „Das war wahrlich ein Albtraum zum Anschauen. Widerwärtig“ lautet einer der Kommentare, „ekelhaft und unwürdig“, fand ein anderer die Gestaltung des Gottesdienstes. Als „Schleim-Jesus“ sorgt die Performance nun für Schlagzeilen. Dabei wollte Thomas Steiger auf keinen Fall provozieren, im Gegenteil. Mal ganz schlicht und ohne Prunk sollte diese Krippe das Göttliche zeigen, „weil so Jesus geboren wurde wie jedes Menschenkind“, sagte der Pfarrer während des Gottesdienstes und fügte an: „So radikal wird Gott Mensch.“ Die Referentin an seiner Seite fühlte sich nicht ohne Grund erinnert: „Eine Geburt ist nichts Unversehrtes, nichts Heiles.“ Nicht in einem Krankenhaus, und schon gar nicht in der staubigen, kaputten Welt einer Frau auf der Flucht.

Pfarrer Steiger bedauert Provokation

In einer Stellungnahme bedauert Steiger nun, dass diese Botschaft nicht bei allen ankam. „Es liegt uns fern, Menschen bei einem Gottesdienst zu provozieren“, schreibt der Leiter der katholischen Rundfunkarbeit am SWR und erläutert: „Dass wir die Menschwerdung Gottes mit einem Kind identifizieren, ist nur eine Seite des Glaubensgeheimnisses von Weihnachten. Unsere menschliche Existenz aber, die sich Gott zu eigen macht, ist nicht idyllisch, sondern von großen Gegensätzen geprägt: von Leid und Armut ebenso wie von Schuld, Bösem und Hässlichem. Gerade im Umfeld der Kirche St. Maria im Süden Stuttgarts prallen die reiche Geschäftswelt und unterschiedliche Formen menschlicher Armut unmittelbar aufeinander.“ Deshalb sei ihm wichtig gewesen, sagt Thomas Steiger, neben dem Schönen, für das im Gottesdienst etwa der Knabenchor Collegium Iuvenum stand, „auch menschliche Schwachheit und Verletzlichkeit sichtbar zu machen“.