Lübeck. Mehr Lebensqualität nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand – das ist das Ziel des Projekts „Carol“ (Cardialer Arrest – Rückkehr zum optimalen Leben), das unter Leitung des Instituts für Rettungs- und Notfallmedizin am UKSH entwickelt wurde. Der Gemeinsame Bundesausschuss fördert das Vorhaben in den kommenden vier Jahren mit insgesamt 5,9 Millionen Euro.
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Diese Unterstützung ermöglicht nach Angaben des UKSH den Aufbau eines bundesweiten, strukturierten Nachsorgeprogramms, das erstmals medizinische, psychologische, soziale und genetische Aspekte systematisch miteinander verbindet. „Für uns ist ‚Carol‘ ein Meilenstein“, sagt Prof. Dr. Jan-Thorsten Gräsner, Projektleiter und Direktor des Instituts für Rettungs- und Notfallmedizin.

„Erstmals übernimmt unser Institut die Konsortialführung in einem Innovationsfonds-Projekt. Gemeinsam mit starken Partnern aus Medizin, Forschung und Versorgung – darunter die Techniker Krankenkasse, die Barmer, mehrere Universitätskliniken sowie spezialisierte Forschungseinrichtungen – wollen wir die Versorgung von Menschen nach einem außerklinischen Herz-Kreislauf-Stillstand systematisch verbessern“, erläutert Gräsner.
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Pro Jahr erleiden in Deutschland etwa 136.000 Menschen außerhalb eines Krankenhauses einen Herzstillstand und müssen reanimiert werden. Der Weg zurück in ein normales Leben ist oft steinig und voller Unsicherheiten. „Die körperlichen und seelischen Folgen können massiv sein“, sagt Gräsner. Viele Betroffene würden an kognitiven Einschränkungen, Ängsten oder Depressionen leiden. Auch Angehörige seien oft traumatisiert und stark belastet.
Nachsorge beginnt auf der Intensivstation
Beim Projekt „Carol“, das 2026 starten soll, beginnt die einjährige Nachsorge bereits auf der Intensivstation. Im Zentrum steht dabei die sogenannte PRA-Nurse – eine spezialisierte Fachkraft, die als konstante Ansprechperson durch alle Phasen der Behandlung begleitet.
Die PRA-Nurse koordiniert Untersuchungen und Therapien, organisiert psychokardiologische Screenings sowie genetische Abklärungen und stellt bei Bedarf den Kontakt zu sozialen Hilfsangeboten her. Die psychokardiologische Versorgung im Rahmen des Projekts übernimmt die Abteilung für Psychokardiologie der Kerckhoff-Klinik.
Die Kontaktaufnahme erfolgt bereits während des Klinikaufenthalts, später finden vier strukturierte Nachsorgetermine statt – inklusive neurokognitiver Tests, individueller Interventionsplanung und Patientenschulungen.
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Ein besonderes Augenmerk gilt Patientinnen und Patienten unter 50 Jahren: Bei ihnen wird eine genetische Diagnostik durchgeführt, unter Federführung des Zentrums für plötzlichen Herztod und Kardiogenetik der Goethe-Universität Frankfurt. Damit trägt „Carol“ nicht nur zur Stabilisierung der Betroffenen bei, sondern hilft auch, erblich bedingte Risiken in Familien frühzeitig zu erkennen.
Angehörige werden miteinbezogen
„Carol“ wird an insgesamt 15 spezialisierten Cardiac Arrest Centern in ganz Deutschland umgesetzt – darunter auch am UKSH in Kiel. Das Projekt richtet sich an gesetzlich versicherte Patientinnen und Patienten zwischen 18 und 80 Jahren, die einen außerklinischen Herz-Kreislauf-Stillstand überlebt haben und nicht dauerhaft pflegebedürftig sind. Auch die Angehörigen werden miteinbezogen: Sie erhalten Schulungen, psychologische Begleitung und ein Reanimationstraining für den Notfall zu Hause.
Trotz klarer Empfehlungen in internationalen Leitlinien existieren in Deutschland bislang keine standardisierten Strukturen für eine solche umfassende Nachsorge – „Carol“ will diese Versorgungslücke schließen.
LN