Werder-Trainer Horst Steffen kratzt sich am Kopf

AUDIO: Werder: Platz zehn ist gefährlich (2 Min)

Stand: 30.12.2025 11:58 Uhr

Werder Bremen überwintert in der Fußball-Bundesliga auf Platz zehn und ist damit die Nummer eins im Norden. Doch die Lage ist trügerisch. Die Hanseaten haben nur vier Spiele gewonnen und lediglich fünf Punkte Vorsprung auf den Relegationsrang.

von Florian Neuhauss und Moritz Cassalette

Dabei hatte die Welt Anfang November noch rosig ausgesehen und Werder den VfL Wolfsburg gerade mit 2:1 besiegt. Für den Siegtreffer sorgte eine Co-Produktion der „Königstransfers“: Victor Boniface hatte vorgelegt, Samuel Mbangula vollstreckt. Werder kletterte auf Rang acht. Jetzt sollte die Saison, da waren sich alle einig, so richtig beginnen.

„Wichtig ist, dass wir unsere Schritte gehen. Es war klar, dass es nicht immer nur in eine Richtung geht.“

Geschäftsführer Clemens Fritz

Knapp zwei Monate später ist es ruhig am Weserstadion – allerdings nicht nur wegen der Weihnachtspause. Seit dem Erfolg gegen die „Wölfe“ hat das Team von Trainer Horst Steffen keinen Sieg mehr gefeiert. Aus fünf Spielen gab es nur zwei Punkte. Die Abstiegszone ist mittlerweile näher als die Europapokalplätze. Neun Punkte Rückstand sind es auf Rang sechs.

Eine Fußballtabelle vor eine Fußballmotiv

Ergebnisse, Tabellenstände und die Spieltage im Überblick.

In Bremen soll weiter „in Ruhe“ gearbeitet werden

Gerade einmal 18 Tore hat Werder zum Jahreswechsel auf dem Konto – was nicht zuletzt daran liegt, dass der als Transfer-Coup verpflichtete Boniface Stand jetzt als Flop bezeichnet werden muss. Der Nigerianer, einst Erfolgsgarant in Leverkusens Meistersaison, wartet nach wie vor auf sein erstes Tor für Werder – und fiel viel mehr durch vermeintlich philosophische Töne auf. Mit fünf Treffern ist Mittelfeldmann Jens Stage der torgefährlichste Bremer.

„Wichtig ist, dass wir unsere Schritte gehen. Es war klar, dass es nicht immer nur in eine Richtung geht“, sagt Geschäftsführer Clemens Fritz. „Es ist wichtig, dass wir in Ruhe weiterarbeiten, aber auch nichts schönreden.“

Langes Warten auf eine Europokal-Quali

Steffens Worte klingen da deutlich optimistischer: „Wir sind auf dem richtigen Weg. Ich sehe die Kabine, ich sehe die Arbeit auf dem Trainingsplatz. Die gefällt mir total. Die Jungs sind willig und heiß“, so der Coach, der in der vergangenen Saison fast das Fußball-Wunder geschafft und die kleine SV Elversberg in die Bundesliga geführt hätte.

Wunder gab es auch an der Weser in der Vergangenheit oft genug. In dieser Saison braucht Werder wohl eines, um im Konzert der Großen mitzumischen und endlich wieder einmal die europäische Fußball-Bühne zu betreten.

Das bis dato letzte Europapokalspiel im Weserstadion fand vor mehr als 15 Jahren statt (3:0 gegen Inter Mailand). Da war der heutige Stammtorwart Mio Backhaus gerade sechs Jahre alt.

Holt Werder einen neuen Mittelstürmer?

Auf ein Wunder wollen die Club-Verantwortlichen aber nicht hoffen. Vielleicht löst ein neuer Stürmer zumindest die dringlichsten Probleme? Fritz lässt sich nicht in die Karten schauen: „Wir gucken uns das in Ruhe an. Wenn etwas Spannendes für uns dabei ist, was uns auch weiterhilft, dann werden wir uns damit beschäftigen.“

Werder vor hartem Auftaktprogramm im neuen Jahr

Auch Kapitän Marco Friedl weiß, wo der Schuh drückt: „Wir müssen das Spiel vorne auch mal irgendwie entscheiden – mit einem dreckigen 1:0. Und auch hinten gut stehen. Die nächsten Gegner werden nicht einfacher.“ Mit Hoffenheim (H), Dortmund (A), Frankfurt (H) und Leverkusen (A) warten zunächst nur Teams, die in der Tabelle (deutlich) vor den Grün-Weißen stehen.

„Wir müssen wach sein“, fordert Friedl: „Wir sind in einer Situation, in der wir unbedingt Punkte brauchen.“ Werder überwintert als Tabellen-Zehnter. Aber die Lage ist trügerisch.

Werder-Profi Cameron Puertas (M.) im Zweikampf mit Augsburgs Alexis Claude-Maurice

Die Grün-Weißen kamen am Sonnabend mit etwas Fortune im Bundesligaspiel beim FC Augsburg immerhin zu einem Punktgewinn.