Was macht ein Kunstmuseum zum Publikumsliebling? Es mag an der Zugkraft berühmter Künstler und wohl auch der vielen Performance-Spektakel liegen, die Klaus Biesenbach, Direktor der Neuen Nationalgalerie, in den letzten zwölf Monaten in der Oberhalle des Mies-Tempels inszenierte und auch ebenso am Angebot, für das ein vorwiegend jüngeres Publikum gerne geduldig Schlange steht.
Jedenfalls ist die Neue Nationalgalerie an der Potsdamer Straße mit über 600.000 Besucherinnen und Besuchern im Jahr 2025 das meistbesuchte Kunstmuseum Berlins. Zusammen mit den aktuell laufenden internationalen Ausstellungstourneen der hauseigenen Werke aus West und Ost erreichte der vom Bauhausmeister Mies van der Rohe 1968 erbaute Glas-Stein-Pavillon mit musealem Untergeschoss, Skulpturen-Garten und Skulpturen-Terrasse den Zuspruch von weltweit über 1,3 Millionen Kunstfans. So etwa auch mit der gegenwärtig durch die USA tourenden Ausstellung „Modern Art and Politics in Germany 1910–1945: Masterworks from the Neue Nationalgalerie, Berlin“.

Von Mai bis Oktober 2025 betätigte sich das Publikum in der Lygia-Clark-Retrospektive, Oberhalle der Neuen Nationalgalerie, auch als Akteure der Performance „Túnel“, nach einer Choreografie der Brasilianerin von 1968.Neue Nationalgalerie – Stiftung Preußischer Kulturbesitz/David von Becker
Kritikerschmäh bestärkte den Publikumsandrang
Sonderausstellungen im Haus an der Potsdamer Straße mit Werken und Mitmach-Angeboten von Yoko Ono, Lygia Clark, Fujiko Nakaya, Nan Goldin und derzeit aktuell Christian Marclays Film-Blockbuster-Installation „The Clock“ wirk(t)en als Magneten. Auch Ausstellungen wie „Max Ernst bis Dorothea Tanning. Netzwerke des Surrealismus. Provenienzen der Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch“, „Gerhard Richter. 100 Werke für Berlin“ sowie die ebenso inhaltlich regelmäßig modifizierte Sammlungspräsentation „Zerreißprobe. Kunst zwischen Politik und Gesellschaft. Sammlung der Nationalgalerie 1945–2000“ mit (endlich!) erfreulichen Zugängen von Werken aus der Kunstszene der DDR, ist dauerhaft gefragt.
Zahlreiche Performances-Angebote, gerade während der herbstlichen Berlin Art Week wurden gerade von jungen Leuten begeistert angenommen, auch wenn konservative Kunst-Kritiker aus dem Westteil Berlins Biesenbachs Mitmach-Programm als „Partizipationskitsch“ heruntermachten. Der Publikumsandrang wurde durch die Schmähung nur umso stärker und offenbarte ein Wohlfühl-Bedürfnis.