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Gehirnscan spiegelt sich in einer Brille (Symbolbild). © Westend61/Imago
Von frühen Erinnerungen über neue Nervenzellen bis hin zu rätselhaften Lichtersignalen liefern aktuelle Studien überraschende Einblicke ins menschliche Gehirn.
New York – Im Jahr 2025 machte die Neurowissenschaft eine Reihe von Entdeckungen, die das Verständnis des menschlichen Gehirns deutlich erweiterten. Einen Überblick über die wichtigsten Erkenntnisse veröffentlichte das Wissenschaftsmagazin Scientific American, das seit 1845 erscheint. Es gilt als ältestes kontinuierlich publiziertes Magazin der USA. Die Redaktion berichtete über neue Einblicke in Gedächtnis, Wahrnehmung, Alterungsprozesse und mögliche Therapien schwerer Hirnerkrankungen.
Eine der zentralen Erkenntnisse des Jahres betrifft die Entwicklung des Gehirns über die gesamte Lebensspanne hinweg. Eine groß angelegte Auswertung von Gehirnscans zeigte demnach, dass sich das menschliche Gehirn in fünf klar unterscheidbaren Entwicklungs- und Alterungsphasen organisiert. Entscheidende Wendepunkte treten im Alter von etwa neun, 32, 66 und 83 Jahren auf. Innerhalb dieser Abschnitte verlaufen Umbauprozesse im Gehirn bei vielen Menschen nach ähnlichen Mustern.
Gedächtnis beginnt früher als gedacht
Auch zur Frage, warum Menschen keine Erinnerungen an ihre früheste Kindheit haben, lieferten neue Studien Hinweise. Untersuchungen des Gehirnbereichs Hippocampus bei Säuglingen zeigen, dass das Gehirn bereits ab etwa einem Jahr Erinnerungen speichern kann. Warum diese frühen Gedächtnisinhalte später nicht mehr abrufbar sind, bleibt allerdings ungeklärt.
Überraschend waren zudem Befunde zu sogenannten Tau-Proteinen. Diese gelten bei Erwachsenen als Marker für Alzheimer-Erkrankungen. Bei Neugeborenen treten sie jedoch in hoher Konzentration auf, ohne krankhafte Folgen zu haben. Für Forscher ist das ein Hinweis darauf, dass schädliche Prozesse, die später mit Alzheimer verbunden sind, möglicherweise vermeidbar oder umkehrbar sein könnten.
Neue Nervenzellen im Alter
Lange galt die Annahme, dass Menschen nur mit einer festen Anzahl von Nervenzellen geboren werden. 2025 gelang es Forschenden erstmals, neu entstandene Nervenzellen sowie deren Vorläuferzellen im Gehirn Erwachsener nachzuweisen – selbst bei Menschen bis ins hohe Alter. Dies gilt als wichtiger Beleg dafür, dass das erwachsene Gehirn weiterhin neue Neuronen bilden kann.
Weitere Studien befassten sich mit der Frage, wie das Gehirn Realität von Vorstellung unterscheidet. Dabei identifizierten Wissenschaftler ein spezielles Signal, das dabei hilft zu erkennen, ob ein Eindruck real oder nur imaginiert ist. Störungen dieses Systems könnten Halluzinationen begünstigen.
Offene Frage: Wie entsteht Bewusstsein
Darüber hinaus gelang es Forschenden, mithilfe von Laserlicht eine bislang unbekannte Farbwahrnehmung zu erzeugen, die außerhalb des natürlichen Farbspektrums liegt. Ebenfalls erstmals wiesen sie nach, dass das menschliche Gehirn messbares Licht aussendet, sogenannte Biophotonen, deren Intensität sich je nach mentaler Aktivität verändert.
Trotz all dieser Fortschritte bleibt die größte Frage offen: Wie aus neuronaler Aktivität bewusstes Erleben entsteht. Neue Experimente zu konkurrierenden Bewusstseinstheorien lieferten 2025 widersprüchliche Ergebnisse. Sie machten deutlich, wie viel über das menschliche Gehirn noch unbekannt ist. (Redaktion)