Es herrscht reger Trubel auf der Königstraße. Wer sich am Montag und Dienstag in der Stuttgarter Innenstadt aufhält, ist definitiv nicht allein. Während unsere Zeitung am Samstag noch keinen Nach-Weihnachts-Ansturm in den Geschäften feststellen konnte, wird nun fleißig gekauft und umgetauscht. Auch Gutscheine werden eingelöst.
Auf vielen Schaufenstern wird mit bis zu 50 Prozent Rabatt geworben. In manchen Läden gibt es sogar einen Preisnachlass von bis zu 70 Prozent. Die Besucherinnen und Besucher der Innenstadt nutzen die Angebote. Nicht nur im Lego-Store oder im VfB-Shop schieben sich die Menschenmassen durch die Gänge. Auch auf der Königstraße selbst ist jede Menge los. Viele Passanten sind mit prall gefüllten Einkaufstaschen unterwegs. Einige von ihnen machen Halt bei Cookie Couture, sodass sich längere Warteschlangen bilden. Andere legen einen Stopp beim Stuttgart-Zeichen am Pusteblumenbrunnen ein, um Selfies zu machen.
Auch die Statistik des Portals hystreet.com belegt den entstandenen Eindruck. Am Montag waren knapp 83.000 Menschen auf der unteren Königstraße unterwegs. Zum Vergleich: Am 24. Dezember waren es keine 25.000. Nach den durchwachsenen Umsätzen im Weihnachtsgeschäft könnte nun der erhoffte Umschwung folgen. Oder täuscht der Eindruck? Die von unserer Zeitung befragten Einzelhändler haben am Montag ebenfalls einen positiven Eindruck gewonnen. Der Handelsverband Baden-Württemberg möchte aber noch keine abschließende Bilanz ziehen: „Wir haben keine Befragung durchgeführt wie an den Adventssamstagen“, heißt es beim Verband. „Die Tage zwischen den Jahren – eigentlich bis Dreikönig – sind für den Handel weiterhin von Bedeutung.“ Viele Menschen haben frei, nutzen die Zeit zum Einkaufen und lösen Gutscheine oder Geldgeschenke ein. „Wir haben auch für diesen Zeitraum erst Halbzeit, sodass eine fundierte Einschätzung der Umsätze nach Weihnachten noch schwer zu treffen ist.“
Sind Weihnachtsmarkt-Besucher auch zum Shopping in der City Stuttgart?
Klar ist aber, dass eine belebte Königstraße nicht gleich heißen muss, dass auch die Umsätze bei den Einzelhändlern stimmen. Das hat man gesehen, als der Weihnachtsmarkt mit seinen zahlreichen Ständen die Stuttgarter Innenstadt belebt hat. Auswertungen der Mobilfunkfirma Telefonica und der Passantenzähler von hystreet.com lassen einige Rückschlüsse zu. Demnach waren zum besonders gut besuchten ersten Weihnachtsmarkt-Samstag am 29. November mehr als 140.000 Menschen zwischen Marktplatz und „Wintertraum“ auf dem Schlossplatz unterwegs. Einige davon flanierten sicherlich auch – zusätzlich zum normalen Besucheraufkommen – über die Königstraße. Zwischen Hauptbahnhof und Schulstraße hat hystreet.com am 29. November allerdings „nur“ rund 50.000 zusätzliche Passanten gezählt.
Das deutet darauf hin, dass die Weihnachtsmarkt-Besucher vor allem für dieses Event in die Stadt kommen – oder, dass es sich um Menschen handelt, die am Adventssamstag ohnehin in der City beim Shoppen anzutreffen wären. Zumal während der Weihnachtsmarkt-Zeit der Wochenmarkt auf die Königstraße verlegt wird und zusätzliches Publikum dorthin zieht.
Das Stuttgart-Sign ist ein gefragter Ort, um Selfies zu machen. Foto: Torsten Ströbele
Ob viele der Zehntausenden Weihnachtsmarkt-Besucher samstags zusätzlich auf die Königstraße kommen, darf also kritisch hinterfragt werden. Ausweislich der Hystreet-Daten profitiert insbesondere die Stiftstraße von jeweils rund 13.000 zusätzlichen Passanten (plus 66 Prozent). In der Hirschstraße waren an den Adventstagen noch zwischen 1000 und 2000 Menschen mehr unterwegs als sonst, in der Schulstraße dagegen gut 3000 Menschen weniger.
Nichtsdestotrotz braucht eine Innenstadt natürlich Veranstaltungen und Anlässe, um besucht zu werden und für die Gäste attraktiv zu sein. Aber ohne die notwendigen Umsätze und Einnahmen bei den Einzelhändlern, Gastronomen und Kulturbetrieben wird es auf Dauer schwierig bis unmöglich den ersten Platz beim Vital City Award 2024 zu verteidigen.
Stuttgart ausgezeichnet als lebendigste Innenstadt Deutschlands
Die Landeshauptstadt Stuttgart wurde in der Kategorie „Städte über 600.000 Einwohner“ für die „lebendigste Innenstadt Deutschlands“ ausgezeichnet. Die Grundlage für den Preis bildet eine objektive Vitalitätskennziffer, die von hystreet.com ermittelt wird. Sie setzt die Passantenfrequenz ins Verhältnis zur Einwohnerzahl der Stadt. Mit einem Wert von über 33 sowie rund 21 Millionen Passantinnen und Passanten im Jahr 2024 erreicht Stuttgart hier den Spitzenplatz. Es folgen die Städte Frankfurt, Dortmund und Düsseldorf.