Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen) – Es ist blanker Zorn. Und tiefe Verzweiflung. Nach dem Einbruch in die Sparkassenfiliale im Stadtteil Buer versammeln sich die Geschädigten auf der Straße. Währenddessen laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Videoaufnahmen zeigen jetzt neue Details des spektakulären Coups.
Nach Tresor-Einbruch auf die Sparkasse: „Wir wollen rein! Wir wollen rein!“
Quelle: BILD30.12.2025
Die Aufklärung kommt für viele Kunden viel zu langsam, sie wollen wissen, was mit ihren Ersparnissen passiert ist. Am Dienstag versammelte sich erneut eine große Menge aufgebrachter Menschen vor der Filiale in Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen). Sie erwarten Informationen. Doch Sparkassen-Sprecher André Szymczak zu BILD: „Aktuell haben wir die Situation als Gefährdungslage eingestuft und müssen die Filiale daher vorübergehend geschlossen lassen.“

Vor der Filiale im Stadtteil Buer versammeln sich auch am Dienstag Kunden der Sparkasse
Foto: Stefano Laura/BILD
90 Prozent der Schließfächer aufgebrochen
Im geknackten Tresorraum befinden sich rund 3300 Schließfächer in unterschiedlichen Größen. Sie sind an insgesamt 2700 Kunden vermietet, einige verfügen über mehrere Fächer. Jedes einzelne Schließfach ist mit bis zu 10.300 Euro versichert. Der Versicherungsschaden könnte sich demnach auf bis zu 33.990.000 Euro belaufen – falls alle Fächer geplündert wurden und entsprechend befüllt waren. Frank Krallmann, Bereichsleiter Vorstandsstab der Sparkasse Gelsenkirchen: „Inzwischen können wir sagen, dass mehr als 90 Prozent der insgesamt rund 3300 Schließfächer im Tresorraum aufgebrochen wurden.“

Laut Frank Krallmann wurden 90 Prozent der Schließfächer aufgebrochen
Foto: Stefano Laura/BILD
Maskenmänner im schwarzen Audi RS6
Jetzt teilt die Polizei erste Erkenntnisse mit: Der Vorstoß der Täter erfolgte über das Parkhaus „Marientor“. Von dort arbeiteten sie sich durch mehrere Türen, zum Archivraum der Sparkasse. Schließlich brachen sie direkt durch die Wand in den Tresorraum. Dabei kam ein 42 cm dicker Spezialbohrer zum Einsatz. Videoaufnahmen aus dem Parkhaus zeigen einen schwarzen Audi RS6, in dem maskierte Männer sitzen.
Polizeisprecher Thomas Nowaczyk zu BILD: „Der Wagen war mit Hannoveraner Kennzeichen versehen, die sich als gestohlen erwiesen.“ Ob die Bilder der Überwachungskamera gezeigt werden, soll noch entschieden werden. Zudem lägen der Polizei Zeugenaussagen aus der Nacht von Samstag (27.12.) auf Sonntag (28.12.) vor. Dabei seien mehrere Männer mit großen Taschen im Treppenhaus des Parkhauses beobachtet worden. Zahlreiche Beamte seien bei der „EK Kernbohrer“ (Ermittlungskommission) im Einsatz.

Polizeisprecher Thomas Nowaczyk spricht vor der Sparkassenfiliale zu Journalisten
Foto: Stefano Laura/BILD
Trümmerfeld im Tresorraum und im Archiv
Der Coup fiel schließlich durch einen Brandmeldealarm am Montag, den 29. Dezember um 3.58 Uhr auf – vorher gab es jedoch schon in den frühen Morgenstunden des 27. Dezembers einen Brandmeldealarm. Laut Polizeisprecher Nowaczyk wurden dabei jedoch keine Unregelmäßigkeiten festgestellt. Ob auch zu diesem frühen Zeitpunkt der Einbruch bereits Ursache des Alarms war, bleibt unklar.
Die Polizei fand am Montagmorgen ein Trümmerfeld vor. Zu Tausenden lagen die herausgerissenen Innenkassetten aus den Wertfächern herum, dazwischen jede Menge Papiere und Gegenstände. Mitten im Chaos lag noch der massive Bohrkern. Die Größenordnung des Schadens ist auch für die erfahrenen Kriminalisten der „EK Kernbohrer“ ungewöhnlich. Polizeisprecher Thomas Nowaczyk: „Es handelt sich um einen ausgesprochen spektakulären Fall, wie man ihn sonst eher aus dem TV kennt. Dahinter stehen viele einzelne Schicksale.“
Tumult am Eingang
Die Leidtragenden des spektakulären Raubs sind die Kunden der Sparkasse. Am frühen Dienstagvormittag standen wieder schätzungsweise 200 Menschen frierend vor der Bank. Die Stimmung war angespannt, aggressiv, emotional. Aus der Menge schallte es lautstark: „Wir wollen rein, wir wollen rein!“
Die Lage drohte zu eskalieren. Mehrere Menschen drängten an Mitarbeitern eines Sicherheitsdienstes vorbei und stürmten in den Vorraum der Sparkasse. Kurz darauf rückte die Polizei mit acht Mannschaftswagen an und sicherte den Eingang. Immer wieder machten Beamte Durchsagen: „Die Bank bleibt heute geschlossen, Informationen auf der Website der Sparkasse. Gehen Sie nach Hause.“ Für viele Betroffene ein Schlag ins Gesicht.

Die Polizei sichert die Lage vor der Sparkasse. Die Ermittlungen im spektakulären Sparkassen-Einbruch dauern noch an
Foto: Stefano Laura/BILD
Unklar, wie die Bank gesichert war
Auf ihrer Internetseite bat die Sparkasse Gelsenkirchen darum, von einem Besuch vor Ort abzusehen. Dort hieß es: „Aktuell klären wir mit der Versicherung, wie die Schadensabwicklung so kundenfreundlich wie möglich erfolgen kann. Dazu werden wir alle betroffenen Kundinnen und Kunden informieren.“ Auch auf Nachfrage äußerte sich Krallmann nicht zu den Sicherungsmaßnahmen, die im aufgebohrten Tresorraum installiert waren oder eben auch nicht. Ob und welche Gegenstände die Täter zurückließen, kann die Sparkasse bisher nicht sagen. Krallmann: „Wegen erheblicher Beschädigungen konnte der Raum noch nicht betreten werden.“
Doch Worte beruhigen niemanden, der um Schmuck, Bargeld und persönliche Erinnerungsstücke bangt. Die Betroffenen wollen Antworten – nicht irgendwann, sondern jetzt.