Moskau – Was verraten diese Schockzahlen aus dem Kreml über die Wahrheit von Putins Krieg?
Der Kreml veröffentlichte am Dienstagabend ungewöhnliche Zahlen: über Kriegs-Krüppel, Prothesen-Not, Wiedereingliederungshilfen und Kriegswitwen-Hilfen: 2,3 Millionen Anträge auf Hilfe sind in nur zweieinhalb Jahren beim staatlichen Fonds „Verteidiger des Vaterlandes“ eingegangen. Das räumte der Kreml auf Putins offizieller Internetseite ein!
Vorausgegangen war ein Treffen von Putin mit der für Veteranen-Hilfe und Hinterbliebenen-zuständigen Vize-Verteidigungsministerin Anna Tsiwilewa: „Bis heute haben wir in zweieinhalb Jahren Arbeit 2,3 Millionen Anfragen und Bitten um Hilfe erhalten“, erklärte sie.
Dabei ging es um Hilfszahlungen, Rechtshilfe, medizinische Hilfen und Kuren. Hauptpunkt jedoch: „moderne Prothesen“. Die Veröffentlichung dieser Zahlen ist für russische Verhältnisse ein Novum. Normalerweise werden nur Erfolge herausgestellt.

Putin im Gespräch mit Vize-Verteidigungsministerin Anna Tsiwilewa (53)
Foto: IMAGO/ZUMA Press
Tsiwilewa machte klar: angesichts der immensen Zahl an Kriegsversehrten habe sich „das Bild eines Menschen mit Behinderung verändert“. Dann berichtet sie von dramatischen Zahlen: von 65.000 Kriegsheimkehrern, die sich freiwillig einer Vorsorgeuntersuchung unterzogen hätten, sei „bei 55.000 Krankheiten festgestellt worden“.
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Und dann folgt ein versteckter, aber dramatischer Hinweis: „Oft achten unsere Helden nicht besonders auf ihre Gesundheit, und verschiedene Krankheiten, die bei ihnen in latenter, versteckter Form verlaufen, können vorhanden sein.“
Was kann damit gemeint sein? Einen Hinweis liefert ein Bericht des britischen Verteidigungsministeriums, über den die Huffington Post berichtet. Demnach sollen heimgekehrte Veteranen für Hunderte Gewaltverbrechen gegen russische Zivilisten verantwortlich sein. Rund 550 Tote und Hunderte Verletzte werden genannt.
Auffällig: Viel Zeit ihres Gesprächs haben Putin und die Vize-Verteidigungsministerin auf Prothesen und andere Hilfsmittel für schwerst verwundete Russen-Soldaten verwendet. „Tatsächlich hat sich die Prothesenbranche in den letzten anderthalb Jahren erheblich verändert“, erklärte Tsiwilewa. Auch ungewöhnlich für russische Verhältnisse: der ausdrückliche Verweis auf behindertengerechte Wohnungsausstattung für Kriegsveteranen. „Dazu gehören spezielle Küchen, Badezimmer, spezielle Türöffnungen und die Ausstattung mit einem Smart Home-System“.
Das Kriegsversehrten-Problem geht offenbar so weit, dass selbst LKWs in Massen umgebaut werden müssen: „Und unsere Hersteller von KAMAZ-Fahrzeugen produzieren bereits Fahrzeuge mit Handsteuerung und Busse – Stadtverkehr – zum Beispiel wurden uns solche Busse auf der Abilimpix in Kasan vorgestellt –, damit unsere Veteranen auch mit Prothesen oder Amputationen in ihrem Beruf arbeiten können.“
Und weil der Krieg gegen die Ukraine inzwischen offensichtlich zum Stadtbild-Problem wird, muss natürlich auch die Jugend neu erzogen werden:
- „Ein sehr wichtiger Bereich ist die Beteiligung unserer Veteranen an der patriotischen Erziehung der Jugend, an der Verewigung des Andenkens an unsere Helden, ihre Kampfgefährten. Es werden Gedenktafeln geschaffen, verschiedene Projekte ins Leben gerufen, die wirklich von den Heldentaten der Kameraden erzählen.“
- „Wir haben bereits eine ganze Trilogie herausgebracht, drei Bücher, die von unseren Veteranen, unseren Helden – den Teilnehmern einer speziellen Militäroperation – selbst geschrieben wurden.“
Und damit Kriegs-Herr Putin in dieser Versehrten-Geschichte trotzdem das gute Väterchen bleibt, verweist seine Vize-Ministerin untergebenst darauf, dass es ohne ihn keine Hilfe für seine Kriegs-Krüppel oder deren Hinterbliebenen gäbe: „Vor zweieinhalb Jahren nahm auf Ihren Erlass hin der staatliche Fonds, Verteidiger des Vaterlandes‘ seine Arbeit auf …“