Europa muss seine Interessen stärker durchsetzen, um Frieden und Wohlstand im Jahr 2026 zu sichern, angesichts der Herausforderungen durch russische Aggression, globalen Protektionismus und sich verändernde Beziehungen zu den USA, sagte der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz in seiner jährlichen Ansprache.
Seit seinem Amtsantritt im Mai hat Merz maßgeblich die europäischen Bemühungen zur Unterstützung der Ukraine gegen die russische Invasion vorangetrieben. Berlin hat zudem seit 2023 die Verteidigungsausgaben erhöht, um zu zeigen, dass Deutschland bereit ist, mehr Verantwortung zu übernehmen.
In seiner Neujahrsansprache nahm Merz kein Blatt vor den Mund und sagte, der „schreckliche“ Krieg vor Europas Haustür stelle eine unmittelbare Bedrohung für die Freiheit und Sicherheit des Kontinents dar.
„Wir sehen immer deutlicher, dass die Aggression Russlands Teil eines Plans war und ist, der sich gegen ganz Europa richtet“, sagte Merz und fügte hinzu, dass Deutschland täglich mit Sabotage, Spionage und Cyberangriffen konfrontiert sei.
Er sagte, eine weitere Herausforderung sei der Protektionismus in der Weltwirtschaft, und dass Europas Abhängigkeit von importierten Rohstoffen zunehmend als politisches Druckmittel gegen den Kontinent eingesetzt werde.
Deutschland bemüht sich, seine exportorientierte Wirtschaft wiederzubeleben, und versucht, die Abhängigkeit von China zu verringern, während es zugleich mit globalen Handelskonflikten und den Auswirkungen der Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump zu kämpfen hat.
Die größte Volkswirtschaft Europas wurde zudem von dem getroffen, was viele Ökonomen als Mangel an innerstaatlichen Reformen und Investitionen in den vergangenen Jahren bezeichnen. Für dieses Jahr wird nach zwei Jahren der Schrumpfung nur ein moderates Wachstum erwartet.
Merz ging auch auf die schwierigere Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten ein, die lange Zeit als verlässlicher Garant für die deutsche und europäische Sicherheit galten, seit Donald Trump im Januar 2025 ins Weiße Haus zurückgekehrt ist.
„Für uns Europäer bedeutet das, dass wir unsere Interessen viel stärker selbst verteidigen und durchsetzen müssen“, sagte Merz.
Europa müsse sich jedoch von Zuversicht, nicht von Angst leiten lassen und die Dinge selbst in die Hand nehmen, so Merz weiter.
„Dies kann ein entscheidendes Jahr für unser Land und für Europa werden. Es kann ein Jahr sein, in dem Deutschland und Europa mit neuer Kraft an Jahrzehnte des Friedens, der Freiheit und des Wohlstands anknüpfen.“