Anhand von Gehirnscans konnten die Forscher ein Muster erkennen.

Anhand von Gehirnscans konnten die Forscher ein Muster erkennen. Bild: pexels / shvetsa

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Schätzungsweise drei Millionen Menschen leiden weltweit an Multipler Sklerose (MS). Mithilfe aufwendiger Untersuchungen konnten Forscher:innen nun neue Subtypen der Erkrankung ausmachen.

30.12.2025, 12:3030.12.2025, 12:30

Nathalie Trappe

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Multiple Sklerose (MS) wird im Volksmund auch als die „Krankheit der 1000 Gesichter“ bezeichnet, weil sie so individuell verläuft wie kaum eine andere Erkrankung. Kein Symptom lässt sich der Autoimmunerkrankung eindeutig zuordnen, auch die Behandlung ist noch immer schwierig.

Britischen Forscher:innen ist es nun allerdings gelungen, zwei verschiedene Typen von MS auszumachen. Dadurch könnte in Zukunft auch die Behandlung der Patient:innen gezielter und effektiver erfolgen.

Neue Studie zeigt verschiedene Ausprägungen von MS

In einer Studie des University College London brachte das Team Blutwerte und Hirnscans von insgesamt mehr als 600 Patient:innen in verschiedenen MS-Stadien zusammen. Mithilfe von KI analysierte man über mehrere Monate hinweg vor allem das Vorkommen des Proteins Neurofilament-Leichtkette (NfL). Dieses ist schon länger als Biomarker für die Autoimmunerkrankung bekannt.

Bei einigen Testpersonen stellten die Wissenschaftler:innen fest, dass der Proteinwert bereits in einem frühen Stadium der Erkrankung stark erhöht war. Parallel erkannten sie auf den Hirnscans aus dieser Gruppe starke Schädigungen im Gewebe. Im Bericht zu ihren Untersuchungen zeigen die Forscher:innen, dass dieser Subtyp deutlich früher mit erheblichen Beeinträchtigungen einhergeht.

Beim zweiten Subtyp zeigt sich der Anstieg des NfL-Proteins erst nach dem ersten sichtbaren Schwund im Hirngewebe. Diese Variante der MS-Erkrankung verläuft den Forscher:innen zufolge insgesamt langsamer.

Durch diese Erkenntnisse könnte es in Zukunft auch besser möglich sein, Patient:innen die für sie am besten geeignete Therapie anzubieten. „Je mehr wir über die Erkrankung erfahren, desto wahrscheinlicher ist es, dass wir Therapien finden, die das Fortschreiten der Krankheit aufhalten können“, sagt Caitlin Astbury von der MS Society angesichts der Forschungsergebnisse gegenüber dem „Guardian“. „Das ist eine sensationelle Entwicklung in unserem Verständnis von MS.“

Behandlung bei MS bleibt weiter limitiert

Bisher sind Behandlungsmethoden für MS-Patient:innen größtenteils an deren Symptomen ausgerichtet, man unterscheidet meist zwischen schubförmiger und progredienter (fortschreitender) Sklerose. Wenn in Zukunft mit einer KI-Erkennung das Vorkommen des NfL-Proteins getrackt wird, könnten die Betroffenen des ersten Subtyps direkt engmaschig überwacht werden. Auch ihre Behandlung könnte entsprechend angepasst werden.

Die bisherigen Möglichkeiten sind allerdings ebenfalls begrenzt. Schübe werden bei MS-Patient:innen meist mithilfe von Kortison unterbunden, ansonsten versucht man, die Symptome und das Voranschreiten der Erkrankung durch Immuntherapie zu verlangsamen.

Forscher:innen versuchen derzeit zudem, bestimmte Immunzellen genetisch so zu verändern, dass sie bösartige Zellen im Blut zerstören können. Die Therapieform CAR-T-Zellen wird einem Bericht der „tagesschau“ zufolge aktuell auch für die Behandlung von Autoimmunerkrankungen wie MS getestet.

Bei einem Patienten an der Uniklinik Tübingen etwa sorgte die entsprechende Behandlung dafür, dass große Entzündungsherde einfach verschwanden. Eine vollständige Heilung ist hier aber auch mit weiteren Neuerungen nicht möglich.