Wenn Canton seine GLE-Serie auf neuesten Stand bringt, dann wird da einiges bewegt: Nicht weniger als 12 (!) Lautsprecher plus ein Atmos-Modul firmieren aktuell unter dem Liniennamen GLE S2. Und wollte man es auf die Spitze treiben, könnte man auch Cantons Subwoofer-Modelle aus dieser Preisklasse addieren – noch einmal drei Stück. Um zu prüfen, was die neue Serie kann, haben wir uns aus dem breiten Angebot die Canton GLE 80 S2 herausgepickt. Sie liegt noch knapp im Bereich um 1.000 Euro und verspricht schon allein durch ihre 3-Wege-Bestückung mit Doppelbass eine souveräne Pegelfestigkeit – ein Versprechen, das sei hier schon verraten, über die Maßen erfüllt wird.

Über all die Jahre (wir sprechen hier ja auch über 50 Jahre Firmen-Historie) war GLE immer ein Renner und ist auch aktuell Canton bestverkaufte Serie. Zudem ist GLE seit jeher ein Leistungs-Versprechen der Hessen: beste Technik in schlichter Behausung. Wobei Canton selbst bei seinen “schlichten” Gehäusen stets eine gute Figur macht: Eine eckige Kiste – schwarz oder weiß foliert – mit einer vorgesetzten, Hochglanz-lackierten Schallwand; äußerlich sind kaum Unterschiede zur Vorgängerserie auszumachen.

Canton GLE S2 vorn / hintenDie GLE 80 S2 von hinten und von vorn: eine unauffällige Standbox im Meterformat, die man wahrscheinlich erst einmal unterschätzt… (Foto: H. Biermann)

Was also wurde anders? Wir fragten nach bei Frank Göbl, dem Entwicklungsleiter bei Canton. Göbl: „Neu sind vor allem die Treiber. Als Grundlage dafür haben wir die Treiber der Vento genommen, die allerdings noch die etwas besseren Antriebseinheiten haben. Bei der GLE S2 haben wir für die Membranen und Kalotten eine Kombination aus Aluminium Titan Black und Aluminium Black verwendet. Zum einen wird die Membran durch den weiteren Arbeitsgang schwarz – was den meisten HiFi-Freunden gefällt – und die Membran wird aber auch noch einmal härter. Das ist noch nicht ganz das Keramik-Niveau unserer Reference-Linie, aber schon ziemlich dicht dran.“ Das klingt vielversprechend. Schauen wir also mal genauer hin.

Die Besonderheiten der Canton GLE S2

Die GLE 80 SE ist eine 3-Wege Standbox mit knapp ein Meter Bauhöhe. Die Gehäusestärke des folierten Korpus (MDF) liegt bei 18 Millimetern, die lackierte Schallwand ist mit 26 Millimetern noch einmal fester ausgefallen.

Überzeugend gelöst ist auch der Anschluss. Glücklicherweise hat man bei den Hessen in dieser Klasse wieder Abstand von den (weitgehend) überflüssigen Bi-Wiring Terminals genommen; wer bitte verkabelt in dieser Klasse seine Lautsprecher doppelt? Auch in Bezug auf “Füße” hat hier ein Umdenken stattgefunden: Statt der nervigen (und meist nicht klangverbessernden) Spikes, haben nun Boden-schonende Filz-Füßchen. Recht so.

Typisch bei Canton-Standboxen ist die Doppelbass-Bestückung – in diesem Fall mit zwei 17,4 Zentimeter großen Tieftönern. Der Tiefmitteltöner ist von den Abmessungen genau so groß, hat aber natürlich auf die Mittelton-Wiedergabe optimierte Parameter. Vielleicht wäre ein kleinerer Treiber mit geringerer Masse für die Mitten noch besser. Doch auf der anderen Seite bietet eine solche Größe des Tiefmitteltöners auch meist die Gewähr für hohe Pegelfestigkeit – wir kommen noch darauf zu sprechen. Zudem können die Entwickler die Übergangsfrequenz sehr tief legen und somit die Bässe von jeglicher Mitteltonarbeit (die sie meist nicht gut beherrschen) zu entlasten.

Canton GLE S2 MIttelhochton“ATB” (Aluminiun Titan Black) heißt das neue Zauberkürzel bei Canton. Sie verheißt harte Membranen in schwarzer Farbe. Das gilt für alle Treiber (Foto: H. Biermann)Canton GLE S2 BässeDie Membranen der Tieftöner sind komplett durchgezogen. Auffällig bei allen Canton Konus-Treibern ist die mehrfach gefaltete Sicke. Die Idee ist der Profi-Technik entliehen und verspricht einen großen Hub, also hohe Pegelfestigkeit (Foto: H. Biermann)

Die Treibertechnik der GLE 80 S2 ist fraglos erstklassig – auch, wenn die Körbe aus Kunstoff sind (was Resonanz-mäßig gar nicht schlecht ist) und die Befestigung über einfache Holzschrauben erfolgt. Auch die Frequenzweiche ist rein funktional mit wenig edlen Bauteilen aufgebaut. Aber irgendwo muss ja auch mal erkennbar werden, dass wir hier am unteren Canton-Level sind…

Canton GLE S2 FrequenzweicheBei fast allen Standboxen dieser Klasse usus: Elektrolyt-Kondensatoren, Zementwiderstände und kleine Spulen bestimmen die Frequenzweiche der GLE 80 S2 (Foto: H. Biermann)Praxis

Als wir im Juni 2025 das Flaggschiff von Cantons Townus-Klasse, die fast dreimal so teure Townus 100 im Test hatten, waren wir gleichermaßen begeistert und überrascht, wie viel Pegel diese immer noch dezente Standbox raushauen kann. Und nun noch ungläubigeres Staunen vor den Pegelschreibern des LowBeats Messlabors: Die GLE 80 S2 ist um 10 Zentimeter kleiner, aber kann es noch besser: Ihr Wirkungsgrad liegt bei sehr erfreulichen 90 Dezibel, der Maximalpegel bei 110 beziehungsweise 122 Dezibel:

MTD-Spektrum Canton GLE 80 S2 @85dBC/1mNicht einmal der Ansatz von Verzerrungen: Die Canton GLE 80 S2 @85dBC/1m bei LowBeats Wohnzimmerpegel-Messung (Messung: J. Schröder)MTD-Spektrum Canton GLE 80 S2 @110dBC/1m (CTA-426-B input signal)Noch ein bisschen pegelfester als die Townus 100: Die GLE 80 S2 kommt auf 110dBC/1m (CTA-426-B input signal); mit Musiksignal sogar 122 Dezibel (Messung: J. Schröder)

110 Dezibel Dauer-Maximalpegel oder 122 Dezibel mit dynamischem Musiksignal: Das ist in dieser Preisklasse Rekord und damit ist die schmale Canton sogar noch besser als die bullige Vestlyd V12C mit ihren mächtigen 12-Zoll-Koax. Applaus! Dass aber die GLE 80 S2 noch ein Dezibel effizienter ist als die Townus 100, erklärt sich über den Tiefgang: Das Townus-Flaggschiff reicht im Bass deutlich tiefer; das kostet nun einmal Wirkungsgrad.

Noch so ein Punkt aus der schönen, neuen Canton-Welt ist die elektrische Gutmütigkeit der aktuellen Modelle. Das war wegen der typischen Canton-Hochpassfilterung nicht immer so. Aber bei der GLE 80 S2 verlaufen die Kurven von Impedanz, Phase und EPDR so vorbildlich, dass auch kleinere Verstärker (wir kommen später noch auf das Thema) wie der Cambridge AX A25 ziemlich gut mit der GLE harmonierten – obwohl er kaum mehr als 40 Watt an die Lautsprecherklemmen bringt.

Impedanzprofil Canton GLE 80 S2Impedanz (rote Kurve), Phase (blaue Kurve) und EPDR (graue Kurve) der Canton GLE 80 S2. Alles liegt auf technisch anspruchslosem Niveau (Messung: J. Schröder)

Wir haben die GLE 80 S2 relativ ausgiebig mit den Streaming-Amps Eversolo PLAY und Wiim Amp Ultra ausprobiert, die rein zufällig noch in der Redaktion waren. Beide sind ja gemessen an dem, was sie bieten, extrem günstig und dank der Endstufen-Chip von Texas-Instruments auch erstaunlich kraftvoll – jedenfalls erheblich leistungsstärker als der kleine Cambridge-Amp. Vor allem der Wiim brachte mit seinen fast 200 Watt Pegel zustande, die man dieser Kombination nie und nimmer zutrauen würde. Der Hammer! Und warum ich hier so nachdrücklich für die Kombination mit diesen Überflieger-Verstärkern werbe: Beide haben sowohl eine Raum-Einmessung, aber halt auch effiziente Equalizer eingebaut. Da kann man in ungünstigen Raum-Umgebungen aus der GLE noch einiges rauskitzeln und tut sich auch bei der Aufstellung leichter…

Hörtest

Die Kombination mit dem Wiim-Verstärker habe ich vielen Besuchern im kleinen LowBeats Hörraum vorgeführt. Allen blieb der Mund offen stehen, so gut klang es. Aber das bewahrte die Canton nicht vor den Testdurchläufen in großen LowBeats Hörraum, wo wir mit viel Leistung unserer Referenz-Anlage auch den äußeren Rand ihrer Pegelreserven austarierten…

Ich kann nur sagen: Es hat Spaß gemacht. Zum Beispiel mit dem “Drum Solo” von Manu Katché. Die GLE 80 S2 hat eine so schöne Art, die Bassdrums federnd wuchtig in den Raum zu drücken. Die Schläge kommen nicht fundamental tief, aber wunderbar knackig und mit viel Volumen. Gleichzeitig gelingt es ihr, die Snaredrum präzise und knackig nachzuzeichnen und den Becken richtig viel Energie zu geben.

Manu Katché Live in ConcertManu Katché “Live in Concert”: hohe Kunst trifft hohe Dynamik (Cover: Qobuz)

Die Canton ist von ihrer Gangart her kein Kind von Traurigkeit, das wurde nicht nur mit dem herrlichen Live-Album des Ausnahme-Schlagzeugers deutlich. Ihre Wiedergabe ist immer eher auf der lebendigen Seite, offen und erfreulich dynamisch. Auch Stimmen, wie jene der King Singers, wo wir – aus gegebenem Anlass – das brandneue “At Chrismas”-Album gewählt haben. Die Briten intonieren hier das deutsche “Stille Nacht”, wirklich schön und mit nur ganz wenig britischem Zungenschlag.

Die Canton schaffte auch hier eine präsente Darstellung, bei der man fast meinte, die Lippen der Vokal-Akteure sehen zu können. Und immer wieder der Verweis auf die Preisklasse der GLE 80 S2: Nicht, dass 1.300 Euro kein Geld wäre. Aber der klangliche Gegenwert ist hier schon gewaltig.

Ebenfalls schon länger im Testlauf befindet sich die Monitor Audio Bronze 300 7G; ihr Test folgt in Kürze. Auch sie ist erstaunlich pegelfest, aber tonal sanfter und wärmer abgestimmt. Wenn es so etwas wie einen “Weltgeschmack” gäbe, würde die Bronze 300 7G diesem wohl eher genügen. Die Canton zielt eher das Erlebnis durch Dynamik und Präsenz.

Willi Mauch MusikEine Aufnahme aus alten Tagen: Willi Mauch Musik, ein Quartett um den Sänger und Pianisten Julian Williams (Foto: H. Biermann)

Ich hatte seit Ewigkeiten mal wieder ein außergewöhnliches Album aus der Sammlung gezogen. Eine Aufnahme, die wir vor vielen Jahren im stereoplay-Hörraum gemacht haben, wo unter der kundigen Aufnahme-Leitung vom damaligen Quinton Tonmeister Heinrich Schläfer eine vierköpfige Akustik-Band fünf Cover-Versionen einspielte. Die Aufnahme war auf meinen Wunsch hin mit nur einem Mikro gemacht worden; das sorgt gemeinhin für eine besonders präzisen Räumlichkeit. Eine Aufnahme in einem Hörraum klingt naturgemäß etwas eigen, aber ungemein authentisch. Weil ich bei der Aufnahme dabei war, weiß ich auch, wie es geklungen hat – mit der präsenten Stimme des Sängers und der ungemein plastischen Abbildung der Instrumente. Mit der Monitor Audio klang das Konzert schön, nett gefällig. Mit der Canton aber so hautnah, so realistisch und so gut, dass ich das Album über sie bis Ende durchhören musste…

Fazit Canton GLE 80 S2

Ich könnte an dieser Stelle das Fazit der Canton Townus 100 fast wörtlich übernehmen – nur mit der Namens-Änderung auf GLE 80 S2: Denn zählt man alles zusammen, kommt auch bei ihr zwangsweise das Prädikat Klassenbeste dabei heraus.

Viele Firmen machen aus dem Technologie-Transfer der großen Flaggschiff-Modelle auf die unteren Linien ein ziemliches Aufheben. Auch bei Canton gibt es diesen Technologie-Transfer – aber ganz ohne Lametta. Und als wäre es das Normalste der Welt, kommen dann Lautsprecher dabei heraus, die ihre Preisklasse weit überstrahlen. Die GLE 80 S2 klingt ja nicht nur fantastisch: Vor allem ihre Rahmendaten in Bezug auf Wirkungsgrad und Pegelfestigkeit lassen die meisten Mitbewerber-Modelle ziemlich als aussehen. Und würde man die schmale Standbox in ein nobleres Gehäuse stecken (und würde man der Frequenzweiche noblerer Bauteile spendieren), kämen auch etliche, sehr viel teurere Highend-Schallwandler ins Schwitzen.

Aber diese Idee führt uns weg vom eigentlichen Ansatz: Denn wie kaum eine andere Standbox ist die GLE 80 S2 ein Plädoyer für den Aufbau einer klassischen HiFi-Anlage (zum Beispiel mit einem Eversolo PLAY oder einem Wiim Amp Ultra), die nicht einmal 2.000 Euro kosten muss, aber unfassbar gut klingen kann.

Canton GLE 80 S2 2025/12 Test-Ergebnis: 4,8 ÜBERRAGEND

Bewertung

Klang

Praxis

Verarbeitung

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.  Neutral-offenes, lebendiges und breitbandiges Klangbild  Stabil im Bass und sehr pegelfest  Hoher Wirkungsgrad  Elektrisch weitgehend anspruchslos

Vertrieb:
Canton Elektronik GmbH + Co. KG
Neugasse 21 – 23
61276 Weilrod
www.canton.de

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Canton GLE 80 S2 schwarz/weiß: 1.300 Euro

Technische Daten

Canton gle 80 S2 Konzept: 3-Wege-Standbox, Bassreflex Bestückung: TT: 2 x 17,4 cm, MT: 1 x 17,4cm, HT: 1 x 25 mm Nominelle Impedanz: 4,1 Ohm Wirkungsgrad (2,83 V/m): 90 Dezibel Max. Pegel (Dauer/kurzfristig): 110 /122 Dezibel Min.-Leistung für Max.-Pegel (Dauer): >240 Watt Oberflächen-Varianten: Schwarz, Weiß Abmessungen (B x H x T): 19 x 99,2 x 30,2 cm Gewicht:

20,6 Kilogramm

Alle technischen Daten

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