Nach dem Rückzug der Stadt aus dem Projekt in Heslach bangen Bürger um ihre Pläne für ein innovatives Wohn- und Arbeitsquartier. Es gibt einen Plan B, allerdings mit Fragezeichen.
Stattdessen soll nun die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) mit dem Land über einen Erwerb verhandeln, wie der städtische Sprecher Sven Matis mitteilt. Man befinde sich derzeit in Gesprächen mit dem Land, bestätigt SWSG-Sprecherin Saskia Bodemer-Stachelski. Zu weiteren Aspekten könne sie derzeit noch keine Angaben machen.
Die Schoettle-Bürgerinitiative, die sich mit ihrem Verein Stadt(t)räume seit Jahren für eine gemeinwohlorientierte Nutzung des Areals einsetzt, zeigt sich enttäuscht – und bleibt dennoch zuversichtlich. „Wir hätten uns gewünscht, dass die Stadt an dieser Stelle selbst Verantwortung übernimmt“, sagt Tommi Fadini, Architekt, Stadtplaner und Vorstand des Vereins. „Gleichzeitig respektieren wir die schwierige Haushaltslage und die Entscheidungen, die der Gemeinderat treffen musste.“
Ähnlich reagiert der Bezirksvorsteher von Stuttgart-Süd, Jonathan Makurath (SPD): „Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass wir als Stadt hier früher ins Handeln kommen“, sagt er. „In Anbetracht der aktuell prekären Haushaltssituation der Landeshauptstadt erscheint mir die Prüfung eines Erwerbs des Areals durch die SWSG jedoch als einzig realistische und gute Lösung.“
Die Stadt fördert die Arbeit der Initiative auch in den Jahren 2026 und 2027 finanziell, allerdings mit weniger Geld als bislang: Sie bekommt nun noch 100.000 Euro pro Jahr und nicht mehr je 150.000 Euro wie in den beiden Vorjahren. „Wichtig ist, dass sich das bürgerschaftliche Engagement vor Ort weiter entfalten kann“, sagt der Grünen-Stadtrat Florian Pitschel.
Schoettle-Initiative plant lebendigen Treffpunkt für Stuttgart-Süd
Die Schoettle-Initiative setzt sich dafür ein, das Areal des ehemaligen Statistischen Landesamts in öffentlicher Hand zu halten. Sie hat ein tragfähiges architektonisches und städtebauliches Konzept für das Gelände entwickelt. Die Vision: bezahlbarer Wohnraum, eine Stadtteil-Kantine, eine Kita, Werkstätten, Co-Workingarbeitsplätze, Nahversorgung mit kleinen regionalen Anbietern, ein Garten und einiges mehr. Es ist der Traum von einem innovativen, inklusiven Wohn- und Arbeitsquartier – und einem Treffpunkt für das Viertel, an dem sich unterschiedlichste Menschen aufhalten können, ohne Geld ausgeben zu müssen.
Die Initiative sieht sich auch nun, da die Verantwortung bei der SWSG liegt, ausdrücklich als konstruktive Partnerin. Entscheidend sei, schnell Klarheit über Zuständigkeiten, Finanzierung und nächste Schritte zu schaffen. Rückenwind hat das Vorhaben zuletzt bei einem Aktionstag auf dem Marienplatz erhalten, bei dem es viel Zuspruch aus verschiedenen politischen Lagern gab – und an dem rund 3000 Menschen Interesse zeigten, wie die Initiative mitteilt.
Tommi Fadini (li.), Florian Pitschel (2. v. li.) und Jonathan Makurath (2. von re.) bei einem Aktionstag auf dem Marienplatz Foto: Initiative Schoettle-Areal
Die Initiative hält auch angesichts der neuen Lage an ihrem Anliegen fest. „Das Schoettle-Areal darf nicht weiter im Stillstand verharren, sondern muss schrittweise für die Stadtgesellschaft geöffnet und entwickelt werden“, sagt Vorstand Fadini. Bezirksvorsteher Makurath hofft auf rasche Ergebnisse: „Längerer Leerstand schadet Stadtentwicklung, Wirtschaft und Nachbarschaft“, unterstreicht er, „insbesondere entlang der Böblinger Straße als städtebauliche Lebensader im Stadtbezirk“.
Auch Florian Pitschel erwartet Tempo. „Uns ist wichtig, dass die SWSG nun zügig über den Erwerb verhandelt, wir in die Entwicklung kommen – und Leerstand vermieden wird“, sagt er.
Mit Blick auf den Verkaufspreis nimmt Stefan Conzelmann (SPD) das Land Baden-Württemberg, dem das Schoettle-Areal derzeit noch gehört, in die Pflicht. „Auch das Land muss ein Interesse daran haben, dass hier bezahlbarer Wohnraum geschaffen wird“, sagt der Fraktionsvorsitzende von SPD und Volt im Stuttgarter Gemeinderat. „Wir vertrauen dem Verhandlungsgeschick der SWSG-Führung und erwarten vom Land, hier Verantwortung zu übernehmen, um eine städtebauliche Entwicklung voranzubringen.“
„Die vielen Gespräche mit Verwaltung, Politik und Öffentlichkeit haben gezeigt, dass der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum ebenso groß ist wie an Räumen für Kultur, gemeinschaftliches Arbeiten, lokale Wirtschaft und soziales Miteinander“, sagt Tommi Fadini. „Wir sind überzeugt, dass das Schoettle-Areal zu seiner Zeit realisiert wird.“