Tiergarten – Der Ausverkauf bei Möbel Hübner hat einen wahren Ansturm ausgelöst – lange Schlangen, volle Etagen, leere Regale. Aber es ist ein Kaufrausch mit Melancholie, denn ein Stück Berlin verschwindet. Geschäftsführer Albert Türklitz (48) erklärt, warum er das Traditionshaus nach 117 Jahren schließt.

„Die Entscheidung ist mir sehr schwergefallen“, sagt er. „Möbel verkaufen hat mir Spaß gemacht.“ Als er seinen 115 Mitarbeitern die Schließung bekanntgab, flossen auch bei ihm Tränen. Seit 18 Jahren leitet er die Geschäfte.

„Corona hat extrem viel verändert“

Die Zukunft spricht gegen ein Haus, wie unseres.“ Der Online-Handel wird in den nächsten Jahren stärker werden – auch im hochwertigen Segment. Türklitz: „Corona hat extrem viel verändert. Umsätze und Nachfrage sind aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Lage gedämpft.“ Möbel seien meistens ein Kann-Kauf, kein Muss-Kauf. „Küche, Bett oder Sofa hielten meistens noch ein Jahr länger. Und im Moment wird da viel aufgeschoben.“

Energiekosten stark gestiegen

Niedrige Umsatzzahlen bei gestiegenen Energiekosten: Die Kostenanpassung wurde immer schwieriger. Allein der Strom für 6000 Strahler auf 14 Etagen, trotz Energiesparlampen. Nächste Hürde: fähiges Personal. „Das Problem war, gute Verkäufer zu ersetzen, wenn sie in Rente gegangen sind. Handel ist als Arbeitsplatz nicht beliebt.“

Lange Schlangen an den Kassen: Am Montag stöberten die Menschen durch die Angebote

Lange Schlangen an den Kassen: Am Montag stöberten die Menschen durch die Angebote

Foto: Olaf Selchow

Der radikale Abverkauf lockt jetzt die Kunden an: 30 Prozent auf alles, drastisch reduzierte Ausstellungsstücke. „Allein am Sonnabend haben wir mehr Umsatz an einem Tag gemacht, als im Monat November“, verrät der Hübner-Chef. Bis Ende März will er alles verkaufen. Warenwert: 12 Millionen Euro.

„Es ist keine Insolvenz, wir schließen vorausschauend. Mir liegen die Mitarbeiter am Herzen.“ Diese haben eine durchschnittliche Betriebszugehörigkeit von 19 Jahren. Insgesamt erhalten sie Abfindungen in Millionenhöhe.

Seit 41 Jahren bei Möbel Hübner: Oliver Jordan (57) leitet die Exklusiv Möbel-Abteilung

Seit 41 Jahren bei Möbel Hübner: Oliver Jordan (57) leitet die Exklusiv-Möbel-Abteilung

Foto: Olaf Selchow

Oliver Jordan (57) begann vor 41 Jahren seine Ausbildung als Tischler bei Möbel Hübner. Heute leitete er die Abteilung der Exklusiv-Möbel. „Es gab immer ein familiäres Arbeitsklima. Ich hätte hier gerne bis zur Rente gearbeitet“, sagt er. Nach der Schließung wechselt er in das kleinere Geschäft Neue Wohnkultur in Zehlendorf, das genauso zu Hübner gehört, wie das Rolf Benz Haus im Living Berlin (ehemaliges Stilwerk).

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Auch ein Möbelhaus-Boss hat noch Wünsche: „Jetzt kaufe ich mir noch eine neue Küche“, so Albert Türklitz. „Denn Küchen werde ich zukünftig nicht mehr führen.“ Das 14-stöckige Gebäude soll in Wohnungen und Gewerbeflächen umgebaut werden.