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Der HBO-Hit aus den 2000ern sollte ein Comeback feiern – doch der Sender zog den Stecker. Die Begründung offenbart einen radikalen Kurswechsel.

Zwischen 2008 und 2014 prägte „True Blood“ das Image von HBO wie kaum eine andere Serie nach „The Sopranos“. Die Adaption der Southern-Vampire-Mysteries-Romane von Charlaine Harris verband düstere Fantasy mit erotischen Spannungen und gesellschaftlichen Metaphern. Sieben Staffeln lang fesselte die Geschichte um die telepathische Kellnerin Sookie Stackhouse (Anna Paquin) ein Millionenpublikum. Doch die Branche hat sich seitdem grundlegend verändert – und damit auch die Anforderungen an neue Produktionen.

Poster von „True Blood“Reboot gecancelt: Warum diese Fantasy-Serie heute einfach nicht mehr funktioniert © IMAGO / Allstar

HBO-Chef Casey Bloys bestätigte gegenüber TV Line, dass das 2020 angekündigte Reboot-Projekt endgültig eingestellt wurde. Der Grund: Eine Serie wie „True Blood“ passe nicht mehr zur heutigen Markenidentität des Senders. Was 2008 noch typisch für HBO war – sexy, düster, herrlich kitschig –, entspricht nicht mehr dem Anspruch an kinoreife, epische Großproduktionen. Die ursprüngliche Serie würde heute vermutlich nicht einmal das Pitch-Stadium überstehen, so Bloys.

Vampir-Serien im Wandel: Warum „True Blood“ heute nicht mehr funktionieren würde

Der Wandel bei HBO begann mit „Game of Thrones“: Aufwendige Produktionen mit kinematografischer Qualität ersetzten das klassische Jahresrhythmus-Modell. Serien wie „House of the Dragon“ lassen sich heute zwei bis drei Jahre Zeit zwischen Staffeln – ein Luxus, der langlebige Formate wie „True Blood“ faktisch ausschließt. Die sieben Staffeln der Vampir-Serie wären unter heutigen Bedingungen kaum realisierbar, da HBO mittlerweile feste Staffel-Obergrenzen für Budget-intensive Projekte setzt.

Vampire selbst sind keineswegs aus der Mode: Das „Interview with the Vampire“-Reboot beweist mit 99 Prozent Kritikerliebe auf Rotten Tomatoes, dass eine zeitgemäße Neuinterpretation funktionieren kann. Die AMC-Produktion verzichtet auf den Kitsch- und Camp-Faktor des 1994er-Films und fokussiert stattdessen die queeren Subtexte der Buchvorlage. Doch genau diese Modernisierung wäre für „True Blood“-Fans problematisch – die Serie lebte von ihrem überdrehten Charme, nicht von High-Budget-Ernsthaftigkeit. Übrigens hätte beinahe ein Marvel-Star die Hauptrolle in dieser beliebten Vampirserie gespielt.

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Solange HBO an seiner aktuellen Markenstrategie festhält, bleibt „True Blood“ wohl ein Relikt einer Ära, in der jährliche Staffeln und genrebedingte Extravaganz noch Standard waren. Die Serie bleibt ein Meilenstein der 2000er – aber eben auch ein Beispiel dafür, wie schnell sich Produktionsparadigmen in der Streaming-Landschaft verschieben können. Diese übernatürliche Serie ist die perfekte Alternative für „The Vampire Diaries“ und „Teen Wolf“.