In der Augsburger Puppenkiste kommen zum Jahreswechsel neue Gesichter auf die Bühne: Beim traditionellen Kabarett-Programm, das am Silvesterabend Premiere feiert, haben die aus weichem Lindenholz geschnitzten Doppelgänger von Linken-Chefin Heidi Reichinnek und Bundesministerin Dorothee Bär von der CSU ihren ersten Auftritt. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat ein neues Outfit erhalten, Friedrich Merz (CDU) und US-Präsident Donald Trump sollen ebenfalls zu sehen sein.
Neue Rolle: Olaf Scholz als Henker
Etliche Figuren sind laut Puppenkistenchef Klaus Marschall also neu dazugekommen. Andere wurden zum Statisten degradiert und so wieder verwendet: Alt-Kanzler Olaf Scholz etwa muss jetzt den Henker geben – mit einer Kappe über dem Kopf. „Ja, so giftig wollen wir eigentlich gar nicht sein. Wir wollen in erster Linie unterhalten und unseren Zuschauern zwei heitere Stunden bereiten“, sagt Theaterleiter Klaus Marschall.
Augsburger Puppenkiste schaut humorvoll-kritisch auf Politik
Fein choreografierte Puppenspielnummern mit Marionetten oder Handpuppen wechseln sich ab mit kurzen Sketchen. Kritisch soll es aber schon auch werden, sagt Marschall: Das Thema Bildung etwa müsse man „natürlich ansprechen, zumindest einmal ankratzen“. Und auch den Realitätsverlust mancher Politiker.
Prominente Schauspieler und Comedians haben den Figuren dabei ihre Stimme geliehen, BR-Sprecherin Berenike Beschle gibt die Dorothee Bär, Kabarettist Wolfgang Krebs spricht den Markus-Söder-Part. Und der bekannteste Kopf der Puppenkiste? Der lässt den Kopf jedenfalls nicht hängen, meint Marschall: „Der Kaspar bleibt optimistisch, auch in der heutigen Zeit. Ich denke, das ist ganz wichtig.“
Puppentheatermuseum „Die Kiste“ feiert Jubiläum
Zum ersten Mal ist im Jahr 1950 ein Kabarettprogramm zu Silvester aufgeführt worden. Mittlerweile feilen über ein Dutzend Puppenspieler und Ensemblemitglieder zusammen mit Puppenkistenchef Marschall wochenlang am Programm, bis jeder Gag und jede Puppennummer sitzt.
2026 steht dann auch ein Jubiläum an: Das Puppentheatermuseum „Die Kiste“ im obersten Stock der Puppenkiste feiert ihr 25-jähriges Jubiläum, mit einem Museumstag und einer Sonderausstellung.
Augsburger Puppenkiste will sich finanziell neu ausrichten
Und es wird strukturelle Veränderungen geben, sagt Klaus Marschall dem BR: „Weil alle Kosten steigen, die Zuschüsse aber nicht“. Das Puppentheater müsse sich neu ausrichten, trotz der sehr guten Auslastung, und sei daher in Gesprächen mit einem Investor. Denkbar wäre es laut Marschall, feste Kartenkontingente zu vergeben, etwa für Geschäftskunden, nach dem Vorbild von Fußballvereinen und Sportclubs.