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Schauspieler Moritz Bleibtreu in der NDR Talk Show (17 Min)
Stand: 30.12.2025 15:55 Uhr
Moritz Bleibtreu hat viele Gesichter. Der 54-Jährige ist 2025 in zwei Serien zu sehen: „Call My Agent Berlin“ und „Miss Sophie“. Im Dezember war er bei der NDR Talk Show zu Gast und hat festgestellt, dass fast alle Menschen Raclette falsch essen.
Schon als Kind will Moritz Bleibtreu ein ganz Großer werden. Weil er immer der Kleinste ist, hängt er ein Bild von dem nur 1,65 Meter messenden Humphrey Bogart an die Wand und sagt: „Wenn ich genauso groß werde, kann ich alles erreichen.“ Es hat funktioniert. Bleibtreu ist seit mehr als zwei Jahrzehnten eine feste Größe im deutschen Film, ausgezeichnet mit vielen Preisen. Weggefährten und Kollegen schwärmen von dem 1,73 Meter großen Mimen in den höchsten Tönen: Er sei ein großartiger Schauspieler, der instinktiv, fast animalisch am Puls des Gefühls sei, so Jürgen Vogel. „Moritz ist ein visueller Typ, einer, den die Kamera liebt“, sagt sein langjähriger Freund, der Regisseur Fatih Akin.
„Wusstet ihr, dass fast alle Raclette falsch essen?“
Moritz Bleibtreu liebt es zu kochen. Dabei ist er immer beeinflusst von der ostpreußischen, böhmischen und österreichischen Küche seiner Großmutter. Zu Silvester darf es gerne Raclette oder Käse-Fondue sein. Und bei Raclette gibt Bleibtreu in der NDR Talk Show einen wichtigen Hinweis: Alle würden es falsch machen, erklärt er. „Man nimmt eigentlich alles das, was man mit Käse überbacken will und brät das an.“ In das Pfännchen komme nur der Käse, der, nachdem er geschmolzen ist, über die restlichen Lebensmittel gegossen wird.
Vorgeschichte zu „Dinner for One“ mit Moritz Bleibtreu
Passend zu Silvester und Raclette läuft seit mehr als 60 Jahren das in einem NDR Fernsehstudio aufgezeichnete „Dinner for One“ in den Dritten Programmen. Eine neue Serie („Miss Sophie“) erzählt die Vorgeschichte des Kult-Sketches – zu sehen bei „Amazon Prime“. Sir Toby, Admiral van Schneider, Mister Pommeroy, Mister Winterbottom und ein ungarischer Graf liefern sich herrliche Scharmützel um die Gunst der Hausherrin. Den Champagner-Milliardär Pommeroy gibt Moritz Bleibtreu mit französischem Akzent: „Isch bin so wild nach Deinem Erdbeermund“. Das Schöne an Dialekten oder Akzenten sei, so der Schauspieler, „dass dir das so viel von einer Figur gibt, dass eigentlich die Hälfte schon gefunden ist“.

Miss Sophie, fünf Verehrer und ein junger Butler: Eine Serie bei „Amazon Prime“ mit Moritz Bleibtreu enthüllt, wie alles begann.
Serie „Call my Agent Berlin“ voller Insiderjokes
2025 ist eine weitere Serie mit Moritz Bleibtreu erschienen: „Call My Agent“ – das deutsche Remake der gleichnamigen französischen Erfolgsserie – zu sehen bei „Disney+“. Sie steckt voller Insiderjokes auf die deutsche Film- und Serien-Branche und ist ein amüsanter Blick hinter die Kulissen. So soll Moritz Bleibtreu etwa zum Schönheitschirurgen, weil er „zu alt“ für den neuesten Christopher-Nolan-Film sei. Weitere Handlungsstränge der Serie zeigen etwa Iris Berben, die ihre Karriere an den Nagel hängen will und Heike Makatsch, die nicht mehr nur als Berühmtheit wahrgenommen werden will – sondern als Mensch.
Geprägt von der Kindheit in St. Georg
Bleibtreu selbst sagt, die Schauspielerei sei nie Traum oder Wunsch gewesen, sondern eine Art Schicksal. Am 13. August 1971 in München geboren, wächst er in einem Umfeld von Schauspielern auf. Mutter Monica Bleibtreu stammt aus einer österreichischen Theaterdynastie; Vater Hans Brenner, ebenfalls Österreicher, feiert große Erfolge auf bayerischen Bühnen. Als Moritz zwei Jahre alt ist, verlässt der Vater die Familie. Mutter Monica zieht mit dem Sohn nach Hamburg, dort wächst er in einer Kellerwohnung im damaligen Problemviertel St. Georg auf. Seine Mutter arbeitet direkt um die Ecke, sie hat ein Engagement am Deutschen Schauspielhaus. Moritz beherrscht deshalb sowohl die Sprache der Gangster als auch der Feingeister.
Die Mutter besteht auf eine Ausbildung

Mit seiner 2009 verstorbenen Mutter verband Moritz Bleibtreu eine sehr enge Beziehung.
Schon als Kind arbeitet Bleibtreu als Schauspieler. Doch nach zwei Auftritten in der Kinderserie „Neues aus Uhlenbusch“ unterbindet seine Mutter weitere Engagements des Sohnes, obwohl Angebote vorhanden sind. Mit 17 Jahren schmeißt Bleibtreu die Schule und geht als Au-pair nach Paris. Später führt ihn sein Weg nach New York, wo er eine Ausbildung in Method Acting absolviert, das er allerdings hasst. Er bricht ab, überlegt, in Hamburg eine Ausbildung als Koch zu beginnen. Letztlich landet er doch am Theater, führt quasi die Familientradition fort. Trotzdem empfindet er die Bühne als „unsexy“, nutzt deshalb mit 22 die Chance von dort wegzukommen und übernimmt eine Fernsehrolle in der Serie „Schulz und Schulz“.
Gangster-Comedy – ein Genre, das Bleibtreu gefällt
Vier Jahre später kommt mit „Knockin‘ On Heaven’s Door“ der Durchbruch. Als Gangster Abdul bringt er die sogenannte Kanak-Sprak auf die Leinwand. Legendär sind Sprüche wie: „Alda … rutsch rüber oder soll ich dein Gehirn pusten, oder was?“ Gleich zwei Auszeichnungen heimst Bleibtreu dafür ein: den Deutschen Filmpreis für die beste Nebenrolle und den Ernst-Lubitsch-Preis. Es folgen Rollen in prämierten Filmen wie „Lola rennt“ und „Im Juli“. Längst spielt Bleibtreu nicht mehr nur den Möchtegern-Gangster. 2006 brilliert er als sexuell frustrierter Literaturlehrer in Oskar Roehlers „Elementarteilchen“. Auf der Berlinale gewinnt er für seine Leistung einen Silbernen Bären als bester Hauptdarsteller.
Privat mag er es ruhiger. Moritz Bleibtreu kocht und putzt gern: „Für mich geht es beim Putzen wirklich darum, etwas geschafft zu haben: Es ist dreckig, du putzt und kannst dich danach in dieses sauber riechende, schön aussehende Zimmer, wo der Sauger diese Streifen auf dem Teppich hinterlassen hat und der Glastisch glänzt, weil du darüber gegangen bist mit dem Glasreiniger, setzen. Dann guckst du das an und sagst: Das habe ich gemacht.“
2025: Zum zweiten Mal Vater geworden
Moritz Bleibtreu blickt auf eine erfolgreiche Schauspielkarriere zurück. In der NDR Talk Show erzählt er, wie sich mit dem Älterwerden der Ehrgeiz, der ihn dorthin gebracht hat, in mehr Gelassenheit verwandelt hat. Und was sein neues Vaterglück damit zu tun hat. „Früher hat mich der Beruf getrieben. Es gab immer noch etwas, was ich wollte. Das hat ein bisschen aufgehört. Jetzt ist es so, dass ich mich unheimlich freue, dass mir das alles passieren durfte und gehe mit dem, was kommt.“ Im Januar 2025 ist der Schauspieler zum zweiten Mal Vater geworden – und erfüllt von Glück: „Es ist alles wunderschön! Ich erlebe es nochmal ganz anders und freue mich tierisch.“ Er erzählt, dass er gerne früher mit der Familiengründung angefangen hätte.
Schauspielrollen hätten sich über die Jahre geändert
Mit 54 Jahren bekommt er heute nicht mehr die Schauspielrollen angeboten, wie damals, sagt er in der NDR Talk Show: „Der junge Liebhaber ist vorbei.“ Aber er empfindet das als angenehm. Frauen hätten es in der Schauspielerei viel schwerer. „Das sieht man schon am Theater, wenn du dir bei Shakespeare immer die Rollenangaben anguckst, da hast du so und so viele Männer, dann gibt es die junge Liebhaberin und dann noch die Magd oder die Amme. Viel mehr kommt da nicht.“ Das sei ein Rollenfachproblem. Bei Männern sei das nicht so stark ausgeprägt. „Bei mir kommen jetzt die Rollen, wo ich eine 14- oder 15-jährige Tochter habe, was man vorher von mir vielleicht noch nicht gesehen hat.“
Filme mit Brad Pitt, Anthony Hopkins und Lauren Bacall
Wer ihn trifft, merkt eine brodelnde Energie in ihm: „Wenn man nicht so hundertprozentig vorbereitet ist, kriegt man das noch irgendwie hin. Dann machst du am Morgen noch ein bisschen Text, spielst dich in der Szene rein, und dann geht das.“ In einigen Filmen wirkt es tatsächlich so, als würde sich Moritz Bleibtreu so ein bisschen durchmogeln. Nicht immer spielt er überzeugend, aber er hat dieses Charisma vor der Kamera. Eine Szene mit ihm ist immer eine Szene mit Moritz Bleibtreu, egal, wer damit im Bild ist. Das hat ihn auch schon nach Hollywood gebracht. Er spielte in Filmen mit Brad Pitt, Anthony Hopkins und sogar Lauren Bacall.
„Wenn man das große Glück gehabt hat, Sachen zu machen, die man liebt, dann ist es darüber hinaus ein großes Glück, wenn man darüber hinaus noch wertgeschätzt wird.“ Sein halbes Leben ist Moritz Bleibtreu schon ein Superstar. Seine Arbeit rechtfertigt das. Der Mann hinter dem Star, bleibt ein bisschen ein Rätsel.

Mit 19 Jahren steht sie erstmals auf einer Bühne, wahrgenommen wird sie erst als Mittfünfzigerin. Am 13. Mai 2009 stirbt sie in Hamburg.

Wer war eigentlich Mr. Pommeroy und wie stehen Miss Sophie und Butler James zueinander? Eine neue Serie erzählt die Vorgeschichte des NDR Klassikers.

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