„Buenas tardes!“ Die Senora war gerade dabei, den Steinboden des Supermercados zu kehren. Als Raumpflegerin, Kassiererin, Bedienung der Feinkostabteilung und Geschäftsführerin in einer Person hatte sie allerhand zu tun. Ob der knapp schulterhohe Ständer mit den Musikkassetten und dem alten Vorhängeschloss nur als musealer Hingucker gedacht war? Keinesfalls. „Die kann man alle kaufen“, stellt die Geschäftsfrau klar. Ansonsten orientiert sich das Warenangebot an eher schlichten Bedürfnissen. Jedenfalls ist der Laden von unserer Bleibe aus sozusagen „nah und frisch“.

Also angekommen in Punta Mujeres, an der Nordostküste von Lanzarote. Die Idee eines Insel-Februars jenseits des Trubels von Badhotspots wie Puerto del Carmen und Playa Blanca lief sich schon recht gut an. Die Kanaren sind trotz des gleichen Anfangsbuchstabens, der identischen Buchstabenanzahl und der Lage am Rande des Atlantik klimatisch mit der Karibik nicht gleichzusetzen.

Auch wenn die Tagestemperaturen kaum unter 20 Grad sinken und das Meer mit gut 18 bis 19 Grad beschwimmbar bleibt, sollte ein solides Joggingteil im Reisegepäck nicht fehlen. Für Wanderer empfiehlt sich dazu noch eine Regen-Windjacke, denn die Insel hat im Winter auch einige nasse Tage zu bieten. Dazu sollte festes Schuhwerk für Wanderungen im scharfkantigen Vulkangestein mit von der Partie sein. Ansonsten kann, wer zwischen dem Abtakeln des Weihnachtsbaums und dem Einfärben der Ostereier auf Lanzarote als Individualreisender anlandet, nicht so ganz danebenliegen.

Was formte die Landschaft? Vulkanismus

Nachdem sich herausgestellt hat, dass der Patscherkofel bei Innsbruck kein erloschener Vulkan ist (entgegen mancher Einzelmeinung), werden sich am Thema Vulkanismus Interessierte außer Landes begeben müssen. Das Phänomen, wie Feuerberge Land formen, kann man in der Mondlandschaft auf Lanzarote eindrucksvoll nacherleben. Die Kanaren sind allesamt vulkanischer Herkunft, so entstand auch das Profil der nördlichsten Insel mit der imposanten Kraterlandschaft der Feuerberge im Timanfaya Nationalpark.

Wer die Insel prägte: César Manrique

Die Rede ist von der vermutlich bekanntesten Persönlichkeit der Insel – César Manrique, Maler, Designer, Architekt, Umweltschützer. Der international renommierte Künstler (1919–1992) lässt sich schwer einordnen, vielleicht kommt Gestalter seinem breiten Schaffen mit dem Bestreben, Natur und Kultur zu einen, am nächsten. Manriques expressive Malweise begeisterte in New York; trotzdem kehrte er nach Lanzarote zurück und verwandelte Brachliegendes in faszinierende Architektur. Dies stets unter strenger Beachtung und Miteinbeziehung des vulkanischen Inselursprungs.

Abgesehen vom Sonntagsmarkt, ist Teguise beschaulich.

Abgesehen vom Sonntagsmarkt, ist Teguise beschaulich.  Bundschuh

Zudem machte sich César Manrique in der Restaurierung von Bauruinen federführend verdient. Besonders im Nordosten der Insel hinterließ der Künstler viele Fußabdrücke. Dazu gehört der „Jardin de Cactus“ mit seiner bezaubernd anmutenden Sammlung tausender Kakteen – zusammen mit Lavasäulen eine beeindruckend bizarre Kulisse. In dem schon an sich sehenswerten Ort Haría stehen Wohnhaus und Atelier von Manrique. Das Ensemble blieb so erhalten, wie es zu seinem Tod aussah und ist zu besichtigen.

Und ein Must für Besucher ist Jameos del Agua: Ein an mehreren Stellen eingestürzter, in seinen Ausmaßen gewaltiger Lavatunnel wurde von Manrique 1968 zu einem mit subtropischen Pflanzen und einem unterirdischen See versehenen Gesamtkunstwerk gestaltet. Hier ist es gelungen, die recht eintönige, aber in ihrer Bizarrheit faszinierende Lavalandschaft in eine ganz besondere Erlebniswelt zu verwandeln.

Ein Grund, Haría zu besuchen: die Atmosphäre

Der kleine Ort Haría verfügt, abgesehen von der einstigen Inselhauptstadt Teguise, wohl über die bemerkenswerteste Kolonialarchitektur auf Lanzarote und gilt als der schönste Ort im Norden. Vor allem der erstaunlich üppige Bestand an kanarischen Dattelpalmen und eine die Plaza Leon y Castillo beschattende Lorbeerallee machen den Ort zu einer charmanten Bummelmeile. Wer mag, rastet bei einem Glas Vino del país im Traditionshaus „Centro Socio-Cultural“ rechts neben der Kirche oder einer anderen Bar mit lokalem Ambiente.

Auch die kleine, recht versteckt gelegene Markthalle mit Garküche ist ein Ort um hängenzubleiben. Gut besucht, aber doch nicht überlaufen präsentiert sich der Kunsthandwerksmarkt am Samstag. Und wer es gerne etwas beschaulicher hat, kann als Alternative zum sonntäglichen Markt in Teguise die gemütlichen Standln von Haría wählen. Als ganz besondere Sehenswürdigkeit des Ortes gilt übrigens das letzte Wohnhaus von César Manrique, das 2013 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.

Wenn herumfahren, dann weiter nach Norden

Nur wenige Autominuten von Haría entfernt erreicht man in nördlicher Richtung die weißen Würfelhäuser von Máguez. Die historische Kirche Santa Bárbara wurde nach der Demontage des baufälligen Originals, angeregt von César Manrique, nach Originalplänen wiederaufgebaut und stellt ein Freilichtmuseum im Miniformat für sich dar. Wer etwa am Barbaratag (am 4. Dezember) in der Gegend ist, sollte sich hier die mehrtägigen Festlichkeiten nicht entgehen lassen.

Vulkane und Lavafelder prägen Lanzarote. Mondlandschaft im Timanfaya Nationalpark.

Vulkane und Lavafelder prägen Lanzarote. Mondlandschaft im Timanfaya Nationalpark.  Bundschuh

Ein Tipp für Sparefrohs: Etwa auf halber Strecke zwischen den Dörfern Máguez und Ye führt eine Straße zum Aussichtspunkt Mirador de Guinate am Steilabfall des Famara-Massivs. Betreffs des grandiosen Ausblicks steht dieses meist windige Plätzchen dem berühmten Mirador del Río um nichts nach, und den knalligen Panoramaausblick gibt‘s, anders als von ersterem, dem Parade-Mirador aus, kostenlos und ohne Gedränge.

Am Fuße des Vulkans Monte Corona, der mit 609 Metern Höhe das Panorama des Inselnordens beherrscht, liegt das Örtchen Ye – so ziemlich am Ende der Welt. In den Ländereien um den fast kreisrunden Berg wird, wie sonst nur in der Inselmitte, Wein kultiviert. Vorausgesetzt man hat sein Auto gut über die schauderhaft kraterholprige Zufahrt gebracht, kann man ein recht gutes Sortiment an Weinen in der urigen „Bodega Los Almacenes“ zusammen mit unterschiedlichen Mojo-Soßen verkosten.

Warum in der alten Hauptstadt stoppen?

In der ehemaligen, 1402 gegründeten Hauptstadt der Insel hat sich die historische Bausubstanz seit dem 17. Jahrhundert gut erhalten. Die mittelalterlichen Gebäude von Teguise fielen hingegen einer Anzahl von Piratenüberfällen mit dem Blutbad von 1586 als tragischem Höhepunkt zum Opfer. Im kleinen Zentrum präsentiert sich spanische Kolonialarchitektur, die als Muster für die Kolonialbauten in Lateinamerika gelten kann, in beispielhafter Form.

Eine Stadtwanderung durch die kleinen Gassen führt an zahlreichen Läden mit Kunsthandwerk, Bars und Restaurants, oft in altehrwürdigem verwinkeltem Gemäuer situiert und mit schmucken Innenhöfen ausgestattet, vorbei. Das im Palacio Spínola untergebrachte Museo del Timple vermittelt einen atmosphärisch dichten Eindruck von der Wohnkultur des Inseladels im 18. Jahrhundert.

An Sonntagen findet der ziemlich „angesagte“ folkloristische Markt statt, dann reiht sich Bus an Bus. Zwischen den eng stehenden Ständen drängen sich die Touristen aus allen Teilen der Insel – das Angebot ist vielfältig, der Besuch bleibt Geschmackssache.

Und noch ein Must? Die Trutzburg am Kraterrand

Massives Mauerwerk, eine Zugbrücke und Wachtürme – so empfängt das Castillo de Santa Bárbara seine Gäste. Die Anfänge der Befestigung oberhalb von Teguise reichen bis in das 14. Jahrhundert zurück. Der weite Ausblick von den Türmen der exponiert gelegenen Burg half, die Stadtbevölkerung vor den Überfällen nordafrikanischer Piraten zu warnen. Um die Stadt selbst zu schützen, ist das Fort jedoch zu weit entfernt. Der Adel fand hinter den Mauern des Castillo de Santa Bárbara Sicherheit, das Volk flüchtete in den Norden der Insel.

Trotz ihrer Wehrhaftigkeit wurde die recht kleine Burg 1586 von algerischen Freibeutern zerstört, aber schon in den Folgejahren auf- und weiter ausgebaut. Im Inneren der Burg befindet sich ein kleines, durchaus familiengerechtes Piratenmuseum.

Was tun auf Lanzarote, wenn man sportlich ist?

Dunkle Lavaasche oder blendend heller Sand, ganz nach Belieben – Lanzarote hat viele attraktive Strände. Dazu kommt eine schier unerschöpfliche Anzahl von Einstiegsleitern und kleinen teilweise recht geschützten Buchten an Felsstränden, die je nach Gezeitenablauf und Wellengang benützbar sind. Diese können, so wie in dem kleinen Dorf Punta Mujeres, auch zu Naturschwimmbecken ausgestaltet werden.

Hier trifft man, besonders an Wochenenden auf Leute aus der Umgebung und aus dem Inneren der Insel. Es liegt auf der Hand, dass das Meer das Angebot für Outdoor-Sport dominiert. Dazu kommen aber auch die Passatwinde, ideal für Drachen- und Gleitschirmflieger.

Darüber hinaus animiert das flache Inselprofil zum Radsport. Und wer es wirklich wissen möchte, reist im Frühling zum Triathlon „Ironman Lanzarote“ auf die nordöstlichste der Kanareninseln an.