Ein Mann stand im ersten Zweitliga-Topspiel der neuen Saison zwischen Fortuna und Arminia Bielefeld besonders im Mittelpunkt: Patrick Alt. Denn der Schiedsrichter traf gleich mehrere strittige Entscheidungen. Alt selbst wollte sich dazu nicht äußern, der DFB bezog aber Stellung.

Die Geschichte dazu ist am 3. August erschienen und landete in der Liste unserer meistgelesenen Fortuna-Artikel 2025 auf dem ersten Platz. So ging sie:

Klaus Allofs war völlig außer sich, und noch während der Halbzeit machte der Sportvorstand von Fortuna seinem Ärger direkt Luft. „Das ist absolut lächerlich. Die erste Gelbe Karte – damit muss man leben. Das kann ich noch verstehen und passte zur Linie bis dahin. Aber dann dafür eine Gelb-Rote zu geben, ist absolut lächerlich. Ich glaube, dass es eine falsche Entscheidung war“, schimpfte der 68-Jährige am „Sky“-Mikrofon. Wenige Minuten zuvor hatte Schiedsrichter Patrick Alt ein weitreichendes Urteil getroffen und Tim Oberdorf im ersten Saisonspiel bei Arminia Bielefeld (1:5) vom Feld gestellt – fragwürdigerweise.

Der Innenverteidiger von Fortuna hatte zwar einen gravierenden Fehler begangen und sich selbst überhaupt erst in Not gebracht, doch sein kurzer Zupfer am Trikot von Joel Grodowski weit in der Hälfte des Aufsteigers rechtfertigte eigentlich keine zweite Verwarnung und somit auch keinen Platzverweis. Besonders dramatisch: Die Rheinländer hatten bis dahin alles im Griff und führten verdient, verloren anschließend aber völlig die Kontrolle und gingen unter. „Wenn man am Ende so hoch verliert, sollte man eigentlich nicht über den Schiedsrichter sprechen. Aber was heute gepfiffen wurde, das war wirklich katastrophal“, sagte Allofs.

In der Tat erwischte Schiedsrichter Alt einen rabenschwarzen Tag, hatte die Partie zu keiner Zeit im Griff, wirkte hektisch und phasenweise völlig überfordert. Und er zog in zwei weiteren Szenen den Zorn der Düsseldorfer auf sich: als er nach dem Seitenwechsel einen ebenfalls zweifelhaften, aber offenbar von der aktuellen Regelauslegung gedeckten Strafstoß pfiff, und als er am Ende eine zehnminütige Nachspielzeit anordnete, obwohl die Partie beim Stand von 1:4 schon entschieden war. Eine Stellungnahme im Fernsehen lehnte Alt im Anschluss an die Begegnung nach Informationen unserer Redaktion übrigens ab.

Einen Tag später äußerte sich immerhin die Schiedsrichterabteilung des DFB auf Anfrage unserer Redaktion zu allen strittigen Situationen – und sah keinerlei fehlerhaftes Verhalten des Unparteiischen. Vor dem Platzverweis gegen Oberdorf habe sich die Arminia „nach der Balleroberung durch Joel Grodowski in einer Umschaltsituation“ befunden, hieß es. „Fortuna war mit vielen Spielern weit aufgerückt, Grodowski hätte mehrere Anspielstationen gehabt. Insofern ist es nachvollziehbar, dass der Schiedsrichter das Foulspiel von Tim Oberdorf in Form des kurzen Haltens regeltechnisch als Verhinderung eines aussichtsreichen Angriffs bewertet und mit der vorgesehenen Verwarnung geahndet hat, was dann in der Summe zu Gelb-Rot führte.“

Auch die Strafstoß-Entscheidung bezeichnete der DFB als korrekt. „Wenn ein Spieler mit deutlich abgespreiztem Arm einen Schuss des Gegners zu blocken versucht, ist ein etwaiges Handspiel nach der gültigen Regelauslegung auch dann strafbar, wenn der Ball zuvor von einem anderen Körperteil an diesen Arm geprallt ist. Wesentlich ist hier, dass sich Sotiris bereits vor dem Auftreffen des Balles auf dem Oberschenkel mit dem Arm unnatürlich breiter gemacht hatte“, erläuterte der Verband.

Und für die zehnminütige Nachspielzeit lieferten die Verantwortlichen ebenfalls eine Erklärung. „Seit Beginn dieser Saison wird die Länge der Nachspielzeit stärker an die tatsächlich verloren gegangene Spielzeit angepasst, nicht zuletzt, um die Nettospielzeit zu erhöhen“, hieß es. „Torerzielungen und Auswechselvorgänge werden grundsätzlich pauschal mit 30 Sekunden erfasst, es sei denn, die tatsächliche Dauer weicht von diesem Wert deutlich nach oben oder unten ab. Verletzungsunterbrechungen sowie Interventionen des VAR und längere VAR-Checks werden in Echtzeit gemessen. Die Erfassung übernimmt dabei der Assistent des VAR.“

Jeweils kurz vor dem Ende der beiden Hälften werde die Mindestnachspielzeit „nach vorheriger Abstimmung mit dem VAR und einer Plausibilitätsprüfung“ an den Schiedsrichter kommuniziert. „Die endgültige Festlegung obliegt weiterhin dem Unparteiischen“, teilte der DFB mit und zählte auf: „In der zweiten Hälfte des Spiels gingen 2,5 Minuten für Auswechslungen verloren, 1,5 Minuten nach Toren, 3,5 Minuten für Verletzungsunterbrechungen, 1,5 Minuten für die Überprüfung der Strafstoßentscheidung durch die Video-Assistentin und eine Minute für sonstige Unterbrechungen. Somit ergab sich eine Nachspielzeit von zehn Minuten.“

Eine einheitliche Umsetzung dieser Anpassung erfolgte mit Blick auf die anderen Zweitliga-Partien des ersten Spieltags allerdings nicht. So belief sich die Nachspielzeit der Begegnung zwischen Hannover 96 und dem 1. FC Kaiserslautern (1:0) im zweiten Durchgang zum Beispiel lediglich auf drei Minuten. Der Ärger von Fortuna-Sportvorstand Allofs während und nach dem Duell in Bielefeld, er war durchaus nachvollziehbar.