Seit 2014 steht die drei Meter hohe Skulptur „Augenblick“ in Lichtenwald. Jetzt ist bekannt, wer sie gespendet hat. Foto: pst
Die Skulptur „Augenblick“ steht schon länger in Lichtenwald (Kreis Esslingen). Jetzt spricht das Künstlerpaar Heinze darüber, wer das Kunstwerk beauftragt hat und warum.
Seit dem Jahr 2014 steht an einem der höchsten Punkte des Lichtenwalder Höhenwegs zwischen Bürgerzentrum und Naturfreundehaus die Skulptur „Augenblick“ der Künstler Angie und René Heinze. Das mehr als drei Meter hohe ovale Kunstwerk, Teil des Lichtenwalder Kulturrundwegs und täglich Ziel vieler Spaziergänger, war laut einer damaligen Mitteilung „von einem Lichtenwalder Bürger und Gönner der Gemeinde, der anonym bleiben möchte“ gespendet worden. Wie das Künstlerpaar kürzlich bekannt gab, kann die Anonymität nun aufgehoben werden.
„Die Skulptur wurde von der Lichtenwalderin Waltraut Heyke gespendet“, erzählt Angie Heinze. Waltraut Heyke, promovierte Altphilologin und, wie Heinze sagt, „ein Vorbild an humanistischem Engagement“, war Lehrerin am Abendgymnasium Esslingen und Dozentin an der VHS Lichtenwald. Im Ruhestand hat sie Privatkurse in lateinischer Sprache zum Weltgeschehen und zu philosophischen Fragen gegeben. Im vergangenen Herbst ist sie im Alter von 88 Jahren verstorben.
Foto: pst Heyke wollte Lichtenwald einen besonderen Ort schenken
Waltraut Heyke war mit der Idee, nach dem Tod ihres Mannes Hans Eberhard Heyke im Jahr 2013 „einen Platz der Kontemplation, des Erinnerns und auch des Trauerns zu gestalten“, auf das Künstlerpaar zugekommen, erzählt Heinze. Ihr ausdrücklicher Wunsch sei dabei gewesen, anonym zu bleiben und ihren Namen erst nach ihrem Tod zu veröffentlichen.
„Waltraut Heyke war eine aufgeschlossene, der Kunst und der Welt zugewandte Frau. Sie hat Position bezogen und hat darauf geachtet, dass sie für alle Menschen etwas tun kann“, erzählt René Heinze. So sei es ihr ein Anliegen gewesen, nicht nur einen persönlichen Ort des Erinnerns zu schaffen, sondern den Lichtenwaldern, den Wanderern und den Spaziergängern, die den Höhenweg und die spektakuläre Aussicht auf das Albvorland und die Alb zu schätzen wissen, einen Ort des Wohlfühlens zu schenken.
Ein vielschichtiges Kunstwerk in Lichtenwald
Ein Dinosaurier-Ei, das auf das Alter der Alb verweist, das Okular im oberen Drittel der Skulptur, mit in Gold und Silber glitzernden Plättchen ausgelegt, das den Blick in den Himmel richtet – „wenn die Leute alles Mögliche in dem Kunstwerk gesehen haben oder einfach nur von dem Anblick und der schönen Aussicht dort geschwärmt haben, ging ihr das Herz auf“, erzählt Angie Heinze.
Waltraut Heyke wollte indes mit der Skulptur auch eine Botschaft verbunden wissen. Die roten Mosaiksteine im oberen Teil des Kunstwerks sind auf der dem Weg zugewandten Seite scharf von den darunter angeordneten grauen Flächen abgegrenzt und bilden ein zwar stilisiertes aber doch leicht erkennbares M. „Es ist ein Symbol der Vergänglichkeit und steht für den lateinischen Ausspruch memento mori – bedenke, dass du sterben musst“, erklärt Angie Heinze.
Gleichzeitig weise der Name der Skulptur „Augenblick“ auf die Gegenwart hin und fordere auf, das Leben zu genießen. „Die Zeit ist eine treue Begleiterin und sie besteht aus kostbaren, unwiederbringlichen Augenblicken“, sagt Angie Heinze. So stehe das M auch für einen weiteren Leitsatz von Waltraut Heyke: „Memento vivere – erinnere dich, zu leben“, sagt die Künstlerin.