KI and Search-Studie | Bild: BR/Medienforschung, Colourbox

Seit dem Markteintritt von ChatGPT, aber vor allem seit der Veröffentlichung der “AI Overviews” von Google herrscht Unruhe in der Medienbranche. Neben Urheberrechts- und Leistungsschutzthemen bewegt die Frage, inwieweit die KI-generierten Antworten die Nutzenden davon abbringen, überhaupt noch redaktionell gestaltete Websites aufzurufen. Für öffentlich-rechtliche Web-Angebote geht es dabei um Sichtbarkeit und Relevanz. Die Medienforschung des BR hat mit der “KI & Search”-Studie die Nutzer selbst über ihr Suchverhalten online reflektieren lassen und liefert damit Zahlen jenseits von rein technischen Traffic-Messungen.

Welche Rolle spielt KI bei der Informationssuche?

82 Prozent der 16- bis 69-Jährigen in Deutschland haben zur Informationssuche bereits eine Form von Künstlicher Intelligenz (KI-Tools oder KI-Zusammenfassungen in Suchmaschinen) genutzt, 61 Prozent tun dies regelmäßig (d.h. täglich oder wöchentlich). Die in verschiedenen Suchmaschinen auffindbaren KI-Zusammenfassungen sind Teil der mindestens wöchentlichen Suchroutine von 41 Prozent der Befragten. Noch verbreiteter sind KI-Tools wie ChatGPT, Google Gemini oder Perplexity mit einem wöchentlichen Nutzerkreis von 49 Prozent.


KI and Search-Studie | Bild: BR/Medienforschung, Colourbox

KI and Search-Studie

Dabei ist zu bedenken, dass das meistgenutzte und erste Tool seiner Art, ChatGPT, erst seit knapp drei Jahren verfügbar ist. KI als Suchwerkzeug ist vor allem bei jüngeren Menschen beliebt: 87 Prozent der 16- bis 29-Jährigen und 72 Prozent der 30- bis 49-Jährigen sind regelmäßige Nutzer von KI-Zusammenfassungen oder KI-Tools. 

Wie hat sich die Informationssuche durch KI verändert

Um das festzustellen, sollten die Nutzer von KI-Tools und KI-Zusammenfassungen in Suchmaschinen (mind. selten; 46 % der gesamten Stichprobe) einschätzen, ob sie bestimmte Online-Angebote zur Informationssuche seit der Verfügbarkeit dieser KI-Anwendungen häufiger oder seltener nutzen. Dabei kamen nachrichtliche Websites und Apps (speziell die Angebote des öffentlich-rechtlichen Rundfunks) relativ glimpflich davon, wenngleich sich ein leichter Nutzungsrückgang abzeichnet. Düsterer ist das Bild für Blogs und Foren und Wikipedia: Bezogen auf den Teil ihres jeweiligen Publikums, das KI-Zusammenfassungen und KI-Tools zumindest selten nutzt, verlieren sie rund ein Fünftel ihrer Nutzerschaft aufgrund substitutiver Nutzung von KI-generierten Antworten von Suchmaschinen oder KI-Tools.

Wird trotz KI generierter Zusammenfassung auf Links geklickt?

Um indikative Zahlen zum Phänomen der “Zero-Klick-Suchen” zu erhalten, wurden die Befragten nach ihrem Online-Suchverhalten innerhalb der letzten Woche gefragt. 54 Prozent derjenigen, die in diesem Zeitraum KI-Zusammenfassungen in Suchmaschinen begegnet sind, klickten in höchstens der Hälfte der Suchvorgänge auf einen weiterführenden Link.


KI and Search-Studie | Bild: BR/Medienforschung, Colourbox

KI and Search-Studie

Wenn doch ein Link angeklickt wurde, dann eher einer auf der herkömmlichen Suchergebnisliste als in einer KI-Zusammenfassung. Der Effekt ausbleibender Link-Klicks dürfte aber sogar noch ein Stück größer sein. Denn unter den Nutzenden von KI-Zusammenfassungen geben 19 Prozent an, dass ihnen in den Überblicken bisher noch gar keine weiterführenden Links aufgefallen sind. In KI-Tools enden nochmal deutlich mehr Anfragen ohne die Prüfung der Quelle: Hier sagen 76 Prozent der Nutzer innerhalb der Woche vor der Befragung, dass sie in höchstens der Hälfte der Suchvorgänge weiterführende Links aufgerufen haben.

Hohe Zufriedenheit mit der Qualität der KI-Antworten, aber begrenztes Vertrauen

Grundsätzlich bewerten die Nutzenden die Qualität KI-generierter Antworten in Suchmaschinen wie KI-Tools überwiegend positiv. Besonders hervorgehoben werden Benutzerfreundlichkeit, Aktualität und Relevanz. Dieses positive Bild steht im Gegensatz zu Messungen der Qualität von KI-Antworten (z.B. EBU-Studie “News Integrity in AI Assistants”). Trotz der hohen Nutzung und positiven Bewertungen vertrauen nur etwas mehr als die Hälfte den KI-generierten Infos. Websites und Apps des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und von privaten Medienanbietern genießen bei der Informationssuche weiterhin ein deutlich größeres Vertrauen..