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Ab Januar 2026 gilt bei einer US‑Airline: Wer über den eigenen Sitz hinaus Platz braucht, muss zwei Plätze buchen – und zahlen.

Kassel – Flugreisen sind für Millionen Menschen weltweit der schnellste Weg, um ferne Ziele zu erreichen – sei es für Urlaub, Familie oder Geschäft. Während lange Wartezeiten am Flughafen oder Verspätungen oft im Fokus stehen, entscheidet an Bord vor allem eines über den Komfort: der Sitzplatz.

Auf ausgebuchten Flügen kann es in der Economy eng werden – gerade für übergewichtige Passagiere.Aus für kostenlosen Zweitplatz: US-Airline macht Schluss mit kulanter Regelung (Symbolbild) © JOERAN STEINSIEK/ STEINSIEK.CH/ Imago

Besonders in der Economy Class beklagen Reisende enge Reihen, wenig Beinfreiheit und eingeschränkten Bewegungsraum, vor allem auf Mittel- und Langstreckenflügen. Airlines passen deshalb Kabinen, Tarife und Zusatzleistungen kontinuierlich an, von Gepäckgebühren bis zu Komfort-Upgrades. Kurzum: Komfort ist eine Frage der verfügbaren finanziellen Mittel. Neue Sitzplatzregeln können dabei schnell zum Balanceakt werden – insbesondere wenn es darum geht, wer wie viel Platz beanspruchen und dafür bezahlen muss.

Neue Sitzplatzregel bei Southwest Airlines

Genau an diesem Punkt setzt die aktuelle Änderung bei Southwest Airline an. Ab dem 27. Januar 2026 müssen Passagiere, die mehr als einen Standard-Sitzplatz beanspruchen, zwei Plätze buchen – und bezahlen, wie die US-Airline in einer Pressemitteilung informiert.

„Kunden, die den/die benachbarten Sitzplatz(e) beanspruchen möchten, sollten vor Reiseantritt proaktiv die erforderliche Anzahl an Sitzplätzen buchen, um sicherzustellen, dass der zusätzliche Sitzplatz verfügbar ist. Die Armlehne gilt als definitive Grenze zwischen den Sitzen. Darüber hinaus kann Southwest nach eigenem Ermessen entscheiden, dass aus Sicherheitsgründen ein zusätzlicher Sitzplatz erforderlich ist“, heißt es weiter.

Damit verschärft Southwest ihre Richtlinien für übergewichtige Passagiere deutlich. Es geht nicht um optionale Upgrades oder Premium-Sitze, sondern um eine verbindliche Regel für alle, die über den normalen Sitz hinaus Platz benötigen. Wer ohne zweiten Sitzplatz am Flughafen erscheint, kann auf einen anderen Flug umgebucht werden. Seit September 2025 gilt an einigen deutschen Flughäfen eine neue Regel bei Kontrollen.

Die zehn spektakulärsten Flughäfen weltweit: Ist Ihr Reiseziel darunter?Es ist der Princess Juliana International Airport im karibischen Sint Maarten zu sehen. Fotostrecke ansehenZweitsitzpflicht auch bei anderen US-Airlines

Bisher reagierte Southwest Airlines gegenüber übergewichtigen Passagieren sehr entgegenkommend: Sie konnten entweder die Kosten für einen zusätzlichen Sitzplatz im Voraus bezahlen und später eine Rückerstattung erhalten oder am Flughafen einen zweiten Sitzplatz kostenlos anfordern, berichtet die New York Times. Viele Betroffene machten die Airline dadurch zu ihrer bevorzugten Wahl.

Nach der neuen Regel ist ein zweiter Sitzplatz nicht erstattungsfähig – außer wenn:

  • der Flug mit mindestens einem freien Sitzplatz startet,
  • beide Sitze innerhalb derselben Tarifklasse gebucht wurden und
  • der Rückerstattungsantrag innerhalb von 90 Tagen nach dem Flug gestellt wird.

Ähnliche Regelungen gelten laut SmarterTravel.com bereits bei anderen US-Airlines, darunter American Airlines und United Airlines. So müssen Passagiere, die deutlich in den Nachbarsitz ragen oder den Gurt nicht schließen können, einen zweiten Sitz oder ein Upgrade kaufen, wobei die Kosten meist nicht erstattungsfähig sind. Derweil verbesserte die Lufthansa das Reiseerlebnis mit einem digitalen Service auf Langstreckenflügen – für alle Passagiere.

Neue Airline-Regel stößt auf Kritik

Ein Sprecher von Southwest Airlines erklärte gegenüber der New York Times, dass das Unternehmen Passagiere, die bisher die Extra-Sitzplatz-Regelung nutzen, über die neuen Vorschriften informiert habe. Darüber hinaus kündigte die Airline umfassende Änderungen an: Dazu gehören die Abschaffung der freien Platzwahl und die Erhebung von Gebühren für aufgegebenes Gepäck. Unterdessen erlassen auch immer mehr Fluggesellschaften und Luftbehörden weltweit strengere Vorschriften für die Mitnahme von elektronischen Geräten mit Lithium-Akkus.

Tigress Osborn, Geschäftsführerin der Interessenvertretung National Association to Advance Fat Acceptance, bezeichnete die Änderungen als „verheerend“ für übergewichtige Passagiere. Sie kritisierte, dass die neuen Regeln die Kosten erhöhen und die Reiseerfahrung unangenehm machen. „Southwest war für viele übergewichtige Menschen, die sonst nicht geflogen wären, der einzige Hoffnungsschimmer“, so Osborn. „Und jetzt ist dieser Hoffnungsschimmer erloschen“.

Auch die amerikanische Plus-Size-Aktivistin Jaelynn Chaney übt scharfe Kritik und ruft in einem TikTok-Video Fluggesellschaften sogar dazu auf, übergewichtigen Passagieren kostenlose Extra-Tickets anzubieten – wofür sie von vielen Nutzern allerdings viel Gegenwind erhielt.

Es ist nicht der einzige Punkt, in dem sich Airlines stark voneinander unterscheiden: Gepäckkosten können je nach Fluggesellschaft unterschiedlich ausfallen. Ein beliebtes Urlaubsland führt indes eine neue Flugzeug-Regel ein. (Quellen: Pressemitteilung Southwest Airline, New York Times, SmartTravel.com) (vw)

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