Ausgelassene Feiern, aber auch Angriffe auf Polizei und Brände: Deutschland ist in das Jahr 2026 gestartet. Um Mitternacht lagen sich Menschen in den Armen, prosteten sich zu. Die Feierlichkeiten werden begleitet von einem Großaufgebot der Polizei – als Konsequenz auf Angriffe auf Einsatzkräfte zu Silvester in den Vorjahren.
In Bielefeld gab es zwei tödliche Unfälle durch unsachgemäße Handhabung von Pyrotechnik. Die Polizei teilte mit, zwei jeweils 18 Jahre alte Bielefelder hätten an unterschiedlichen Orten selbstgebaute Pyrotechnik unkontrolliert gezündet und dabei tödliche Gesichtsverletzungen erlitten. In beiden Fällen lägen derzeit keine Hinweise auf ein Fremdverschulden vor.
Vielerorts waren Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst im Großeinsatz. In Berlin gab es bis 1 Uhr mehr als 300 Festnahmen, Polizisten und Sanitäter wurden angegriffen. In Neukölln in der Hermannstraße und in Moabit hätten Menschen mit Feuerwerksraketen und Böllern auf Einsatzkräfte geschossen und geworfen, sagte ein Polizeisprecher. Bei Festnahmen von mutmaßlichen Tätern habe es weitere Angriffe gegeben.
In Spandau soll ein Mensch durch die Explosion einer Kugelbombe leicht verletzt worden sein. Genaueres war nach Angaben der Polizei zunächst nicht bekannt. Bereits am Silvesterabend wurden laut Polizei mehr als 100 Menschen wegen Missbrauchs von Feuerwerk von der Polizei vorläufig festgenommen. Es gehe in den meisten Fällen um Verstöße gegen Sprengstoffvorschriften.
Feuerwehren im Dauereinsatz
Zwischenfälle gab es in der Nacht auch in Hamburg: Im Stadtteil Steilshoop wurden laut Polizei Passanten und Einsatzkräfte mit Pyrotechnik beworfen. Von Verletzten war zunächst nichts bekannt. Mutmaßliche Täter wurden demnach festgestellt; ob diese auch festgenommen wurden, war zunächst unklar. In Leipzig brannten Mülleimer. Es kam zu Zwischenfällen. Die Lage war noch unübersichtlich.
In Solingen sind Einsatzkräfte der Feuerwehr in der Silvesternacht im Einsatz beim Brand einer Lagerhalle.Christoph Reichwein/dpa
Auch Feuerwehren sind im Dauereinsatz: Brände wurden in der Nacht aus mehreren Bundesländern gemeldet. So standen Dachstühle in Flammen, es brannten Mülltonnen, Hecken, Autos. Eine erste Bilanz wurde erst für den Neujahrstag erwartet.
Wo gab es die größten Partys?
Die größten öffentlichen Partys unter freiem Himmel gab es diesmal am Brandenburger Tor in Berlin, in Hamburg am Hafen und in der Münchner Innenstadt. In der Hauptstadt feierten Zehntausende Menschen nahe dem Brandenburger Tor auf der Straße des 17. Juni gut gelaunt bei der offiziellen Freiluftparty der Hauptstadt. 25.000 Tickets standen zur Verfügung.
Die in den vergangenen Jahren übliche Silvesterfeier mit Bühnenshow und Bands am Brandenburger Tor war vom Veranstalter abgesagt worden, nachdem das Land Berlin die öffentlichen Zuschüsse gestrichen hatte. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hatte in den vergangenen Monaten dennoch betont: „Wir wollen, dass am Brandenburger Tor etwas stattfindet.“ Es sei wichtig, dass es neben Bildern vom Jahreswechsel aus Sydney und New York auch solche aus Berlin gebe.
Feuerwerksraketen erleuchten in der Silvesternacht den Himmel über der Münchner Innenstadt.Peter Kneffel/dpa
Bei einer großen Silvesterparty auf der Ludwigstraße in München feierten nach Veranstalterangaben um die 10.000 Menschen in das Jahr 2026 hinein. Es sei alles friedlich gewesen, sagte Katrin Strauch von der Veranstaltungsagentur Gral. „Es gab keine Zwischenfälle, überhaupt nichts.“
Wer das neue Jahr draußen begrüßte, war am besten warm angezogen. In Teilen Deutschland riet der Deutsche Wetterdienst zur Vorsicht wegen Schnees und Glätte. Im Norden soll es in den nächsten Stunden zunehmend stürmisch werden.
Diskussion um Silvesterböller
Erneut flammte die Diskussion über ein Böllerverbot auf. Unter anderem Ärztevertreter, Polizisten und Tierschützer fordern ein generelles Anwendungsverbot für private Böller und Raketen. Denn immer wieder gibt es viele Verletze durch Pyrotechnik und sogar Tote.
Die Niederlande machen bereits Ernst: Ab dem Jahreswechsel 2026/2027 ist privates Feuerwerk per Parlamentsbeschluss verboten. Die Nacht verlief unruhig, In etlichen Städten musste die Polizei wegen Gewalt sowie Unglücken und Vorfällen mit Feuerwerk ausrücken. Es gab Gebäudebrände, Verletzte und Festnahmen.
Viele Vorfälle in den Niederlanden
In der Großstadt Nijmegen an der deutschen Grenze kam ein Mensch bei einem Unglück mit einem Böller ums Leben. In Amsterdam geriet der Turm der Vondelkirche im Zentrum der Hauptstadt in Brand, wie die Nachrichtenagentur ANP meldete. Die Spitze des Turms stürzte ein, ein Großaufgebot von Einsatzkräften rückte an.
In Amsterdam brennt die Vondelkirche.EPA/Laurens Niezen
Weil der niederländische Notruf überlastet war, riefen die Behörden die Bevölkerung auf, ihn nur bei lebensbedrohlichen Situationen zu wählen. In der Großstadt Breda wurden Polizisten mit Molotowcocktails und Gehwegplatten beworfen. Autos wurden in Brand gesetzt, auch ein Polizeiwagen brannte aus, und es gab Schlägereien. Auch in Roosendaal an der belgischen Grenze wurden Beamte nach Angaben der Polizei mit schweren Feuerwerkskörpern beworfen, es gab sieben Festnahmen. In Den Haag wurden ebenfalls Beamte mit Böllern beworfen, berichtete ANP.
ZDF-Silvestershow diesmal aus Hamburg
Anders als in den Vorjahren kam die ZDF-Silvestershow mit Andrea Kiewel und Johannes B. Kerner diesmal aus der Hafencity in Hamburg und nicht aus Berlin. In der ARD präsentierte Florian Silbereisen zum zweiten Mal eine Silvestershow aus München.
Das Hamburger Silvesterfeuerwerk fand hinter der schwimmenden ZDF-Bühne am Chicagokai in der Hafencity statt.Christian Charisius/dpa
Während es in Deutschland noch dauert, sind Millionen Menschen schon in das neue Jahr gerutscht. Den weltweiten Anfang machte um 11 Uhr MEZ das Südsee-Atoll Kiritimati mit seinen rund 7.300 Einwohnern, das zum Inselstaat Kiribati gehört. Es folgten unter anderem Neuseeland und Teile Australiens.
Sydney machte dabei zwei Wochen nach dem tödlichen Anschlag am Bondi Beach deutlich: Die Menschen in der Stadt lassen sich vom Terror nicht einschüchtern. Rund um die ikonische Harbour Bridge und das Opernhaus wurde um 14 Uhr deutscher Zeit wie gewohnt ein gigantisches Feuerwerk gezündet – unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Die traditionellen Feiern am Bondi Beach wurden hingegen abgesagt.
An dem berühmten Strand hatten am 14. Dezember zwei Attentäter – ein Vater und sein Sohn – beim jüdischen Lichterfest Chanukka auf eine Menschenmenge geschossen. 15 Menschen starben, Dutzende wurden verletzt. Schon vor Mitternacht wurde der Opfer in einer Schweigeminute gedacht.
Feuerwerk an der Copacabana und „Ball Drop“ in New York
Bis Neujahrsmittag deutscher Zeit wird noch an zahlreichen Orten gefeiert werden. Von Flößen vor dem berühmten Copacabana-Strand in Rio de Janeiro werden um 4 Uhr MEZ Tausende Raketen und Böller in den tropischen Nachthimmel geschossen.
Sechs Stunden nach Deutschland startet der wohl bekannteste Countdown der Welt: In New York wird der Times-Square-Ball an einem 43 Meter hohen Mast herabgelassen und läutet damit den Start in das neue Jahr ein.
26 Stunden dauert es, bis der ganze Globus in das neue Jahr gerutscht ist. Amerikanisch-Samoa, das nur 220 Kilometer östlich von Samoa auf der anderen Seite der internationalen Datumsgrenze liegt, wird der letzte bewohnte Ort der Erde sein, der das neue Jahr begrüßt – zwölf Stunden nach Deutschland.
Toter am Duisburger Hauptbahnhof
Am Silvesterabend kam am Duisburger Hauptbahnhof bei einer Auseinandersetzung zwischen zwei Männern ein 67-Jähriger ums Leben. An einem Bahnsteig hatte ein 39 Jahre alter Mann auf den Älteren körperlich derart „massiv eingewirkt“, dass dieser das Bewusstsein verlor. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft Duisburg mit. Eine Mordkommission wurde eingerichtet, der Tatverdächtige vorläufig festgenommen. Erst eine Obduktion könne klären, was letztlich zum Tod des Mannes geführt habe, sagte ein Sprecher der Polizei.