In ganz Deutschland fliegen Böller und Raketen auf Polizisten, Sanitäter und Passanten. Zwei 18-Jährige kommen in Bielefeld ums Leben, ein 14-Jähriger verliert seine linke Hand. Ein Berliner Krankenhaus veröffentlicht eine aufrüttelnde Botschaft.
Die erste Bilanz aus der Hauptstadt kam etwa gegen 3 Uhr. Die Silvesternacht in Berlin sei nach Einschätzung der Polizei nicht ganz so problematisch verlaufen wie in den vergangenen Jahren, schrieb die Nachrichtenagentur dpa in der Nacht.
Nicht so problematisch? Insgesamt rund 400 Menschen wurden in der Silvesternacht in Berlin vorläufig festgenommen – zugleich wurden Einsatzkräfte der Polizei und Feuerwehr mit Böllern und Raketen angegriffen. 21 Polizisten erlitten Knalltraumata.
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Im Berliner Stadtteil Spandau explodierte laut Polizei eine Kugelbombe, ein Mensch wurde dabei leicht verletzt. In Berlin-Moabit sollen sich mehrere Hundert Menschen auf der Straße versammelt haben. Zum Teil soll die Stimmung sehr aggressiv gewesen sein.
4.300 Polizisten waren in der Silvesternacht im Einsatz. Dazu kamen 1.600 Feuerwehrleute. Ein Feuerwehrsprecher sagte gegen 1.00 Uhr morgens, es kämen quasi sekündlich Brandmeldungen herein. In der Leipziger Straße in Mitte brannte den Angaben nach eine komplette Wohnung im neunten Stock eines Hochhauses.
Dutzende Menschen wurden durch die Explosionen von Böllern schwer verletzt. Das Unfallkrankenhaus Berlin im Stadtteil Marzahn meldete 25 Patienten „mit zum Teil schweren Handverletzungen mit Teil- oder kompletten Amputationen von Fingern oder Teilen der Hand“.
Auch Verbrennungen, Gesichts- und Augenverletzungen seien darunter, teilte das Krankenhaus mit. „Besonders schlimm ist aber, dass wieder acht Kinder dabei sind, deren Leben sich durch diese schweren Verletzungen für immer verändert hat.“
Zwei Tote in Bielefeld, ein 14-Jähriger verliert seine linke Hand
In Bielefeld kamen zwei 18-Jährige am Silvesterabend durch selbst gebaute Pyrotechnik ums Leben. Sie hatten auf einem Spielplatz ihr Feuerwerk gezündet, erklärte die Polizei in der Nacht. Dabei seien sie tödlich im Gesicht verletzt worden.
Nach Informationen von „Bild“ steckte einer der jungen Männer gegen 23 Uhr ein selbst gebautes Rohr in den Sand eines Spielplatzes in Bielefeld und befüllte dieses mit Sprengmitteln. Kurz vor 23.30 Uhr habe er die Konstruktion gezündet. Sie explodierte „direkt vor seinem Gesicht“, wie ein Zeuge der „Bild“ sagte.
In der Nähe von Rostock in der Gemeinde Reddelich verlor ein 14-Jähriger durch einen explodierten Böller seine linke Hand. Der Junge kam mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus.
In Leipzig wurde ein 16 Jahre altes Mädchen beim Versuch, einen in Deutschland nicht zugelassenen Silvesterböller zu entzünden, schwer an der Hand verletzt.
Die Jugendliche verlor durch die Explosion den kleinen Finger und Teile des Ringfingers, wie die Polizei mitteilte.
Auch in Leipzig wurden Einsatzkräfte mit Böllern und Flaschen angegriffen. Im Stadtteil Connewitz sowie am Augustusplatz wurde unter anderem an Haltestellen das Glas beschädigt. Zudem wurden Mülltonnen angezündet. Als die Polizei das Connewitzer Kreuz nach den größten Vorfällen räumen wollte, flogen vereinzelt Glasflaschen. Die Polizisten errichteten unter anderem in dem für Ausschreitungen bekannten Stadtteil Connewitz Absperrungen.
In Hamburg wurden laut Polizei Passanten und Einsatzkräfte mit Pyrotechnik beworfen. Von Verletzten war zunächst nichts bekannt. Mutmaßliche Täter wurden demnach festgestellt, ob diese auch festgenommen wurden, war zunächst unklar. In Leipzig brannten Mülleimer.
Auch Feuerwehren sind im Dauereinsatz: Brände wurden in der Nacht aus mehreren Bundesländern gemeldet. So standen Dachstühle in Flammen, es brannten Mülltonnen, Hecken, Autos.
In Hagen in NRW gerieten gleich mehrere Dachstühle in Brand. Das Feuer habe von einem brennenden Baum zunächst auf ein Haus übergriffen, sagte ein Polizeisprecher. Von dort hätten die Flammen die Dächer zweier weiterer Objekte eines Gebäudekomplexes entzündet. Die Gebäude brannten vollständig aus.
In Erfurt etwa brannte der Dachstuhl eines historischen Gebäudes. Vermutlich habe eine Rakete die Flammen ausgelöst, sagte ein Sprecher der Feuerwehr.
Die Niederlande erlebten eine Nacht beispielloser Gewalt. Im Nachbarland waren Böller und Raketen zu diesem Jahreswechsel zum letzten Mal erlaubt gewesen. In etlichen Städten musste die Polizei wegen Gewalt sowie Unglücken und Vorfällen mit Feuerwerk ausrücken.
In der Großstadt Breda wurden Beamte mit Molotowcocktails und Gehwegplatten beworfen. In Amsterdam stand eine Kirche in Brand.
Auch in Italien kam es zu einem dramatischen Unfall. Bei der Explosion eines Böllers ist am Silvesternachmittag in einem Randbezirk von Rom ein Mann ums Leben gekommen. Nach Angaben der Rettungskräfte erlitt der Mann schwerste Verletzungen an Gesicht, Oberkörper und einer Hand, die regelrecht weggesprengt wurde. Der Mann verlor demnach viel Blut und starb noch vor Ort. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos.
rct