Die Silvesternacht in Berlin ist nach ersten Einschätzungen der Einsatzkräfte nicht ganz so problematisch verlaufen wie in den vergangenen Jahren. „Wir haben keine schweren Verletzungen bei Kollegen und auch nicht bei feiernden Menschen. Und wir haben auch nicht so schwere Vorkommnisse und Sachbeschädigungen wie im letzten Jahr“, sagte Polizeisprecher Florian Nath in einer ersten vorläufigen Bilanz gegen 3.30 Uhr.
Allerdings sei die Polizei immer wieder mit Böllern und Raketen angegriffen worden. 24 Polizisten seien verletzt worden, die meisten leicht, zwei mussten jedoch ihren Dienst beenden. Die Polizei nahm rund 400 Verdächtige kurzzeitig fest. Und auch am Abend und in der Nacht sei noch kiloweise illegale Pyrotechnik beschlagnahmt worden. 14 Menschen wurden in sogenannten Unterbindungsgewahrsam genommen, damit sie keine weiteren Delikte begehen. Gegen sieben Menschen wurde ein Haftbefehl beantragt, unter anderem wegen des Vorwurfs der gefährlichen Körperverletzung.
Tagesspiegel Checkpoint: Berlins beliebtester Newsletter
![]()
Der schnellste Berlin-Überblick von Montag bis Samstag.
Die Polizei habe zum Teil erfolgreich gegen die Dynamik von kriminellen Tätern, die sich in der Deckung friedlich feiernder Menschen bewegten, gearbeitet. Gerade am Alexanderplatz habe das Konzept einer großen Böllerverbotszone gut gegriffen, sagte Nath. „Ich habe den Alex noch nie so friedlich gesehen an Silvester wie in diesem Jahr.“
Die Demonstration und Party an der Siegessäule sei friedlich verlaufen. Statt der angemeldeten 16.000 Teilnehmer seien nur ein paar Hundert gekommen, so der Sprecher. Auch am Brandenburger Tor sei die Feier mit vielen tausend Besuchern ohne besondere Vorkommnisse verlaufen.
Kein Massenanfall an Verletzten
Ähnlich fiel das Zwischenfazit der Feuerwehr aus: Die Lage sei „aktuell relativ ruhig und entspannt“, sagte Dominik Pretz vom Pressedienst der Feuerwehr um kurz nach 4 Uhr dem Tagesspiegel. Es seien weder sehr große Brände noch ein Massenanfall an Verletzten zu verzeichnen gewesen. Damit sei es eine ruhigere Silvesternacht als noch vor einem Jahr gewesen.
Viel zu tun war dennoch: Bis kurz nach 4 Uhr zählte die Feuerwehr im neuen Jahr 442 Brandeinsätze, 30 technische Hilfeleistungen und 510 Alarmierungen für den Rettungsdienst. Ein großes Feuer im Keller eines Mietshauses am Britzer Damm in Neukölln löste einen Einsatz mit rund 100 Feuerwehrleuten aus. Ein Mensch wurde leicht verletzt. Ansonsten gab es sehr viele kleinere Brände. Einige Wohnungen standen in Flammen, das Feuer sprang öfter von Balkonen über. Grund waren demnach Raketen, die auf Balkonen landeten. In der Leipziger Straße in Mitte brannte deshalb eine Wohnung im 13. Stock aus – ohne dass jemand verletzt worden wäre.
Infolge eines weiteren Brandes kam es indes im Nahverkehr zu Einschränkungen: Ein Dienstraum am S-Bahnhof Wedding fing gegen Mitternacht Feuer. Die Einsatzkräfte konnten den Brand schnell unter Kontrolle bringen. Dennoch blieb die Ringbahn auch am Neujahrsmorgen zwischen Gesundbrunnen und Westhafen unterbrochen. Die S-Bahn richtete Ersatzhaltestellen ein und empfahl weiträumige Umfahrungen mit mehreren U-Bahn-Linien.
30 Böllerverletzte im UKB – darunter acht Kinder
Dass Polizei und Feuerwehr sich insgesamt zufrieden zeigten, heißt nicht, dass der Jahreswechsel im Einzelfall nicht auch gravierende persönliche Konsequenzen hatte. Deutlich wurde das bei den Meldungen aus dem Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) in Biesdorf, das die besonders schweren Verletzungen versorgt. Dort wurden bis zum Morgen 30 Menschen mit Böllerverletzungen behandelt, teilte Krankenhaussprecherin Angela Kijewski dem Tagesspiegel mit. Wegen der Glätte sei das Patientenaufkommen aber schon am Tage erhöht gewesen. In der Nacht habe man daher „am Anschlag“ gearbeitet – parallel in drei Operationssälen.
Mehrere Betroffene erlitten schwere Handverletzungen, teils mit dem Verlust von Fingern oder Handteilen. Weitere Patienten kamen mit Augen- und Gesichtsverletzungen in die Klinik, weil sie sich über Feuerwerksbatterien gebeugt hatten; auch Chirurgen der benachbarten Augenklinik waren im Einsatz. Unter den Verletzten waren acht Kinder und Jugendliche im Alter von sieben bis 17 Jahren.
Mehr zu Silvester in Berlin, Deutschland und der Welt: Silvester 2025 in Berlin im Liveblog Feuerwehr elfmal angegriffen oder bedrängt – Ringbahn nach Brand auch am Morgen unterbrochen Erste Bilanz der Silvesternacht Zahlreiche Angriffe auf Einsatzkräfte – zwei 18-Jährige sterben bei Pyro-Unfall in Bielefeld Silvester weltweit Australien begrüßt 2026 mit Feuerwerk in Sydney – und Gedenken an Terroropfer
Ein Lichtblick aus Sicht der Klinik: Kugelbomben-Unfälle wie im vergangenen Jahr, als ein Siebenjähriger lebensbedrohlich verletzt wurde, blieben dieses Jahr aus. Ein 26-Jähriger, den eine Kugelbombe im Gesicht traf, hatte großes Glück: Er kam mit etwas Ruß im Auge davon, wie eine Tagesspiegel-Reporterin aus dem UKB berichtete.
Insgesamt liege das Niveau der Verletzten im Unfallkrankenhaus im Bereich der Vorjahre, teilte Sprecherin Angela Kijewski mit. Das UKB rechnet im Laufe des Tages noch mit weiteren Patienten, da sich manche Verletzungen erst nach dem Ausnüchtern bemerkbar machten oder Verlegungen aus anderen Kliniken anstünden. (mit dpa)