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Ein TikTok-Video zeigt, wie ein Detektiv bei Edeka SB-Kassen überwacht. Millionen sind schockiert über die massive Kontrolle.

Frankfurt – Ein Video auf TikTok zeigt die massiven Überwachungsmaßnahmen an Selbstbedienungskassen bei Edeka – und löst bei Millionen Zuschauern Entsetzen aus. Ein Ladendetektiv beobachtet auf Bildschirmen jeden Scan-Vorgang und jede Bewegung der Kunden. Die Überwachung geht dabei weit über das hinaus, was die meisten Menschen vermuten würden.

Mädchen an SB-KasseManche SB-Kassen werden ziemlich „krass“ überwacht, stellt ein TikToker bei einem Selbstexperiment fest. (Symbolbild) © Panthermedia/IMAGO

Ein TikTok-Video von @tomatolix über die Überwachung von SB-Kassen bei Edeka hat über 3,6 Millionen Aufrufe erzielt. Er hat in einer Edeka-Filiale in Regensburg gefilmt, wie ein Ladendetektiv namens Florian an einem Schreibtisch sitzt. Vor ihm: ein Tablet, auf dem jeder einzelne Artikel aufpoppt, den Kunden an der Selbstbedienungskasse einscannen. Auf einem großen Bildschirm daneben kann er die Kunden von oben beim Scannen beobachten. „Wenn jemand was nicht scannt, dann gebe ich meinem Kollegen an der Tür Bescheid, der hält den Kunden auf und stellt ihn zur Rede“, erklärt Florian.

Das Video hat für heftige Reaktionen gesorgt. „Das war es mit den Inflationsausgleichskassen“, kommentiert ein Nutzer. „In dieser Welt will ich nicht leben“, schreibt ein anderer. Selbst Tomatolix zeigt sich überrascht: „Ich hätte nicht gedacht, dass Self-Check-Out-Kassen so krass überwacht werden. Ich bin jetzt auf jeden Fall vorsichtiger mit dem ‚Vergessen‘“, sagt er.

SB-Kassen: Nicht jeder Supermarkt überwacht so intensiv wie in dem TikTok

Wie weit verbreitet ist diese Art der Überwachung? Edeka selbst kann das nicht pauschal beantworten. „Unsere selbstständigen Kaufleute und Großhandlungen entscheiden eigenständig über alle unternehmerischen Fragen. Dazu gehören auch Sicherheitsmaßnahmen“, teilt eine Sprecherin mit. Die Entscheidung liegt also bei den einzelnen Filialen, teilt das Unternehmen der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media auf Nachfrage mit.

Frank Horst vom Handelsforschungsinstitut EHI betreut das Thema Selbstbedienungskassen seit 2015. Er bestätigt bei der Frankfurter Rundschau: „Es ist durchaus üblich, SB-Kassen heute stärker zu überwachen, aber die wenigsten haben Detektive.“ Eine solche Überwachung durch einen Ladendetektiv sei sehr teuer. „Je größer die Verkaufsfläche, desto wahrscheinlicher, dass es solch eine Detektei gibt“, erklärt Horst. Er schätzt, dass etwa 150 von 6000 Geschäften mit SB-Kassen in Deutschland sich diese Überwachung zumindest zeitweise leisten.

SB-Kassen-Anzahl verdoppelt sich alle zwei Jahre

„In Deutschland gibt es immer mehr SB-Kassen. Wir bemerken alle zwei Jahre eine Verdopplung“, sagt Horst der Frankfurter Rundschau. Vor allem wegen des Personalmangels kämen Märkte heute kaum mehr ohne aus. Mit dem Anstieg der SB-Kassen verändere sich auch der Bedarf an Überwachung. Heute machen SB-Kassen mit 30 bis 40 Prozent fast doppelt so viel Umsatz wie 2015, in manchen Märkten sogar bis zu 80 Prozent. Gleichzeitig seien die Verluste um bis zu 30 Prozent höher.

Nach der Corona-Pandemie sei die Anzahl der Diebstähle in Supermärkten „extrem angestiegen“, sagt Horst. „Ab einer gewissen Größenordnung müssen die Händler mit mehr Sicherheitsmaßnahmen reagieren.“ Ein „wesentlicher Faktor“ sei die Betreuung durch Personal an der SB-Kasse, das in Hinblick auf die Manipulationsmöglichkeiten richtig geschult sei.

KI lernt das Verhalten von Kunden an SB-Kassen zu lesen

Auch Kamera-Überwachung gebe es oft. „Wenn man sich auskennt, sieht man die Kameras“, sagt Horst der Frankfurter Rundschau. Meist seien sie 1,5 Meter über der Kasse angebracht, neue KI-Systeme arbeiteten mit bis zu drei Kameras direkt über und seitlich vom Scanner. Es werde immer mehr KI in der Überwachung von SB-Kassen eingesetzt.

In etwa 300 Märkten in Deutschland gebe es bereits SB-Kassensysteme, die mit KI lernten, das „Verhalten von Kunden zu lesen“, um Diebstähle zu erkennen. Sie „schlagen Alarm“, wenn ein Produkt am Scanner vorbeigezogen werde. Bei mobilen Handscannern „macht sich eine Person verdächtig“, wenn sie 45 Minuten für drei Produkte im Laden war oder einen Artikel erst sechs Gänge weiter mit dem Handscanner storniere. „Also nicht klauen, die Gefahr entdeckt zu werden, wird immer größer!“, sagt der Experte. (Quellen: eigene Recherche, Tiktok)