Mit Beginn des neuen Jahres hat Zohran Mamdani das Amt des Bürgermeisters der US-Millionenmetropole New York City übernommen. Der bekennende Sozialist legte seinen Amtseid am frühen Donnerstagmorgen (Ortszeit) in der historischen U-Bahn-Station City Hall unter dem Rathaus ab. Die Wahl des Ortes sollte Mamdanis Verbundenheit mit der arbeitenden Bevölkerung unterstreichen, wie es hieß. Die Haltestelle wurde 1945 stillgelegt und ist normalerweise nicht öffentlich zugänglich.
Eine zweite, große Amtseinführung findet im Laufe des Tages vor dem Rathaus statt – mit vielen geladenen Gästen. Mamdanis Team hat zudem ein Straßenfest organisiert, bei dem Zehntausende Menschen die Zeremonie entlang des berühmten Broadway mitverfolgen können.
„Wahrlich eine Ehre und ein Privileg“
Mamdani ist der erste muslimische Bürgermeister der größten Stadt der Vereinigten Staaten. „Das ist wahrlich eine Ehre und ein Privileg, wie es sie nur einmal im Leben gibt“, sagte er in einer kurzen Ansprache. Mit 34 Jahren ist Mamdani auch New Yorks jüngster Bürgermeister seit Generationen. Seine Amtszeit dauert bis Ende 2029.
Gläubiger Muslim: Bei der Vereidigung legte Mamdani seine Hand auf einen KoranBild: Amir Hamja/UPI Photo/Newscom/picture alliance
Geboren 1991 in Uganda als Sohn indischstämmiger Eltern, zog Mamdani im Alter von sieben Jahren mit seiner Familie nach New York. US-Staatsbürger wurde er erst 2018. Politisch engagierte er sich zunächst als Aktivist, bevor er 2021 für einen Wahlkreis im Stadtteil Queens ins Parlament des Bundesstaates New York einzog. Dort profilierte er sich als Vertreter des linken Parteiflügels der Demokraten.
Zentrales Thema seines überraschend deutlichen Wahlsiegs Anfang November war die Bezahlbarkeit des Lebens in einer der teuersten Städte der Welt. Mamdani versprach unter anderem das Einfrieren von Mieten und kostenlose Kinderbetreuung – finanziert durch höhere Steuern für Wohlhabende und Unternehmen. Befürworter sehen in Mamdanis Kurs eine Antwort auf wachsende soziale Ungleichheit, Kritiker warnen vor möglichen wirtschaftlichen Folgen.
Konfliktpotenzial mit Washington
New York City ist ein kulturelles und finanzwirtschaftliches Zentrum. Die Metropole mit ihren fast neun Millionen Einwohnern hat in den USA auch politisch eine größere Bedeutung als andere Städte. Immer wieder dürfte sich daher der Blick auf Mamdanis Verhältnis zum republikanischen US-Präsidenten Donald Trump richten.
Trump hatte Mamdani im Wahlkampf mehrfach scharf attackiert und New York mit dem Entzug von Bundesmitteln gedroht – eine ernste Drohung für eine der größten kommunalen Verwaltungen und Arbeitgeber der USA mit Hunderttausenden Beschäftigten.
Treffpunkt Weißes Haus: Donald Trump und Zohran Mamdani im November im Oval Office des US-PräsidentenBild: Jonathan Ernst/REUTERS
Mamdani wiederum hatte den Präsidenten wiederholt als „Faschisten“ und Gefahr für die Demokratie bezeichnet. Nach einem Treffen im Weißen Haus klangen zuletzt allerdings versöhnlichere Töne an. Eine Zusammenarbeit mit Trump sei möglich, politische Differenzen wolle er zum Wohl der New Yorker beiseitelegen, versicherte Mamdani. Vor allem in der Migrationspolitik rechnen politische Beobachter jedoch mit erheblichen Spannungen.
wa/pg (dpa, afp, rtr)