Stadtreinigung in Stuttgart: Die einen feiern, die anderen putzen hinterher Kehraus nach dem Jahreswechsel: in der Neujahrsnacht hat die Stadtreinigung in Stuttgart viel zu tun. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Was von der Silvesternacht übrig bleibt, räumt die Stadtreinigung der Abfallwirtschaft Stuttgart am frühen Neujahrsmorgen weg.

Das neue Jahr ist erst ein paar Stunden alt, aber Martin Merz hat schon wieder alle Hände voll zu tun. Er sitzt um kurz nach 5 Uhr am 1. Januar in seinem Büro. Immer wieder schneien Mitarbeiter herein und haben Fragen: welche Plätze zuerst, welches Auto für welches Team? Martin Merz ist technischer Sachbearbeiter bei der Straßenreinigung der Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) und koordiniert den großen Kehraus gegen Ende der Neujahrsnacht.

Gut 20 Mitarbeiter schickt Merz hinaus in die Nacht. „So viele wie in einer normalen Sonntagsschicht“, sagt er. Zu Neujahr werde nicht aufgestockt. Es gilt nun in den frühen Morgenstunden zunächst der sogenannten Verkehrssicherungspflicht nachzukommen. Das heißt: frequentierte Wege und Plätze so zu reinigen, dass niemand in den zurückgelassenen Müllbergen zu Schaden kommt. Es werde mehrere Tage dauern, bis wirklich alle Silvesterspuren in der Stadt beseitigt sind. „Jetzt schicken wir die Feuerwehr zu den neuralgischen Punkten“, erklärt Merz. Gemeint sind der Schlossplatz, der Marienplatz und die Flächen rund ums Leonhardsviertel.

 Die AWS-Mitarbeiter sollen sich in erster Linie um die Plätze und Straßenzüge in der Innenstadt kümmern, die erfahrungsgemäß am stärksten vom privaten Silvesterfeuerwerk in Mitleidenschaft gezogen werden. Punkt 6 Uhr am Morgen setzt sich die Kolonne am AWS-Standort an der Heinrich-Baumann-Straße in Bewegung. Zehn Mitarbeiter werden verschiedene Zonen in der City reinigen, je zwei kümmern sich um Unterführungen und die Klett-Passage und sechs sind damit beschäftigt, Abfalleimer zu leeren.

An der Paulinenbrücke beginnt das große Kehren

Nach kurzer Fahrt trifft sich ein Teil der Mannschaft an der Paulinenbrücke wieder. Und dann beginnt ein Uhrwerk zu laufen. Straßenkehrer fegen den Müll in die Mitte der Straße, großer Unrat wandert in Mülltonnen, die die Männer hinter sich herziehen und den Abschluss machen zwei nebeneinander fahrende Kehrmaschinen. Die Reinigung der Tübinger Straße bis zur Einmündung in die Eberhardstraße dauert keine fünf Minuten.

Merz rollt mit seinem Transporter derweil langsam die Königsstraße hinunter Richtung Schlossplatz. „Hier ist nicht viel“, stellt er fest. Die große Polizeipräsenz, das Böllerverbot innerhalb des City-Rings und die Teilsperrung des Schlossplatzes hätten offensichtlich Wirkung gezeigt. Allein vor einem Fastfood-Restaurant sieht es schlimm aus, Verpackungen liegen wild verstreut herum. „Aber das ist eigentlich immer so und hat nichts mit Silvester zu tun“.

Der Marienplatz macht viel Arbeit

Ganz anders zeigt sich wenig später der Marienplatz. Vier Männer versuchen, mit Besen dem Chaos Herr zu werden. Sie kehren Flaschen, Böllerbatterien und sonstigen Unrat zu kleinen Haufen zusammen. Die Menge ist aber zu groß für den eigenen Transporter. Merz beordert kurzerhand ein Müllfahrzeug zum Marienplatz. Die zusammen gekehrten Haufen wandern in Abfalleimer, deren Inhalt dann im Mülllaster verschwindet. Fünf bis acht Kubikmeter Dreck seien das alleine auf dem Marienplatz gewesen, fasst Merz zusammen.

Seit 30 Jahren arbeitet er bei der AWS und ist selbst ausgebildeter Pyrotechniker. Doch er lässt durchblicken, dass er von der Böllerei in der jetzigen Form nicht viel hält – und das nicht nur, weil das Jedermann-Feuerwerk ihm und seinen Kollegen eine Menge Arbeit verursacht.

Gegen Viertel vor acht hat auch die ebenfalls noch hinzugezogene Kehrmaschine ihren Dienst auf dem Marienplatz getan, der jetzt wieder ganz manierlich aussieht. Die Kolonne zieht weiter, die Uhr tickt. Gegen zehn Uhr ziehen sich die Stadtreiniger zurück, dann sind wieder so viele Passanten in der Stadt unterwegs, dass nicht mehr sinnvoll geputzt werden kann. Am Freitag beginnt die Frühschicht um Viertel vor vier.