Dresden – Wehe, Du willst in Deutschland einen Spätshop eröffnen – Getränke verkaufen, ein paar Pommes und eine gute Bratwurst. Geschäftsgründer aus Sachsen hatten sich das einfach vorgestellt, doch nun überrollt sie eine Welle der Bürokratie.

Für Marcel Wünsche (46) und Stefanie Karg (45) wird 2026 zum Schicksalsjahr, denn bislang hat die Stadt die Genehmigung zur Eröffnung des Spätis nicht erteilt. Die beiden hatten im Sommer 2025 an einer Kreuzung in Dresden-Striesen einen leeren Laden entdeckt. Vorher war hier ein An- und Verkauf drin, früher einmal ein Restaurant.

Der Spätshop ist komplett eingeräumt. Nun drohen die ersten Waren zu verfallen

Der Spätshop ist komplett eingeräumt. Nun drohen die ersten Waren zu verfallen

Foto: Dirk Sukow

„Bevor wir den Mietvertrag unterschrieben haben, waren wir bei der Stadt Dresden“, sagt Wünsche. Das Stadtplanungsamt hätte grünes Licht gegeben und auch die Frau von der Bauaufsicht hätte keine Probleme gesehen.

So schlossen sie im guten Glauben einen 5-Jahres-Vertrag ab und begannen mit der Sanierung. Die Nutzungsänderung sahen sie als reine Formalie an, dafür hatten sie von der Bauaufsicht das Informationsblatt 12 bekommen – Grundrisse, Nutzungskonzept und Baubeschreibung standen als Anforderung drin. „Wir baten mehrfach um einen Vorort-Termin, damit man uns vorher sagt, was alles zu erledigen sei. Mit dem Gesundheitsamt klappte alles super, die kamen schnell. Nur die Bauaufsicht lehnte immer wieder ab“, sagt Karg.

Die Gründer baten um einen Vorort-Termin, bekam lediglich dieses Blatt zum Abarbeiten

Die Gründer baten um einen Vorort-Termin, bekam lediglich dieses Blatt zum Abarbeiten für die Nutzungsänderung ausgehändigt

Foto: Dirk Sukow

Behörde verlangt Gutachten

Dann der Schock vor Weihnachten. So unbürokratisch, wie alles sein sollte, war es dann doch nicht. Die Bauaufsicht schrieb: „Voraussichtliche teilweise Ablehnung des o.g. Bauvorhabens.“

Und die Behörde fordert kurzfristig folgende Nachweise für den Späti:

  • Ein Standsicherheitsnachweis.
  • Ein Brandschutznachweis.
  • Nachweise über Schall- und Erschütterungsschutz.
  • Außerdem stört sich die Bauaufsicht am geplanten Gasgrill mit Pavillon im Biergarten. Der würde zu „diffusen Emissionen“ führen, auch die Fritteuse in der Küche für die Pommes führe zu Geruchsbelästigung.

Gründer klagen über Bürokratie

„Bis 9. Januar 2026 sollen alle Nachweise vorliegen“, so Wünsche. „Man bräuchte Zeit zum Prüfen, da bis 3. Februar eine Entscheidung über den Bauantrag getroffen werden müsse. Für uns ist das unmöglich zu schaffen.“ Die Gutachterkosten gehen zudem in die Tausende.

Die Gründer fühlen sich von der Bürokratie erschlagen und stehen vor dem finanziellen Ruin – sie zahlen seit Monaten 2700 Euro Miete, ohne etwas verkaufen zu dürfen. Das Geschäft ist eingeräumt, ein 30.000-Euro-Kredit für die Investitionen muss abgestottert werden.

Die Kühlschränke im Spätshop laufen, doch eine Öffnung ist bislang nicht erlaubt

Die Kühlschränke im Spätshop laufen, doch eine Öffnung ist bislang nicht erlaubt

Foto: Dirk Sukow

Stadtrat Holger Zastrow (56, parteilos) zu BILD: „Wir müssen froh sein, wenn sich überhaupt jemand selbstständig macht und Steuern zahlen will. Die Verwaltung muss sich endlich als Dienstleister verstehen – als Möglichmacher.“

BILD wollte von Dresdens Baubürgermeister Stephan Kühn (46, Grüne) wissen, wie er für Entbürokratisierung sorgen will und den Fall bewertet. Statt BILD erhielten die Späti-Gründer Post. Kühn schreibt: „Die zuständigen Fachämter wurden gebeten, den bisherigen Verfahrensablauf intern auszuwerten.“