35 Polizisten verletzt, 2340 Einsätze – Polizei zieht Bilanz

430 Festnahmen, 800 Ermittlungsverfahren – diese Zahlen nannte die Polizei am Nachmittag. Das Präsidium zog diese Bilanz: „Im gesamten Stadtgebiet kam es erneut zu teils erheblichen Angriffen auf Einsatz- und Rettungskräfte, insbesondere durch das Beschießen oder Bewerfen mit pyrotechnischen Gegenständen.“ Deshalb seien die meisten Ermittlungsverfahren wegen Verstößen gegen das Waffengesetz sowie das Sprengstoffgesetz, wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte sowie wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Brandstiftung, Körperverletzung sowie Landfriedensbruchs eingeleitet worden, hieß es weiter.

35 Polizeikräfte wurden verletzt, 22 davon durch Pyrotechnik. Nur zwei Einsatzkräfte wurden so erheblich verletzt, dass sie stationär in Krankenhäusern aufgenommen wurden. Im Vorjahr hatte es 37 Verletzte gegeben.

Gegen 14 Personen wurde zur Verhinderung der Fortsetzung von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten Unterbindungsgewahrsam angeordnet. Sieben Personen wurden einem Ermittlungsrichter vorgeführt. Ob dieser Haftbefehl erließ, war am Nachmittag noch offen. Im Stadtgebiet wurden zwischen 18 und 6 Uhr 47 Fahrzeuge in Brand gesetzt oder gerieten in Brand.

Zu „Silvester am Brandenburger Tor“ versammelten sich laut Polizei 20.000 Menschen, es gab keine Vorkommnisse, gegen 1.30 Uhr war die Veranstaltung beendet.

Zum Aufzug mit dem Motto „World Peace Berlin“ versammelten sich ab 18.45 Uhr in der Spitze rund 2000 Menschen auf der Straße des 17. Juni und auf dem Großen Stern. Gegen 1.30 Uhr wurde die Versammlung von der Versammlungsleitung störungsfrei beendet.

Dagegen gab es auf der traditionell letzten Demo eines Jahres Krawall. Die 200 Teilnehmer von „Silvester zum Knast“ versammelten sich gegen 22.30 Uhr. Bei einer Zwischenkundgebung auf der Kreuzung Rathenower Straße/Alt-Moabit wurde die Polizei „aus dem Aufzug heraus massiv mit Pyrotechnik angegriffen“, wie das Präsidium mitteilte. Mehrere Demonstranten aus der linksextremistischen Szene wurden festgenommen, acht Polizisten verletzt.

Unter den 2340 Einsätzen waren laut Polizei diese relevant:

Gegen 21 Uhr konnten Einsatzkräfte im Bereich der Paulstraße/Magnus-Hirschfeld-Ufer in Moabit erfolgreich eine aufgestiegene Drohne stören und deren Piloten anschließend festnehmen. Die Drohne wurde beschlagnahmt. Gegen den Piloten wurde ein Ermittlungsverfahren wegen des Verstoßes gegen das Luftverkehrsgesetz eingeleitet.

Gegen 22 Uhr beschossen Unbekannte in Mitte von der Rathausbrücke herunter auf ein Fahrgastschiff. Dadurch wurde eine Person verletzt und eine Glasscheibe des Schiffes beschädigt. Die Täter flüchteten unerkannt.

Gegen 23 Uhr bemerkte ein Autofahrer auf der Skalitzer Straße in Kreuzberg ein Einschlaggeräusch vom Dach seines Fahrzeuges. Der Fahrer stoppte seinen Wagen und stellte ein Einschussloch im Dach fest. Er selbst blieb unverletzt. Die Ermittlungen in engem Austausch mit der BAO Ferrum dauern an.

Gegen 0.10 Uhr griffen rund 150 Personen am Mehringdamm/Gneisenaustraße/Yorckstraße in Kreuzberg Einsatzkräfte der Polizei gezielt mit Flaschen und Pyrotechnik an. Zwei Personen wurden festgenommen, durch massives Einschreiten beruhigte sich die Lage.

Gegen 0.20 Uhr wurde in Mitte auf dem Rosenthaler Platz ein Einsatzwagen aus einer Menschenmenge heraus mit einem Stein sowie mit Pyrotechnik angegriffen. Ein Mann und eine Frau wurden festgenommen, der Mann leistete dabei Widerstand.

Gegen 0.30 Uhr griffen 50 Personen in Moabit einen Einsatzwagen der Polizei im Bereich Huttenstraße/Beusselstraße/Turmstraße mit Pyrotechnik an und entzündeten Gegenstände auf der Fahrbahn. Die Personenzahl wuchs schnell auf rund 500 an. Die Angriffe mit Pyrotechnik waren dabei so massiv, dass die Feuerwehr zur Brandlöschung nicht eingesetzt werden konnte. Dies erledigte dann ein Wasserwerfer der Polizei.

Gegen 0.40 Uhr kippte auf der Straße Markt in Spandau eine angezündete Pyrotechnikbatterie um. Ein in diesem Moment daraus abgefeuerter Feuerwerkskörper entzündete ein von Unbekannten angelegtes Pyrotechnikdepot in der Nähe. Dadurch entzündete sich eine Kugelbombe. Die Explosion derselben zerstörte die Schaufensterfront eines Geschäfts und verursachte ein Feuer im Inneren der Filiale. Ein Zeuge konnte das Feuer mit einem Feuerlöscher löschen. Ein siebenjähriges Mädchen erlitt durch den Funkenflug eine oberflächliche Handverletzung, welche medizinisch nicht behandelt werden musste.

Gegen 0.50 Uhr warf ein Unbekannter Pyrotechnik gegen einen Einsatzwagen der Polizei auf der Potsdamer Straße in Tiergarten, der dadurch beschädigt wurde, sodass er nicht mehr eingesetzt werden konnte. Beide Polizeibeamten blieben unverletzt. Der Tatverdächtige flüchtete in unbekannte Richtung.

Gegen 2 Uhr hörten Zeugen in Mariendorf einen lauten Knall auf dem Mariendorfer Damm und sahen zwei Personen, die vom Ort flüchteten. Alarmierte Einsatzkräfte stellten anschließend eine vollkommen zerstörte Fensterfront sowie die ebenso zerstörte Eingangstür eines Nagelstudios fest. Weitere Einsatzkräfte nahmen dazu einen 16-Jährigen fest, der nach Feststellung seiner Identität am Ort entlassen wurde. Das Geschäft wurde behelfsmäßig gesichert. Verletzt wurde niemand. (Jörn Hasselmann)