Die Gewebeproben kommen im Uniklinikum Dresden per Rohrpost in der Pathologie an und werden dort weigehend automatisiert und digital mikroskopiert. Foto: CCS GmbH

Die Gewebeproben kommen im Uniklinikum Dresden per Rohrpost in der Pathologie an und werden dort weitgehend automatisiert und digital mikroskopiert. Foto: CCS GmbH

Zu wenig Ärzte für wachsenden Diagnostik-Bedarf: Uniklinik und Carus Dresden setzen auf digitale Analyseketten und KI

Dresden, 1. Januar 2026. Um Krebs künftig schneller zu erkennen und zu bekämpfen, wollen Pathologen im Uniklinikum Dresden (UKD) künftig Gewebeproben von Patienten automatisch erfassen und durch „Künstliche Intelligenzen“ (KI) voranalysieren lassen. Im Projekt „Digipat“ haben sie dafür die Mikroskope und andere Technik im UKD-Institut für Pathologie so aufgerüstet, dass nun durchgängige digitale Analyseketten möglich geworden sind. Damit sei nun das Fundament für eine digitale histopathologische Routinediagnostik gelegt, betonen das UKD und das „Carus Consilium Sachsen“ (CCS), die das Vorhaben gemeinsam vorantreiben.

Pilotprojekt „Digipat“ zeigt Zukunft der Pathologie

„Digipat ist eine wichtige Grundlage für die Zukunft der Pathologie“, schätzt Instituts-Direktor Prof. Gustavo Baretton ein. „Wir schaffen nicht nur das Fundament für die zukünftige Digitalisierung und Integration von zertifizierter KI-Assistenz, sondern damit auch das Potenzial für mehr Effizienz in der Befundung und für wissenschaftliche Innovation.” Das Projekt werde die Arbeitsprozesse in der Pathologie revolutionieren, Antworten auf den Fachkräftemangel in diesem Fachgebiet liefern und „die Qualität der medizinischen Versorgung in Sachsen nachhaltig verbessern“.

„Gravierende Versorgungslücken in der pathologischen Diagnostik zu erwarten“
Deutsche Gesellschaft für Pathologie

Ein Hintergrund ist der Pathologenmangel in Deutschland: In der Bundesrepublik gibt es nach Einschätzung der „Deutschen Gesellschaft für Pathologie“ (DGP) viel zu wenig Pathologen, um mit dem steigenden Bedarf an Gewebeproben-Analysen Schritt zu halten: Der demografische Wandel bringt als Nebeneffekt immer mehr Krebspatienten mit sich, manche sprechen gar von einem „Krebs-Tsunami“. Hinzu kommt der generell steigende Bedarf an zuverlässigen Diagnostik-Methoden, ohne die viele moderne Therapien gar nicht möglich wären. Von daher reichen die 1753 Fachärzte, die Ende 2024 auf pathologische Untersuchungen spezialisiert waren, nicht aus. „Ohne grundlegende Veränderungen des personellen, strukturellen und gesundheitspolitischen Status quo sind in Deutschland in wenigen Jahren gravierende Versorgungslücken in der pathologischen Diagnostik zu erwarten“, warnt die DGP.

Pathologie-Klinikdirektor Prof. Gustavo Baretton (rechts) und Funktionsoberarzt Dr. Ulrich Sommer testen im Uniklinikum Dresden eine KI-App aus dem Empaia-Ökosystem am PC. Foto: Falk Zakrzewski, UKD

Pathologie-Klinikdirektor Prof. Gustavo Baretton (rechts) und Oberarzt Dr. Ulrich Sommer testen im Uniklinikum Dresden eine KI-App aus dem Empaia-Ökosystem am PC. Foto: Falk Zakrzewski, UKD

Projekt „Digipat“: Durchgängig digitale Analyseketten im Pathologielabor geknüpft

Daher haben sich UKD und CCS in Sachsen zusammengetan, um technologische Lösungen für den Fachkräftemangel zu finden. Die Idee dabei: Durchgängige digitale Ketten vom Probenzubringer über die digitale Mikroskopie, die Bildspeicherung und -verarbeitung bis hin zur computergestützten Voranalyse in den pathologischen Laboren kann ganz neue Möglichkeiten eröffnen, die Analysen zu automatisieren, um die Pathologen von ermüdenden und fehleranfälligen Routinearbeiten zu entlasten, erklärte Projektleiter und Bioinformatiker Dr. Falk Zakrzewski bereits im Vorfeld des Projektes im Sommer 2023. Die Fachärzte können sich dann darauf fokussieren, die Voranalysen und Befund-Vorschläge der Auswertungsprogramme zu bewerten und eine finale Diagnose zu erstellen.

„Grundstein für allumfassende Digitalisierung der gesamten Histopathologie“

Seit dem offiziellen Projektstart im Januar 2024 haben die Informatiker, Mediziner und Hardware-Spezialisten die Anlagen im UKD-Pathologielabor erneuert, neue Computerprogramme integriert und schließlich einheitliche, automatisierte Abläufe für die Gewebeanalyse etabliert. Damit sei „der Grundstein gelegt für die nächste Entwicklungsstufe: die allumfassende Digitalisierung der gesamten Histopathologie“, betont Falk Zakrzewski.

Datenanalystin Sarah Schmell untersucht Mikroskopiedaten in der Firma "Katana Labs" in der Dresdner Neustadt. Foto: Heiko Weckbrodt

Datenanalystin Sarah Schmell untersucht Mikroskopiedaten in der Firma „Katana Labs“ in der Dresdner Neustadt. Foto: Heiko Weckbrodt

Uni-Ausgründung lernt KI bereits für die Krebssuche in Mikroskopie-Datenfluten an

Als nächstes wollen die Dresdner noch „Künstliche Intelligenzen“ andocken, die auch komplexe Gewebe analysieren, auf verdächtige Krankheitsindizien durchforsten können und dabei stetig dazulernen. In der Dresdner Uni-Ausgründung „Katana Labs“ lernen Zakrzewski und weitere Spezialisten bereits KIs darauf an, in massenhaften Mikroskopie-Datenfluten jene Gewebe herauszufischen, bei denen ein Krebsverdacht naheliegt. Gelingt der Einsatz der Künstlichen Intelligenzen für solche und ähnliche Aufgaben, könnte der KI-Pathologe aus Sachsen womöglich zur Blaupause auch für andere Krankenhäuser werden, die sich ebenfalls mehr Fachärzte für Gewebeanalysen wünschen, aber nicht genug dieser Fachkräfte rekrutieren können.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: UKD, Oiger-Archiv, Wikipedia, DGP, Ärztezeitung

 

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt