Berlin/Taipeh – Es war die größte Übung seit Oktober 2024: China hat kurz nach Weihnachten ein Überraschungs-Manöver („Mission Gerechtigkeit 2025“) rund um Taiwan abgehalten. Mit Kriegsschiffen, Hunderten Flugzeugen und scharfen Geschossen, die zum Teil im Meer vor Taiwan einschlugen.
Taiwans Botschafter in Deutschland, Klement Gu, verurteilt die Übung in BILD scharf: „Seine (Chinas) unablässigen Provokationen zielen darauf ab, die regelbasierte internationale Ordnung zu verändern und den regionalen Status quo zu untergraben.“
China sieht das demokratische Taiwan als „abtrünnige Provinz“ an, die Diktator Xi Jinping (72) möglichst bis 2027 wieder mit dem Mutterland „vereinen“ will – wenn notwendig, auch mit Gewalt. Xi bekräftigte die Absicht in seiner Neujahrsansprache: „Die Wiedervereinigung unseres Mutterlandes ist ein Trend der Zeit und nicht aufzuhalten.“
Taiwans Botschafter Gu dazu in BILD: „Mit seiner ironischerweise ‚Mission Gerechtigkeit‘ genannten Übung, die eher Ausdruck einer Ungerechtigkeit ist, verfolgt China verschiedene Zwecke – darunter kognitive Kriegsführung gegen Taiwan und die Demonstration der Koordination mit Russland.“
US-Militär rechnet mit Krieg im Pazifik
Hintergrund: Russland hatte zuletzt bekannt gegeben, ab dem 1. Januar 2026 eine zweimonatige Militärübung mit scharfer Munition in einem Gebiet durchzuführen, welches auch das mit Taiwan verbündete Japan beansprucht.

Kommen sich gefährlich nahe: ein Schiff der taiwanesischen (links) und der chinesischen Küstenwache
Foto: HANDOUT/AFP

Chinas Militär schoss mit scharfen Geschossen auf Ziele im Meer
Foto: HANDOUT/AFP
Wie gravierend die Situation im Pazifik ist, zeigt auch die Vorbereitung der US-Navy. Dort fragt man laut US-Marine-Kommandeur Elliot Rothrock nicht mehr, ob es zum Krieg kommt, sondern lediglich wann: „Verteidigungsplaner sprechen nicht länger über hypothetische Szenarien. Wir arbeiten mit Zeitplänen, die es erforderlich machen könnten, innerhalb von 30 Tagen 50.000 Marine-Reservisten zu mobilisieren.“
Taiwan-Botschafter warnt vor Kriegskosten
Botschafter Gu warnt deshalb vor den immer häufigeren und größeren militärischen Aktivitäten Chinas rund um Taiwan. „Sollte China Taiwan angreifen, könnten mehr als zehn Billionen US-Dollar an globaler Wirtschaftsleistung verloren gehen.“

Klement Gu ist Taiwans Repräsentant in Deutschland
Foto: Taipeh Vertretung in der Bundesrepublik Deutschland
Die Wahrung von Frieden und Stabilität in der Taiwanstraße sei „eine Frage des internationalen Konsenses“, so Gu weiter. Dennoch untergrabe China „unbeirrt weiterhin Frieden, Stabilität und Sicherheit im Indopazifik“. Taiwans Botschafter fordert in BILD: „China muss seine irrationalen militärischen Provokationen gegenüber Taiwan unverzüglich einstellen.“
Zur Person:
Klement Gu ist seit Oktober 2025 der Repräsentant von Taiwan in Deutschland, zuvor leitete er die Repräsentanz des Landes in Schweden.