Das Lager, das sich zwei wohnungslose Menschen unter der Kennedybrücke nahe der Rheinaustraße eingerichtet haben, ist in der Silvesternacht zu einem großen Teil abgebrannt. Verletzt wurde niemand. Eine mehrere Meter hohe rußschwarze Verfärbung am rheinnahen Brückenpfeiler und verkohlte und verbrannte Überreste von Kleidung, Küchenutensilien und anderen Gegenständen zeigen das Ausmaß des Feuers. Die Brandursache ist derzeit noch unklar: Weder die Polizei noch die Feuerwehr konnten am Neujahrstag Auskunft geben zu dem Vorfall, bis dato ist offenbar auch keine Anzeige eingegangen.
Die beiden Menschen, die sich unter der Kennedybrücke häuslich eingerichtet hatten, haben den Vorfall körperlich unbeschadet überstanden. Die Frau, die dort in einem Zelt gelebt hat, stellt sich als Silvia vor, 70 Jahre alt, nach eigenen Angaben stammt sie aus der türkischen Stadt Izmir. Seit sieben Jahren lebe sie an dieser Stelle, sagt sie, aktuell mit einem Freund, der aus Bulgarien stammt. Die beiden waren zur Zeit des Feuers, laut Silvia gegen 1 Uhr, nicht in ihrem Lager – zum Glück, denn das Zelt, in dem sie gemeinsam schlafen, ist abgebrannt. „So etwas ist mir noch nie passiert“, sagt sie sichtlich aufgewühlt. Sie vermutet, dass ein Feuerwerkskörper ihr Lager getroffen habe. Verifiziert werden konnte dies nicht.
Die Polizei oder die Feuerwehr habe sie selber nicht gerufen, sagt Silvia, wie das Feuer gelöscht wurde, weiß sie offenbar nicht. Einige Habseligkeiten konnten sie retten, einige Meter weiter am Brückenpfeiler haben sie und ihr Gefährte ein neues Lager mitsamt neuem Zelt errichtet.
Möglich war dies, weil eine Beuelerin schon kurz nach dem Vorfall am Neujahrsmorgen einen Aufruf auf der Plattform nebenan.de gestartet und um ein Zelt, Bettzeug, Matratze und Kleidung gebeten hatte. All diese Dinge haben die beiden bereits bekommen, wie sich dem Post entnehmen lässt. Auch viele Bonnerinnen und Bonner, die am Donnerstag am Ort des Vorfalls vorbei laufen, zeigen sich bewegt: Mehrere Menschen gehen auf Silvia zu, erkundigen sich, was passiert ist, drücken ihr Geld in die Hand. Andere bringen eine Kanne Tee oder andere „Geschenke“ vorbei, wie Silvia erzählt.
Bonnorange wartet auf Anweisung von Ordnungsamt
Bonnorange-Sprecher Jérôme Lefèvre bestätigt, dass Bonnorange-Mitarbeiter am Donnerstagmorgen vor Ort waren und aktuell abwarten, bis ihnen das Ordnungsamt der Stadt Bonn aufträgt, am Brandort aufzuräumen. „Es muss geklärt werden, was wir wegräumen dürfen, damit man nicht aus Versehen Habseligkeiten der Obdachlosen wegschmeißt.“