In der Silvesternacht sind wegen der Böllerei vielerorts die Feinstaubwerte stark angestiegen. Der deutschlandweit höchste Wert an gesundheitsgefährdendem Feinstaub (PM10) wurde den Daten des Bayerischen Landesamtes für Umwelt zufolge in der Neujahrsnacht um 1 Uhr an der Luftmessstation Landshuter Allee in München gemessen: 1.458 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft (µg/m³). Um 12 Uhr mittags waren es am Silvestertag noch 22 µg/m³. Alle aktuellen Werte sehen Sie auf der interaktiven Karte des Bayerischen Landesamts für Umwelt [externer Link].
Zum Vergleich: An der Frankfurter Allee in Berlin wurden eine Stunde nach Silvester 462 µg/m³ gemessen. Zum Jahreswechsel 2021/22, als während der Corona-Pandemie ein Verkaufsverbot für Böller galt, lag der Wert an der Messstation Landshuter Allee bei lediglich 62 µg/m³.
Hohe Werte auch in Augsburg, Ingolstadt, Nürnberg und Neu-Ulm
Hohe Feinstaubwerte wurden aber auch von anderen Messstationen in Bayern registriert. Unter den zehn Messstationen mit den höchsten Feinstaubwerten kurz nach Mitternacht ist neben den Stationen in München am Karlsplatz/Stachus (796 µg/m³) und der Lothstraße (596 µg/m³) auch die Karlsstraße in Augsburg mit 524 µg/m³ zu finden. Hohe Feinstaubwerte gab es zudem in Ingolstadt, Nürnberg und Neu-Ulm. Vergleichsweise hohe Werte wurden in Lindau am Bodensee registriert, nämlich 269 µg/m³.
Die niedrigsten Feinstaubwerte wurden bayernweit in der Oberpfalz gemessen: in Sulzbach-Rosenberg (5 µg/m³) oder in Tiefenbach im Kreis Cham (8 µg/m³). Saubere Luft gab es auch in Andechs, Bad Hindelang und Kulmbach.
Feinstaub ist gesundheitsgefährdend
Feinstaub schädigt die Atemwege des Menschen. Der Grenzwert ist auf einen Tagesmittelwert von 50 µg/m³ festgelegt. Ob und wo dieser Mittelwert an Neujahr in Bayern überschritten wurde, wird erst am 2. Januar bekannt. Das Abschießen von Feuerwerkskörpern ist laut Bundesamt für Umwelt für etwa ein Prozent der pro Jahr in Deutschland freigesetzten Feinstaubmenge ursächlich – das sind rund 2.050 Tonnen Feinstaub der Größe PM10.
Die Feinstaubwerte kurz nach Neujahr sind allerdings lediglich eine Momentaufnahme. Wie lange sich der Staub in der Luft hält, ist von der Luftströmung vor Ort abhängig – und die wird durch Bauten und Wetterlage beeinflusst. Zudem kann es durchaus sein, dass Werte in Silvesterböller-Hochburgen nicht erfasst sind, weil eine Messstation fehlt oder defekt ist.
Umwelthilfe fordert Böllerverbot – fast eine Million Unterschriften
Wegen schwerer Verletzungen und mindestens zwei Todesfällen sowie Ausschreitungen, aber auch wegen der Höchstwerte bei gesundheitsschädlichem Feinstaub zieht die Deutsche Umwelthilfe (DUH) eine erneut verheerende Bilanz der Silvesternacht und fordert gemeinsam mit 65 weiteren Organisationen in ihrem #böllerciao-Bündnis Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) auf, ein bundesweites Böllerverbot zu Silvester auf den Weg zu bringen. Ein offener Brief für ein Böllerverbot wurde bislang von mehr als 939.000 Menschen unterzeichnet.