Kaum ein Architekturmagazin, das dieses Haus nicht vorgestellt hätte: das Haus 40/80, entworfen von der Architektin Ulrike Fischer, das zahlreiche Preise erhalten hat, darunter den Badischen Architekturpreis sowie die Auszeichnung Beispielhaftes Bauen. Dabei ist der schnörkellose Neubau im Karlsruher Stadtteil Durlach ein Einfamilienhaus, also ein Bautypus, der in den vergangenen Jahren wegen seiner ungünstigen Umweltbilanz bei Bau und Betrieb in die Kritik geraten ist.
Bauen auf einem Restgrundstück in der Innenstadt
Doch der Architektin und Hochschulprofessorin Ulrike Fischer, die das Haus selbst mit ihrer Familie bewohnt, gelingt es in vorbildlicher Weise auf 40 Quadratmetern Grundfläche ein viergeschossiges Gebäude mit nur 80 Quadratmetern Wohnfläche zu errichten.
Und das an einem Ort, den man getrost als Lost Place bezeichnen konnte: ein unordentlicher Abstellplatz für Autos. „Man konnte sich damals kaum vorstellen, welches Wohnpotenzial dieses Grundstück hat“, erinnert sich Ulrike Fischer. „Es war so eine typische Restfläche in der Altstadt, auf der immer zwei, drei Autos parkten. Und ich dachte nur: Das wäre doch spannend, genau hier innerstädtisch zu verdichten.“
Baden-württembergische Architekten trotzen der Krise
Nachverdichtung oder doch lieber ein Umbau im Bestand samt energetischer Sanierung – all das sind zugegebenermaßen schwierige Fragen, die sich klimabewusste Bauherrschaften und ambitionierte Architekturstudios tagtäglich stellen – in Stuttgart und drumherum. Und das Interessante ist ja: es tut sich was, trotz aller Probleme und Krisenphänomene. Die Menschen, die im Südwesten bauen oder umbauen wollen, suchen und finden nicht selten architektonisch ansprechende Antworten.
Mindestens so spannend wie der Besuch bei Ulrike Fischer in Karlsruhe waren die Recherchen in einer preisgekrönten Tübinger Scheune, die nach dem suffizientem Umbau ein Mehrfamilienhaus mit vier Wohnungen geworden ist. Oder der Besuch in einem geretteten Bauernhof in Horb am Neckar, der entkernt und energetisch saniert wurde, ohne seinen baukulturellen Charakter einzubüßen.
Die Architekten der 6 Wohn-Projekte
- Scheune in Tübingen – Jan Keinath, ko/ok Architektur
- Bauernhaus in Horb am Neckar – Simon Schmidt, SchmidtArchitektur
- Nachverdichtungs-Haus in Karlsruhe – Ulrike Fischer, linking architecture
- Glamouröser Umbau in Eningen – Alexander Fehre, Studio Alexander Fehre
- Hof mit Blutbuche in Grafenau – Thilo Holzer, Holzer Architekten
- Hinterhofhaus in Karlsruhe – Boris Milla, Milla Architekten
Ähnliches gab es in Grafenau zu bewundern oder auch in Eningen, wo sich ein Paar auch innenarchitektonisch etwas getraut hat. Und ein weiterer Hausbesuch in Karlsruhe zeigte eindrücklich, wie man in einem Hinterhof ein heruntergekommenes Gründerzeitgebäude in modernes Wohnhaus verwandeln konnte – und zwar mit Hilfe von Stampflehm, einem Baustoff, dem nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Zukunft gehört.
Hier finden Sie einen Überblick über die Landhäuser, umgebauten Einfamilienhäuser und Nachverdichtungsprojekte in der Region Stuttgart – und einigen weiter entfernten Regionen des Landes, wie unsere Redaktion 2025 besucht hat:
1. Architektenfamilie aus Stuttgart zieht in eine lässige Scheune
Eine Stuttgarter Architektenfamilie sucht ein neues Zuhause und findet nichts in der Landeshauptstadt – also kaufen sie eine denkmalgeschützte Scheune von 1806 in Tübingen. Wie die Sanierung und Schaffung eines neuen Zuhauses in idyllischer Lage gelungen ist und warum es dafür einen verdienten Architekturpreis gab, können Sie hier nachlesen.
2. Stuttgarter Familie findet ihr Glück auf einem Bauernhof in Horb
Viele Städter sehnen sich danach – eine architekturbegeisterte Familie aus Stuttgart hat sich den Wunsch erfüllt und einen alten Bauernhof samt Scheune gekauft und saniert das Anwesen liebevoll. Wie herausfordernd und beglückend so eine Aufgabe sein kann, haben wir bei einem Besuch im lichtdurchfluteten Haus in Horb am Neckar erfahren – hier findet sich der Text dazu.
3. Auf einem ehemaligen Parkplatz entsteht ein minimalistisches Haus
Viel gelobt: Das Einfamilienhaus von Architektin Ulrike Fischer. Foto: linking architecture
Das Einfamilienhaus in der Neubausiedlung gilt als Sündenfall der Bauwirtschaft. Doch eine Architektin in Karlsruhe zeigt, wie der Haustyp zu retten ist. Man braucht nur viel Mut zur Lücke, die sich in dem Fall in Form einer Lost-Place-Brache darbot. Wie der Architektin und Bauherrin das Kunststück gelungen ist, auf minimaler Fläche ein Zuhause für eine Familie zu schaffen, das zudem die Nachbarschaft aufwertet und Architekturpreise erhält – das lässt sich hier nachlesen.
4. Glamouröser Umbau einer Nachkriegsvilla
Eine Familie mit fünf Kindern wohnt am Fuße der Alb und wünscht sich ein zeitgemäß gemütliches Zuhause. Das Bauherrenpaar bittet einen Stuttgarter Gestalter, Wohnzimmer und Küche im Einfamilienhaus aus den 1960ern umzubauen. Das Ergebnis ist ein so praktischer wie glamouröser Lebensmittelpunkt, wie sich bei dem Besuch in Eningen zeigt. Dies ist der Text zum Nachlesen.
5. Der gerettete Hof von 1680 mit Blutbuche im Landkreis Böblingen
Landhaus mit eigenem Prachtbaum im Hof: Eine Familie hat mit Hilfe eines Stuttgarter Architekten in Grafenau einen alten Hof saniert und bei der Sanierung allerhand Überraschungen erlebt. Eine Umbaugeschichte mit fabelhaftem Ende im Landkreis Böblingen, wie sich hier nachlesen lässt.
6. Wohnen in der ehemaligen Schnapsfabrik
Die einen träumen von der Landhausvilla mit Pool – die anderen finden es aufregender, mitten in der Stadt einen Hinterhof-Backsteinbau zu sanieren. Wie gelungen der Umbau einer ehemaligen Destillerie zum Einfamilienhaus als Hinterhofidyll gelungen ist, zeigt ein Besuch in Karlsruhe, den Text dazu finden Sie hier.