„Das hatte einfach extrem wenig mit Fußball zu tun.“

Ende Oktober lederte Nürnbergs Sturmlegende Marek Mintal (48/208 Spiele, 75 Tore) in einem viel beachteten Podcast („United Nürnberg“) vehement gegen seinen Ex-Verein. Der ehemalige Bundesliga-Torschützenkönig (2005) ließ dabei kaum ein gutes Haar an Nürnberg: „Du siehst unheimlich wenig von dem, was gesagt wird. Jeder spricht immer davon, wie fantastisch etwas ist – man sieht aber nichts davon.“ Ganz konkret prangert er den Umgang mit neuen Spielern an: „In der Vorbereitungszeit wird über jeden, der nach Nürnberg wechselt, gesagt, der ist eine Bombe, Granate, brutal gut – mich nervt das. Es ist jedes Jahr das Gleiche.“

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Kurios: Nur drei Wochen nach diesem Interview gab der FCN dann überraschend bekannt, dass Mintal wieder zu den Franken zurückkehrt – als Stürmertrainer für den Club-Nachwuchs. Nun geht es für den Slowaken am Valznerweiher los. BILD traf das „Tortphantom“ kurz vor seinem Amtsantritt zum Interview.

BILD: Bereuen Sie ihren jüngsten Rundumschlag?

Marek Mintal (lacht): Nein, wieso sollte ich?! Ich habe in diesem Podcast ja nur meine Meinung gesagt. Ich hatte damals schon mit Joti Chatzialexiou und einigen vom Verein Kontakt. In diesem Interview habe ich ja nicht spekuliert oder jemanden persönlich beleidigt, sondern nur offen und ehrlich festgestellt, wie für mich als Zuschauer in den letzten Jahren der Club-Fußball wirkte und warum ich nicht mehr ins Stadion gegangen bin. Wenn ich Ihren „Clubfunk“ anhöre, dann seid ihr die letzten Jahre ja auch nicht immer zufrieden gewesen.

Und Sie hatten tatsächlich nach der Relegation das Stadion nicht mehr betreten?

Das Jubiläumsspiel gegen Elversberg war wirklich das erste Spiel seit Ingolstadt, bei dem ich wieder live vor Ort zugeschaut habe. Zuletzt war ich aber auch beim Derby gegen Fürth, und ich denke, dass ich auch zukünftig wieder häufiger ins Max-Morlock-Stadion gehen werde.

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Werden Sie sich als Angestellter des Vereins mit Kritik mehr zurücknehmen?

Wenn mich jemand fragt, werde ich immer meine persönliche Meinung sagen. Witzigerweise hat der Club ja nach meiner Kritik die drei Spiele danach allesamt gewonnen. Ob das etwas mit meinem Interview zu tun hat, will ich nicht sagen, aber interessant war es schon.

Sie werden als mehrfacher Torschützenkönig die Nachwuchsstürmer trainieren. WM-Rekordtorschütze Miroslav Klose die Profis. Mehr nominelle „Trainer-Power“ kann es für den schwächelnden Club-Sturm doch kaum geben?

Ich werde im NLZ mit den jungen Stürmern individuell trainieren. Wie das im Detail ausschauen wird, werden wir im Januar noch besprechen. Wir haben beim FCN genug talentierte und gute Fußballer, die irgendwann auch bei den Profis eine Rolle spielen können. Warum man bisher so wenig Tore in der 2. Liga geschossen hat, kann ich nur schwer beurteilen. Da sind Miro und sein Trainerteam viel näher dran. Über seine Qualitäten muss man nicht reden! Miro weiß genau, wie Stürmer zu ticken haben. Tore schießen ist zum einen eine Frage der vorhandenen Qualität, zum anderen aber auch des Trainingsfleißes. Ohne ständiges Üben wird es nie funktionieren.

Würde ein Marek Mintal im Jahr 2026 noch funktionieren?

Ich denke schon. Die Qualität, um Tore zu schießen, hat sich ja nicht geändert. Ich glaube sogar, du hast heute als Stürmer noch mehr Zeit beim Abschluss. Deswegen glaube ich, dass es für mich in dem einen oder anderen Spiel sogar heute einfacher wäre, mich durchzusetzen. In meiner Karriere gab es viele Top-Innenverteidiger und Top-Sechser. Diese enorme Qualität gibt es natürlich auch heute noch, aber andererseits hast du auch viele Gegenspieler, die mir als Stürmer jetzt keine Riesenangst einjagen würden.

Nürnbergs „Torphantom“ Marek Mintal 2006 im Zweikampf mit dem heutigen FCN-Coach Miroslav Klose (r.)

Nürnbergs „Torphantom“ Marek Mintal 2006 im Zweikampf mit dem heutigen FCN-Coach Miroslav Klose (r.)

Foto: picture-alliance/ dpa

Sie waren als Profi ein Spätstarter und sind erst mit 25 nach Deutschland gekommen. Bekommen junge Spieler heute noch genügend Zeit zur Entwicklung?

Natürlich muss jeder talentierte junge Spieler im Fußball alles versuchen und ausprobieren. Aber der eine ist eben mental oder fußballerisch deutlich besser als der andere. In so einem Entwicklungsprozess bleibt man dann mal hängen. Und in genau diesen Phasen brauchst du Hilfe. Leider sind die Spieler, Trainer, Manager oder Berater unglaublich ungeduldig geworden. Das gilt auch für manche Eltern. Oft leistet man sich nicht mehr die Zeit, den Jungs auch mal eine Pause zu gönnen, damit sie sich auch als Menschen weiterentwickeln. Nach zwei, drei guten Spielen ist doch kein Spieler schon am Ende seiner Leistungskurve. Gerade wenn es nicht so gut läuft, brauchst du ein paar Menschen mit sauberem Charakter, die dir ehrlich helfen wollen.

Man hat aber das Gefühl, dass das Zeitfenster für eine Profikarriere immer kleiner wird…

Das stimmt! Die neue, junge Fußballergeneration will sofort die ganz großen Karriere-Schritte machen. Bei dem einen funktioniert das tatsächlich, bei dem anderen eben nicht. Es wird immer schwieriger, einen 24- oder 25-jährigen Spieler, wie mich damals, zu verpflichten. Die werden bei manchen Fußball-Managern schon als `zu alt` abgestempelt. Das ist schade, weil eine Mannschaft eben nicht nur aus 18-, 19- oder 20-Jährigen bestehen kann. Du brauchst diese gute Mischung aus Alt und Jung. Nur so funktioniert ein Team auf und neben dem Platz.

Rekord!: HIER ist Nürnberg besser als Bayern

Quelle: DFL/SportDigital10.11.2025

Was sind Ihre Wünsche für 2026? Wo sehen Sie Nürnberg in naher Zukunft?

In erster Linie wünsche ich allen Gesundheit, das ist mit Abstand das Wichtigste. Dann wünsche ich mir, dass ich den jungen Club-Spielern mit meinem Rat und meiner Erfahrung zukünftig helfen kann, sich gut weiterzuentwickeln. Und für den Club insgesamt wünsche ich mir, dass er viele Punkte holt und Jahr für Jahr besser wird, damit wir irgendwann wieder vom Aufstieg träumen können. Denn Nürnberg gehört definitiv in die Bundesliga!