Stand: 01.01.2026 16:14 Uhr
Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst hatten in der Silvesternacht in Niedersachsen erwartungsgemäß viel zu tun. Mehrfach kam es zu Bränden. In mehreren Städten wurden Einsatzkräfte angegriffen.
Viele Polizeidienststellen zogen eine positive Bilanz und vermeldeten eine überwiegend ruhige Silvesternacht – so etwa in Göttingen und Braunschweig. Dennoch kam es landesweit zu zahlreichen Einsätzen, mitunter wurden dabei auch Polizisten angegriffen. So etwa in Wolfsburg: In der Stadt war es am frühen Morgen auf der Kneipenmeile Kaufhof zu einer Schlägerei gekommen. Mindestens zehn teils stark alkoholisierte Menschen gerieten aneinander. Dabei wurde ein Polizist angegriffen, blieb aber unverletzt. Die Polizei sprach von tumultartigen Szenen und räumte die Kneipenmeile. Insgesamt mussten fünf Personen in Gewahrsam genommen werden. Sie wurden am Donnerstagmorgen wieder entlassen, laut Polizei wurden Verfahren eingeleitet.
Einsatzkräfte mit Feuerwerk beworfen und verletzt
Auch in Hannover wurden Einsatzkräfte in der Nacht mit Feuerwerkskörpern beworfen, mehrere Beamte wurden verletzt. In Sulingen (Landkreis Diepholz) zündeten Unbekannte gezielt eine Feuerwerksbatterie in Richtung von Polizisten. Eine Beamtin wurde am Bein leicht verletzt, ihr Kollege erlitt vorübergehend Hörprobleme. Beide blieben dienstfähig. Die Polizei bittet Zeuginnen und Zeugen unter der Telefonnummer (04271) 94 90 um Hinweise.
Selbstgebauter Böller zerstört Fassadenfront einer Tankstelle
In Hannover meldeten Anwohner zudem um 3.45 Uhr, dass Unbekannte einen großen, offenbar selbstgebauten Böller auf eine Tankstelle im Stadtteil Marienwerder geworfen hätten. Dieser zerstörte laut Polizei die Verglasung und die Fassadenfront der Tankstelle. Trotz intensiver Suche – auch mit einem Polizeihubschrauber – konnten die Täter jedoch nicht gefunden werden. Unter anderem nahm die Polizei Hannover in der Silvesternacht drei Personen vorläufig fest. Zudem stellten die Beamten neun Ordnungswidrigkeiten wegen Verstößen gegen die Waffenverbotszone fest und leiteten Verfahren wegen des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz ein. Für die Feuerwehr in der Landeshauptstadt lag das Einsatzaufkommen in dieser Silvesternacht eigenen Angaben zufolge unter dem Niveau des Vorjahres. Überwiegend mussten die Einsatzkräfte in Hannover ausrücken, um brennende Müllbehälter und Papiercontainer zu löschen, die den Angaben zufolge vermutlich durch Feuerwerkskörper entzündet worden waren.

Der Junge war kurz nach Mitternacht vom Gehweg auf die Straße in Lohne gelaufen. Ein Autofahrer erfasste das Kind.
Fehlgeleitete Raketen sorgen für Feuer und Verletzte
In Hameln ist gegen 2 Uhr nachts ein Balkon in der Straße „Hohes Feld“ in Brand geraten. Auslöser war nach Angaben der Polizei eine fehlgeleitete Feuerwerksrakete, die zunächst Holzmöbel entzündete. Die Flammen griffen anschließend auf die Wohnung über. Die 50-jährige Bewohnerin konnte das Gebäude selbstständig verlassen und blieb unverletzt. Die Feuerwehr löschte den Brand, die Wohnung ist jedoch vorerst nicht bewohnbar. Der Schaden wird auf rund 40.000 Euro geschätzt. In Emden ist es außerdem nach Mitternacht in der Stadt zu einer Prügelei zwischen zwei Gruppen gekommen. Acht Menschen wurden laut Polizei leicht verletzt – vier von ihnen mussten ins Krankenhaus. Auslöser der Auseinandersetzung war den Angaben zufolge eine fehlgeleitete Rakete einer Gruppe: Die Flasche, in der die Rakete steckte, sei kurz nach dem Zünden umgefallen und in Richtung der in der Nähe stehenden anderen Gruppe geflogen.
Helmstedt: Passanten mit Böllern beworfen – 23-Jähriger in Gewahrsam
Gegen 22.45 Uhr meldeten Zeugen, dass aus einem Fenster eines Mehrfamilienhauses in Helmstedt gezielt Feuerwerkskörper auf Passanten geworfen würden. Als die Polizei eintraf, wurde auch ein Pyrogegenstand in Richtung eines Beamten geworfen, der nur knapp ausweichen konnte. In einer Wohnung des Mehrfamilienhauses in der Neumärkerstraße trafen die Einsatzkräfte einen 23-jährigen Tatverdächtigen an. Zudem stellten die Beamten nicht zugelassene Feuerwerkskörper sicher. Gegen den Mann wurden Anzeigen wegen eines tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte sowie wegen eines Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz erstattet. Er wurde in Gewahrsam genommen.
Stadthagen: Mülleimer, Briefkästen und Snackautomat gesprengt
Auch in Stadthagen im Landkreis Schaumburg hatte die Polizei in der Silvesternacht zahlreiche Einsätze. Mehrere Mülleimer und Briefkästen wurden gesprengt sowie auch ein Snackautomaten an der Bahnhofstraße. Der Automat wurde hierbei laut Polizei komplett zerstört. Zudem registrierten die Einsatzkräfte mehrere Körperverletzungen. In zwei Fällen wurden Menschen mit Böllern beworfen, ein Opfer klagte anschließend über eine eingeschränkte Hörfähigkeit. Außerdem geriet eine Hecke in Brand, hinzu kamen zahlreiche Beschwerden wegen Lärms.

In Niedersachsen wurde kurz nach Mitternacht ein kleiner Junge überfahren und starb. In MV verlor ein 23-Jähriger eine Hand durch Böller.
Buxtehude: Seenotsignal setzt Photovoltaikanlage in Brand
In Buxtehude hat ein unbekannter Täter in der Silvesternacht gegen 0.45 Uhr ein Seenotsignal mit einer Signalpistole abgefeuert. Der noch brennende Signalkörper landete auf dem Dach eines Einfamilienhauses in der Straße Im Ellerbruch und setzte eine Photovoltaikanlage in Brand. Das Feuer griff auf den Dachstuhl über. Durch den Brand und die Löscharbeiten ist das Haus vorerst unbewohnbar. Die Bewohner kamen bei Nachbarn unter. Der entstandene Schaden wird nach ersten Schätzungen auf rund 250.000 Euro beziffert. Außerdem haben Einsatzkräfte Feuerwerkskörper in einer Wohnung sichergestellt. Ein 46-jähriger Mann hatte laut Polizei zuvor Pyrotechnik der Kategorie F3 und F4 erworben und diese seinem zwölf Jahre alten Sohn überlassen. Dieser hatte sie dann in seinem Kinderzimmer aufbewahrt.
Borkum: Feuerwerkskörper verletzt Teenager
Auf der Insel Borkum zündete ein 62-jähriger Mann kurz nach Mitternacht auf der Promenade Jan-Berghaus-Straße einen Böller inmitten einer Menschenmenge. Der Polizei zufolge wurde dabei ein 13-jähriger Teenager aus Lüdenscheid leicht am Fuß verletzt.

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Brände zerstören Tiefgarage, Carport und Autos
Auch in anderen Teilen des Landes kam es in der Nacht zu Bränden, bei denen noch unklar ist, ob Feuerwerk die Ursache war. In Stade brannte gegen 2 Uhr eine Tiefgarage in der Dankersstraße. Dabei wurde auch ein geparktes Auto beschädigt, der Schaden liegt bei rund 50.000 Euro. Vorsorglich evakuierten Einsatzkräfte 39 Menschen, die später zurückkehren konnten. In der Samtgemeinde Elbtalaue (Landkreis Lüchow-Dannenberg) gab es zwei größere Brände – einer davon in der Gemeinde Gusborn. Hier brannten gegen 1.40 Uhr ein Carport, ein darin abgestellter Geländewagen und eine angrenzende Tanne. In dem Carport befanden sich Gasbehälter. Rund 60 Einsatzkräfte verhinderten ein Übergreifen auf das Wohnhaus. Verletzt wurde niemand.
Bremen: Polizei muss Feuerwehrleute vor Angriffen schützen
In Bremen kam es neben Körperverletzungen, unsachgemäßem Umgang mit Feuerwerk und Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz auch zu Angriffen auf Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr – teils mit Pyrotechnik. Fünf Polizeibeamte erlitten ein Knalltrauma. Besonders angespannt war die Lage bei einem Feuerwehreinsatz im Stadtteil Tenever. Dort beschossen rund 20 Personen die Feuerwehr mit Böllern und Raketen. Polizeikräfte sicherten den Einsatz, sodass der Brand gelöscht werden konnte. Durch eine eingeschlagene Scheibe wurden jedoch erneut Feuerwerkskörper in das Gebäude geworfen. Die Menschenmenge wuchs zeitweise auf etwa 50 Personen an, Polizisten wurden beleidigt und mit Böllern beworfen, die direkt vor ihnen explodierten. Verletzt wurde niemand. Die Polizei kontrollierte mehrere Personen und stellte unter anderem Schreckschusswaffen, Messer und Reizgas sicher. Gegen die Tatverdächtigen wurden Ermittlungen eingeleitet und Platzverweise ausgesprochen. Insgesamt verzeichnete die Bremer Feuerwehr rund 100 Einsätze – etwa auf dem Niveau des Vorjahres.

Ein Schwerverletzter, brennende Bootsschuppen und illegale Pyrotechnik: Zum Jahreswechsel kam es zu zahlreichen Einsätzen von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst.

Die Beamten in Niedersachsen warnen vor illegalem Feuerwerk. Sie wollen mehr Präsenz zeigen und Böller-Verbote kontrollieren.