Eine Kirche ist ein ganz besonderer Ort – nicht nur für uns Menschen. Deswegen lädt die Evangelische Kirchengemeinde Sürth-Weiß alle Kinder von etwa drei bis sechs Jahren ein: „Lasst Eure Kuscheltiere eine Nacht lang in der Auferstehungskirche übernachten!“
Kinder und Erwachsene treffen sich mit ihren Kuscheltieren am Freitag, 23. Januar 2026, um 17.30 Uhr in der Auferstehungskirche. Alle Kinder und Erwachsenen hören dann eine Abendgeschichte und bringen die Kuscheltiere gemeinsam ins Bett. Am nächsten Morgen können die Kinder die Kuscheltiere zwischen 9 und 10 Uhr wieder abholen. Fotos erzählen dann davon, was die Kuscheltiere in der Nacht alles in der Kirche erlebt haben. Und das wird sicher einiges sein!
Pfarrer Simon Manderla von der Evangelischen Kirchengemeinde Sürth/Weiß erzählt, wie aus einer Idee unter jungen Kollegen und Kolleginnen eine besondere Aktion entstanden ist, bei der Kinder ihre Kuscheltiere in der Kirche übernachten lassen – und dabei erfahren, dass Kirche ein vertrauter, lebendiger Ort sein kann, an dem Alltag, Gemeinschaft und Vertrauen in Gott ganz selbstverständlich zusammengehören:
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Kuscheltierübernachtung in der Auferstehungskirche anzubieten – und was begeistert Sie persönlich an diesem Konzept?
Simon Manderla: Eine Kollegin von mir hat das Projekt schon einmal in ähnlicher Weise in einer Kirchengemeinde in Aachen durchgeführt. Sie hat mir davon erzählt – wir sind ja gerade als jüngere Kolleginnen und Kollegen immer eng im Austausch über tolle Ideen, wie wir Menschen heute erreichen können und Kirche lebendig und nah am Alltag der Menschen gestalten können – und ich war sofort von der Idee begeistert: Den Kirchenraum als einen besonderen und gleichzeitig „normalen“ Raum zu erleben und dabei zu spüren, dass man dort einfach „mitten aus dem Alltag“ hinkommen kann. Warum also nicht auch einfach mal sein Kuscheltier dorthin mitbringen, wo das ganze Leben stattfindet? Das Kuscheltier brauchen viele Kinder und es ist wichtig für sie – und wer wichtig ist, kommt auch mit zu den Orten, an denen man sonst sein Leben verbringt. Das ist für viele Menschen immer noch die Kirche. Für manche auch nur ab und zu, aber gerade für diese Menschen ist es hoffentlich eine schöne Möglichkeit, ohne ein liturgisches Format wie einen Gottesdienst (mal wieder) einen Kirchenraum zu einem schönen Anlass zu sehen. Mich begeistert also daran, dass (hoffentlich) gerade die kleinen Menschen merken: Hier ist ein Ort, an dem ich gerne sein darf – auch mit allen, die mir lieb und wichtig sind.
Was erhoffen Sie sich für die Kinder: Welche Erfahrungen oder Eindrücke sollen sie aus diesem besonderen Abend und der Überraschung am nächsten Morgen mitnehmen?
Simon Manderla: Zum einen sollen die Kinder und Familien den Kirchenraum als einen besonderen Ort kennenlernen: Ein Ort, an dem man Gott besonders nahe sein kann, zu jeder Tageszeit, auch abends und nachts. Aber zum anderen ist eine Kirche auch einfach ein Ort, an dem man Gemeinschaft erlebt. Wenn wir die Kuscheltiere gemeinsam ins Bett bringen, werden wir auch eine (biblische) Gute-Nacht-Geschichte erzählen, ein Abendlied singen und gemeinsam ein Gebet sprechen. Das können die Kinder und Erwachsenen als Ritual erleben, das sie entweder schon von zu Hause kennen und da auch so machen. Oder vielleicht lernen sie an diesem Abend etwas wieder neu kennen, dass sie auch zu Hause ausprobieren möchten. Wir hoffen, dass alle merken: Die Kirche ist ein Ort, an dem man sich wohlfühlen kann, in dem man auch andere Menschen trifft oder wo man auch andere Gott anvertraut. Warum nicht auch Kuscheltiere? Für die Kinder ist es ja auch eine Herausforderung, ihre Kuscheltiere eine Nacht lange alleine zu lassen – da übt man also auch gleichzeitig, Gott zu vertrauen, dass er auf andere gut aufpasst. Und am nächsten morgen merkt man dann: Gott hat gut auf alle aufgepasst und in einem Kirchenraum kann man Spannendes erleben!
Was stellt die größte Herausforderung bei der Vorbereitung einer solchen Aktion dar – und worauf freuen Sie sich am meisten, wenn die Kuscheltiere „alleine“ in der Kirche bleiben?
Simon Manderla: Herausfordernd ist zum einen die Frage, wie gut das Projekt generell funktioniert, da es eine neue Idee bei uns ist und sich vielleicht viele erst einmal nichts darunter vorstellen können. Außerdem wird es herausfordernd, wenn Kinder ein Kuscheltier mitbringen, das sie dann aber doch nicht alleine in der Kirche übernachten lassen wollen – aber dafür haben wir ein paar Ersatzkuscheltiere dabei 🙂 Außerdem hoffen wir, dass jedes Kind am Ende auch sein eigenes Kuscheltier wieder zurückbekommt, dafür gibt es aber Namensschilder an den Tieren, damit keins vertauscht wird. Wenn die Kuscheltiere in der Nacht die Kirche „entdecken“, werden sie auch merken, dass die Kirche ein lebendiger Ort ist: An dem man feiert, singt und lacht, Instrumente spielt, über das Leben nachdenkt, in Büchern (vor-)liest und auch Spaß haben kann. Wir hoffen, dass es für die Kinder ein schöner Moment wird, wenn sie die Kuscheltiere am nächsten Morgen wieder wohlbehalten mit nach Hause nehmen können und die Fotos, die wir dann von den Kindern aufnehmen, zeigen, was die Tiere alles erlebt haben. Auch die Erwachsenen freuen sich dann hoffentlich, dass alle Kuscheltiere wieder wohlbehalten nach Hause kommen.
Kurze Anmeldung bitte bis zum 19. Januar 2026 im Gemeindebüro bei Alexandra Reichle: alexandra.reichle@ekir.de oder 02236/389748.
Text: APK
Foto(s): APK/Canva