Kaum ein Politiker hat den Bruch mit Europa derart forciert – und zugleich so europäisch gelebt – wie Nigel Farage. Der Vorsitzende der Partei Reform UK, der mit seinem politischen Lebenswerk den Brexit möglich machte, verkörpert paradoxerweise den europäischen Traum in Reinform. Zu diesem Schluss kommt das Magazin The Economist.

«Ich liebe Europa», schreibt Farage regelmässig, um dann mit gewohnter Schärfe gegen die EU zu wettern. Doch hinter der Pose des Anti-Europäers verbirgt sich ein Leben, das europäischer kaum sein könnte: Ehe mit einer Deutschen, nun liiert mit einer Französin, Vater bilingualer Kinder, einst als Händler für französische Banken in halb Europa unterwegs – Farage lebt das Modell einer grenzüberschreitenden Biografie, wie es der italienische Schriftsteller Umberto Eco einst als neue europäische Norm beschrieb.

Seinen politischen Aufstieg verdankt Farage nicht etwa Westminster, sondern den Institutionen, die er bekämpfte: Das Europäische Parlament verschaffte ihm durch das System der Verhältniswahl den Durchbruch, üppige EU-Mittel halfen beim Aufbau von UKIP. Ausgerechnet Brüssel wurde zur Startrampe seiner Mission.

Farage ist nicht nur ein britischer Ausreisser – er ist längst Teil eines europäischen Musters: Politiker, die von aussen kommen und das politische Zentrum verschieben. Seine Eigenart liegt nicht in der Ablehnung Europas, sondern im tiefen Verständnis dessen, was die EU wirklich ist – ein Projekt von historischer Tragweite. Ausgerechnet dieses Wissen habe ihn, so Beobachter, zum Gegner gemacht.