Liebe Leserin, lieber Leser,
es geht um viel in diesem Jahr für Berlin. 2026 wird ein Jahr der Entscheidungen. Die Wichtigste fällt am 20. September. Dann entscheiden 2,5 Millionen Berlinerinnen und Berliner, wie die Macht in der Hauptstadt verteilt wird. Nach dreieinhalb Jahren schwarz-roter Koalition wird dann über ein neues Abgeordnetenhaus entschieden.
Die CDU mit dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner liegt in Umfragen vorn. Aber es ist unklar, ob Kai Wegner weiterhin seinen Arbeitsplatz im Roten Rathaus behalten wird. Aktuell liegt die Linke auf dem zweiten, SPD und Grüne wetteifern um den dritten Platz. Die CDU wird sich im Wahlkampf als bürgerliches Bollwerk gegen ein linkes Bündnis von Linkspartei, Grünen und SPD stellen. Konrad Adenauers Wahlkampfslogan „Keine Experimente“ aus den 1950er-Jahren wird wohl wieder dafür herhalten. Denn genau das droht Berlin.
Sollte die Linke an die Macht kommen, könnten riskante sozialistische Experimente wie die Vergesellschaftung von Wohnungsunternehmen ausprobiert werden. Dem ohnehin hochverschuldeten Berlin drohen weitere Ausgaben. Auch die Privatschulen und Gymnasien werden es schwerer haben, sollte ein Linksbündnis regieren. Ganz zu schweigen von einem grundsätzlichen Misstrauen vieler Linker gegenüber der Berliner Polizei.

Kai Wegner (CDU), Regierender Bürgermeister von Berlin, will bei der Wahl im September das Rote Rathaus verteidigen.
© Bernd von Jutrczenka/dpa | Bernd von Jutrczenka
Aber die CDU muss mehr bieten als einen Lagerwahlkampf. Ab Mai sollen inhaltliche Ergebnisse vorgelegt werden, was man nach dem 20. September plant, sollte die Union an der Macht bleiben.
Auch wenn im Wahlkampf klare Kante gezeigt werden wird: Es wird spannend werden, ob Kai Wegner es schafft, möglicherweise Grüne und SPD zu einem Zweier- oder Dreierbündnis mit der CDU zusammenzuführen. Dafür müssen natürlich alle Parteien Kompromisse eingehen – und auch über ideologische Schatten springen. Schwarz-Grün wäre für Berlin aber insofern interessant, weil die Grünen Mehrheiten in der Innenstadt haben, die CDU stark in den Außenbezirken ist. Man könnte das als gesamtstädtisches Konzept verkaufen.
Klar ist auch: Nach dem 20. September wird es einen Kassensturz geben müssen. Obwohl gerade erst ein Doppelhaushalt für dieses und das nächste Jahr von CDU und SPD beschlossen wurde, wird es wahrscheinlich eine neue Prioritätensetzung geben nach der Wahl. Auch hier wird es schwere Entscheidungen geben müssen.
Unmittelbar nach der Abgeordnetenhauswahl will der Deutsche Olympische Sportbund entscheiden, mit welcher deutschen Stadt man sich um die Olympischen Spiele bewerben will. Sollten die erklärten Olympia-Gegner von der Linkspartei ins Rote Rathaus einziehen, ist Berlin wohl aus dem Rennen.
Dabei täte eine derartige Großveranstaltung, auf die man Jahre hinarbeitet, der Stadt auch gut. Sportstätten könnten saniert werden, ein neues olympisches Dorf am Stadteingang West könnte später für neue Wohnungen sorgen. Vieles in der Politik würde auf dieses große Ziel ausgerichtet. Paris hat vorgemacht, wie es gehen kann.
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Man muss also kein politischer Prophet sein: Olympia wird neben den Themen Wohnungsmangel, Verkehr, Bildung und innere Sicherheit eine Rolle im Wahlkampf spielen. Und dann ist da auch noch die mögliche Entscheidung, ob Berlin sich nicht doch noch für die Ausrichtung der Weltausstellung Expo 2035 bewerben soll. In den Wahlkampf einfließen werden auch die beiden aktuellen Volksbegehren „Berlin autofrei“ und „Berlin werbefrei“, die mit ihren Unterschriftensammlungen Stimmung machen werden.
Wie gesagt: 2026 wird ein Jahr der Entscheidungen werden. Im Gegensatz zu anderen Ländern leben wir in einem freiheitlichen System. Die Berlinerinnen und Berliner haben gleich mehrmals eine Entscheidungsfreiheit – und um es mit Klaus Wowereit zu sagen: Das ist auch gut so. Für Berlin und für die Demokratie.
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Ich wünsche Ihnen ein frohes und erfolgreiches 2026!
Ihr Gilbert Schomaker,
stellvertretender Chefredakteur
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