Einen Fahrermangel gibt es nach übereinstimmender Einschätzung von Hochbahn, S-Bahn und den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein nicht. Nach Personal suchen manche Unternehmen dennoch.
Hamburger Verkehrsunternehmen verfügen nach eigenen Angaben über ausreichend Bus- und Bahnfahrer. Hochbahn, S-Bahn Hamburg und Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein teilten mit, dass derzeit keine Fahrerinnen und Fahrer fehlten. Das städtische Unternehmen Hochbahn begründete die gesicherte Personallage mit intensivem Marketing.
Obwohl genügend Personal vorhanden sei, planen die S-Bahn Hamburg wie auch die Hochbahn Neueinstellungen. Damit werde auf übliche Fluktuation reagiert, sagte der Leiter der S-Bahn Hamburg, Jan Schröder. Dieses Jahr bietet die S-Bahn Hamburg 50 Ausbildungsstellen an – viele davon im Bahnbetrieb. Zudem sollen monatlich zehn Quereinsteiger als Fahrzeugführer eingestellt werden. Die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein rechnen damit, altersbedingt ausscheidende Busfahrer mit Nachwuchskräften ersetzen zu können, die dieses Jahr ihre Ausbildung abschließen.
Der Fährlinienbetreiber Hadag, der zuletzt unter Personalmangel litt, plant, seinen Stellenaufbau fortzusetzen. Zehn Schiffsführer sollen dieses Jahr hinzukommen, sagte Personalvorständin Tanja Cohrt. Sie verneinte, dass es aufgrund der Personalsituation zu Einschränkungen im Betrieb komme. Die Hochbahn-Tochtergesellschaft Hadag bildet selbst Schiffsführer aus, auch weil extern nur begrenzt rekrutiert werden könne. „Der Pool an Schiffsführern ist leer im Hafen“, sagte Cohrt. Vergangenes Jahr begannen bei der Hadag acht Nachwuchskräfte die Ausbildung zum Schiffsführer. 
Wenig Nachwuchs trotz wachsender Nachfrage
Trotz der lokalen Entspannung in Hamburg steht der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) bundesweit vor langfristigen Herausforderungen bei der Fachkräftesicherung. Laut dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) fehlen im ÖPNV bereits heute schätzungsweise rund 20.000 Busfahrerinnen und -fahrer sowie etwa 3000 Triebfahrzeugführer, also Lok- oder Fahrzeugführer – ein Drittel davon im Busbereich allein. Viele Unternehmen gaben an, aus personellen Gründen den Betrieb zumindest zeitweise eingeschränkt zu haben.
Die Lage ergibt sich nicht aus akut fehlenden Kräften in einzelnen Städten, sondern aus strukturellen Problemen in der Ausbildung und Personalgewinnung: In Deutschland sind die Stellen für Fachkräfte im Fahrbetrieb trotz hoher Nachfrage nur relativ schwach besetzt. Laut einer Analyse der Hans-Böckler-Stiftung sind immer mehr Stellen im Bus- und Bahnverkehr unbesetzt, weil sich nicht genügend Bewerber für die entsprechenden Ausbildungen finden lassen. Gleichzeitig ist ein hoher Anteil des bestehenden Fahrpersonals bereits über 55 Jahre alt – was für die kommenden Jahre einen massiven altersbedingten Ausstieg bedeutet. 
Ausbildung und Rekrutierung: Bremsklötze im System
Der Beruf der „Fachkraft im Fahrbetrieb“ ist eine dreijährige duale Ausbildung, die Fahrerkompetenz, Kundenservice und technische Kenntnisse vermittelt. Dennoch ist die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge in diesem Bereich vergleichsweise gering – trotz anhaltender Nachfrage. Nach Daten zur beruflichen Bildung gehören Ausbildungen im dualen System insgesamt zu den wichtigsten Wegen zur Fachkräftesicherung, aber viele Verkehrsunternehmen berichten über Schwierigkeiten, geeignete Kandidaten für Ausbildungsplätze zu finden.
Auch auf dem gesamten deutschen Ausbildungsmarkt ist die Lage angespannt: Eine aktuelle ifo-Umfrage zeigt, dass rund die Hälfte aller Unternehmen in Deutschland die Knappheit an Bewerbern mit abgeschlossener Berufsausbildung als größtes Problem in der Personalplanung benennt. Gerade Fachkräfte mit dualer Ausbildung sind stark nachgefragt – und oft Mangelware. 
Demografischer Druck und Zukunftsbedarf
Die demografische Entwicklung verstärkt diese strukturelle Herausforderung: Schon heute sind laut Branchenanalysen viele Bus- und Bahnfahrer älter, und es zeichnet sich ab, dass in den nächsten Jahren viele in Rente gehen werden. Ohne substanzielle Steigerung der Ausbildung und effektivere Rekrutierungsstrategien dürfte der Fachkräftebedarf im ÖPNV weiter steigen. 
Um dieser Entwicklung zu begegnen, setzen Verkehrsunternehmen auf intensiveres Marketing, Ausbildungsprogramme und Quereinsteiger-Offensiven – wie etwa in Hamburg. Gleichwohl warnen Branchenexperten, dass ohne zusätzliche strukturelle Maßnahmen, etwa attraktivere Arbeitsbedingungen, bessere Ausbildungswege und gezielte Nachwuchsförderung, langfristig Engpässe drohen könnten, selbst wenn lokale Personalstände aktuell stabil erscheinen.
dfe, dpa