Der Ende Dezember gemeldete Tod des russischen Rechtsextremisten Denis Kapustin, der an der Spitze des sogenannten Russischen Freiwilligenkorps (RDK) an der Seite der Ukraine kämpft, ist nach ukrainischen Geheimdienstangaben nur vorgetäuscht worden. Die Aktion habe dazu gedient, einen Mordanschlag auf den RDK-Kommandeur durch russische Spezialkräfte zu verhindern, teilte der ukrainische Militärgeheimdienst HUR mit.

Der Geheimdienst veröffentlichte einen Mitschnitt aus einer Videoschalte mit Kapustin und HUR-Chef Kyrylo Budanow. Dieser beglückwünschte Kapustin darin zu seiner „Rückkehr ins Leben“. Am 27. Dezember hatte der RDK mitgeteilt, ihr Kommandeur sei in der Region Saporischschja durch einen russischen Drohnenangriff getötet worden. 

In einer schriftlichen Erklärung teilte der HUR mit, russische Spezialkräfte hätten die Ermordung Kapustins angeordnet. Durch eine „umfassende Spezialoperation“ sei es daraufhin gelungen, dessen Leben zu retten und die Beteiligten an dem Anschlagsplan zu identifizieren. Kapustin sagte in der Videoschalte, er wolle weiterhin an Kampfeinsätzen und „Spezialaufgaben“ für den HUR teilnehmen.

Das von Russland nach HUR-Angaben ausgesetzte Kopfgeld auf Kapustin in Höhe von 425.000 Euro sei sichergestellt und komme nun der Verteidigung der Ukraine zugute, teilte der HUR weiter mit. Eine unabhängige Bestätigung zu dieser Behauptung gab es zunächst nicht. 

Rechtsextremist im Kampf gegen Putin

Die russischen Sicherheitsbehörden haben Kapustin, der auch als Denis Nikitin sowie unter seinem Kampfnamen White Rex bekannt ist, als „Terroristen“ eingestuft und werfen ihm unter anderem Hochverrat vor. 

© Lea Dohle

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Der Anführer des RDK ist zudem eine bekannte Figur in der Hooligan- und rechtsextremen Szene, auch in Deutschland. Der gebürtige Russe hatte nach Angaben des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes fast 20 Jahre lang seinen Wohnsitz in Deutschland, ehe seine Aufenthaltserlaubnis 2019 erlosch. Seitdem lebt er demnach in der Ukraine. Als Gründer der rechtsextremen Kampfsportmarke White Rex war er dem Verfassungsschutz als Organisator von Kampfsportveranstaltungen bekannt.

Nach Beginn der russischen Invasion der Ukraine rief Kapustin auch Ausländer dazu auf, gegen die russischen Truppen zu kämpfen. Das RDK besteht nach eigenen Angaben hauptsächlich aus russischen Staatsbürgern, die an der Seite des angegriffenen Landes kämpfen und nach eigener Darstellung damit dazu beitragen wollen, Russland von Wladimir Putin zu befreien. Das RDK rief Russen immer wieder dazu auf, sich zu diesem Zweck der Einheit anzuschließen und der Ukraine beizustehen. Die Einheit versuchte auch, russische Kriegsgefangene davon zu überzeugen, die Seiten zu wechseln und sich der Miliz anzuschließen. 

Ukrainische Geheimdienste hatten bereits 2018 Todesfall vorgetäuscht

Das RDK gehört nicht den regulären Streitkräften der Ukraine an, gilt aber als Einheit, deren Einsätze maßgeblich vom HUR koordiniert werden. 2023 war die Miliz auf russisches Gebiet vorgedrungen und kontrollierte dort für wenige Tage einige Ortschaften. Es hatte sich damals um den ersten Kampfeinsatz von ukrainischen oder proukrainischen Truppen auf russischem Gebiet gehandelt, der mit dem ukrainischen Einmarsch ins russische Grenzgebiet Kursk im Spätsommer 2024 in einem deutlich größeren Maßstab wiederholt wurde.

Auch das Täuschungsmanöver des HUR mit der Vortäuschung von Kapustins Tod hat einen Präzedenzfall: 2018 hatten ukrainische Geheimdienste bereits international für Aufmerksamkeit gesorgt, als sie den russischen Putinkritiker, Ex-Soldaten und Kriegsberichterstatter Arkadi Babtschenko für tot erklärt hatten. Der angeblich in Kyjiw bei einem Anschlag getötete Babtschenko erwies sich allerdings bereits einen Tag später als lebendig. Mithilfe der Finte sollen damals Drahtzieher eines mutmaßlich geplanten Anschlags auf ihn enttarnt worden sein.

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