Schneller und direkter ostwärts fliegen, diese Hoffnung hat Carsten Spohr, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Lufthansa für 2026. Seit Russlands Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 verhindern Sanktionen und Gegensanktionen, dass Lufthansa in Richtung China Flugrouten über Russland wählen kann, während chinesische Konkurrenten weiter Russland überqueren. Nun sieht Spohr die Chance groß, dass für die 2026 erwarteten neuen Langstreckenflugzeuge ein Hemmnis wegfällt.

„Die umfassende Erneuerung und überproportionales Wachstum unserer Interkontinentalflotten folgen dabei unserer strategischen Markteinschätzung für die kommenden Jahre“, sagte er der F.A.Z. „Und auch Asien – und dabei insbesondere China – wird nach einer hoffentlich in 2026 möglichen Wiedereröffnung des russischen Luftraums für den gesamten Luftverkehr wieder zum Wachstumsmotor.“ Das setzt jedoch voraus, dass Verhandlungen über ein Kriegsende zu einem Ergebnis führen, Spohr scheint zuversichtlich.

Trotz internationaler Spannungen ist der Vorstandschef zuversichtlich für das Jahr, in dem die Lufthansa den 100. Jahrestag ihrer Gründung feiert. „Insgesamt sehen wir die wirtschaftlichen Perspektiven für 2026 positiv und gehen in unseren globalen Märkten von einem Wachstum mit dem Faktor zwei des jeweiligen Wirtschaftswachstums aus“, sagte Spohr. „Damit wird der Luftverkehr in der Real-Economy auch 2026 zu den Branchen mit der höchsten Wachstumsdynamik gehören.“

Eintrübung zwischen USA und Europa nicht festzustellen

Einen negativen Trump-Effekt aus den USA, der die Hoffnungen trüben könnte, sieht Spohr mit Blick auf aktuelle Buchungszahlen kaum. „US-Strecken entwickeln sich weiterhin sehr stabil, das Kapazitätswachstum auf dem Nordatlantik liegt auch im kommenden Jahr mit einem Plus von sechs Prozent über dem Durchschnitt“, erklärte er. „Wenn man die Qualität der transatlantischen Beziehungen in der Anzahl von Passagieren misst, dann lässt sich eine Eintrübung zwischen Europa und den USA auch weiterhin nicht feststellen.“

Dazu komme ein wachsender Fokus auf den globalen Süden.  „Davon profitieren wir im Zuge der Integration von ITA Airways mit einer Verdoppelung unserer Kapazitäten auf dem Südatlantik“, sagte er. Anfang 2025 war Lufthansa mit 41 Prozent bei der italienischen Gesellschaft mit dem Ziel einer Komplettübernahme eingestiegen.

Zum Jubiläum plant Lufthansa mit neuen Flugzeugen, auf die der Konzern für seine Flottenmodernisierung mitunter lange gewartet hat, darunter Jets des Boeing-Typs 787. „50 Neuauslieferungen in 2026 – eine pro Woche und davon die Hälfte Langstreckenflugzeuge – bedeuten für uns einen neuen Rekord“, sagte Spohr. Die Einflottung des neuen Boeing-Modells 777X, ursprünglich einmal von 2020 an erwartet, ist indes schon auf 2027 verschoben.

Doch auch ohne 777X sollen die neuen Flieger mehr Premiumqualität für die Passagiere der Kernmarke Lufthansa, die im Jubiläumsjahr nach holprigen Jahren „wieder zum Aushängeschild der Gruppe“ werden soll, bringen. Ebenso sollen sie mit niedrigerem Kerosinverbrauch den CO₂-Ausstoß senken und Betriebskosten verringern. Schon im Herbst 2025 hatte Lufthansa die eigenen Margenziele auf acht bis zehn Prozent angehoben.