
Tischfeuerwerk, das durch den Raum getragen wurde, hat nach Angaben der Behörden vermutlich den Brand in Crans-Montana ausgelöst – die Flammen kamen zu nah an die Decke. Die Schweizer Behörden nannten auch Details zu den Verletzten.
Die Feuerkatastrophe im Skiort Crans-Montana ist nach Einschätzung der Ermittler von sogenannten Partyfontänen ausgelöst worden, einem Tischfeuerwerk, das an Sektflaschen montiert war und durch den Raum getragen wurde. Dies sei das Ergebnis erster Ermittlungen, teilte die Generalstaatsanwältin des Schweizer Kantons Wallis, Beatrice Pilloud, mit.
Pilloud sagte: „Tatsächlich deutet alles darauf hin, dass das Feuer von Tischfeuerwerk ausgegangen ist, von Sprühfontänen, die auf Champagnerflaschen aufgesetzt wurden und zu sehr in die Nähe der Decke gekommen sind.“ Für diese Analyse seien Videos und Zeugenaussagen ausgewertet worden.
Bei einer Pressekonferenz am Tag nach dem Unglück informierten die Behörden über den Stand der Ermittlungen.
„Noch keine Gewissheit“
Diese Hypothese sei wahrscheinlich, aber noch nicht bestätigt. Zur raschen Ausbreitung des Feuers könnte Akustikschaumstoff beigetragen haben, der an der Decke montiert war. Man untersuche dessen Verwendung, es gebe aber noch keine Gewissheit, fügte Pilloud hinzu.
Es werde geprüft, ob eine strafrechtliche Verfolgung wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet werde, sagte die Generalstaatsanwältin weiter. Das wäre der Fall, wenn es eine Verantwortung noch lebender Personen gebe. Pilloud sagt, dass solche Pyrotechnik frei verkäuflich sei. Die Frage, ob sie in einem geschlossenen Raum benutzt werden dürfen, würden die Ermittlungen zeigen.
Keine Deutsche unter den identifizierten Verletzten
Bei der Brandkatastrophe waren in der Neujahrsnacht mindestens 40 Menschen gestorben – darunter viele junge Leute. 119 Personen wurden nach Angaben der Polizei verletzt, davon seien 113 identifiziert worden. 71 davon sind demnach Schweizer, 14 sind Franzosen und 11 sind Italiener. Deutsche waren zunächst nicht mit aufgeführt.
Zahlreiche Verletzte erlitten schwere Verbrennungen. Von den 119 Verletzten befänden sich viele in kritischem Zustand. Es gebe eine große Anzahl von Patienten, die intubiert und in ein künstliches Koma versetzt werden mussten, sagte der Direktor der Kantonalen Walliser Rettungsorganisation, Fredy-Michel Roten. Einige wurden in Spezialkliniken in anderen europäischen Ländern geflogen. Mehrere der Verletzten werden in Deutschland versorgt, unter anderem in Stuttgart, Tübingen und Ludwigshafen.
Identifikation der Todesopfer noch nicht abgeschlossen
Bei den rund 40 Todesopfern laufe die Identifikation noch, sagte der Walliser Polizeikommandant Fréderic Gisler. „Das ist unsere Priorität.“ Der Chef der Kriminalpolizei Wallis, Pierre-Antoine Lengen, erläutert, es werde versucht, die Opfer anhand verschiedener Merkmale zu identifizieren. So würden etwa DNA-Proben genommen.
Das Feuer in der Bar „Le Constellation“ war in der Silvesternacht gegen 1.30 Uhr ausgebrochen. In der Bar war es nach früheren Angaben der Ermittler dann „infolge eines Brandes zu einem Flashover“ gekommen, „der eine oder mehrere Explosionen zur Folge hatte“. Mit dem Begriff „Flashover“ wird der sekundenschnelle Übergang eines kleinen Feuers zu einem Großbrand bezeichnet.
Das Brandphänomen „Flashover“
Die Brandschutz-Expertin Sandra Barz beschreibt das Phänomen Flashover im ARD-Brennpunkt so: Ein kleines Brandereignis gibt die Wärme an die Umgebung ab. Die Hitze sammelt sich unter der Decke des Raumes und kann in einem Kellerraum nicht abfließen. Der Wärmestau wird immer heißer und alle brennbaren Materialien in diesem Raum werden chemisch zersetzt und bilden Pyrolysegase. Beim richtigen Mischungsverhältnis und einer immer höher werdenden Temperatur entsteht eine Durchzündung, eine Feuerwalze, die alles gleichzeitig in Brand setzt, ohne dass es durch eine Flamme berührt wird. Es entsteht ein Selbstentzündungsmechanismus, der extrem und sehr schnell wirkt.