Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich mehr als einen Monat nach der Entlassung
seines langjährigen Büroleiters und Weggefährten Andrij Jermak für einen
Nachfolger entschieden. Er habe Kyrylo Budanow, dem Leiter des ukrainischen Militärgeheimdiensts HUR, den Posten seines Stabschefs angeboten, teilte der ukrainische Präsident mit.
Das Verfahren zur formellen Ernennung Budanows zum Leiter der Präsidentenverwaltung sei eingeleitet worden, sagte Selenskyjs Berater Dmytro Lytwyn vor Journalisten. Der Präsident hatte bereits am 30. Dezember mitgeteilt, er habe sich für einen Kandidaten für den Posten an der Spitze seines Stabs entschieden.
„Die Ukraine muss sich jetzt auf Sicherheitsfragen sowie Verhandlungsdiplomatie fokussieren,
und das Präsidentenbüro wird sich allem voran damit befassen, diese
Aufgaben zu lösen“, schrieb Selenskyj auf Telegram. „Kyrylo hat eine
besondere Erfahrung in diesen Bereichen und genügend Kraft, um
Ergebnisse zu erzielen.“
Bisheriger Auslandsgeheimdienst-Chef soll Budanows Nachfolger werden
Kurz nach Selenskyjs Äußerung gab Budanow bekannt, den Posten anzunehmen. „Ich werde der Ukraine weiterhin dienen“, schrieb Budanow auf Telegram. „Ich halte das Amt des Leiters der Präsidentenverwaltung für einen weiteren Schritt der Verantwortung gegenüber (meinem) Land.“ Es sei eine „Ehre“, in einem „historischen Moment“ für die Ukraine an der Sicherheit des Landes zu arbeiten.
Als Nachfolger für Budanows bisherigen Posten als Leiter des Militärgeheimdienstes will Selenskyj den bisherigen Chef des Auslandsgeheimdienstes, Oleh Iwaschtschenko, ernennen. Der 56 Jahre alte Generalleutnant Iwaschtschenko hatte die Auslandsaufklärung seit 2024 geführt. Er soll in der neuen Aufgabe weiter daran arbeiten, Russland wirtschaftlich zu schwächen und das russische Militärpotenzial einzuschränken, teilte Selenskyj in den sozialen Netzwerken mit.
Geheimdienstchef und möglicher Selenskyj-Nachfolger
Budanow leitet den HUR seit 2020. Er hat den Rang eines Generalleutnants und gehört zu den bekanntesten Persönlichkeiten im ukrainischen Militär. Unter
anderem ist Budanow dafür bekannt, riskante Einsätze persönlich zu
leiten. Auch nahm er mehrmals an informellen Gesprächen mit Vertretern Russlands teil.
© Lea Dohle
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Vor allem im ersten Kriegsjahr war Budanow mit mehreren Prognosen zum Kriegsverlauf, die später eintrafen, bekannt geworden. Aufsehenerregende Aktionen wie Angriffe auf militärische Infrastruktur sowie Anschläge auf Militärs in Russland oder russisch besetzten Gebieten wurden schon früh Budanows Behörde HUR zugesprochen.
Ab 2023 hatten sich jedoch einige Vorhersagen des Geheimdienstchefs, darunter etwa zur Rückeroberung besetzter Gebiete, nicht erfüllt. Unter anderem wurde ihm vorgeworfen, medienwirksame Aussagen zu tätigen, welche die tatsächliche Lage nicht abbildeten. Anschließend nahm sich Budanow mit Prognosen zurück, äußerte sich aber weiterhin häufig öffentlich zum Kriegsverlauf.
Zudem gilt Budanow als möglicher Mitfavorit bei der nächsten ukrainischen Präsidentschaftswahl, deren Zeitpunkt allerdings unklar ist. In einigen Umfragen vom Dezember 2025 lag er deutlich abgeschlagen auf Platz drei hinter Amtsinhaber Selenskyj und dem ehemaligen ukrainischen Militärchef und jetzigem Botschafter in Großbritannien, Walerij Saluschnyj.
Jermak stürzte über Korruptionsskandal – Beteiligung nicht bewiesen
Selenskyjs bisheriger Stabschef Jermak, dessen Nachfolger Budanow werden soll, galt in den vergangenen Jahren als zweitmächtigster Mann der ukrainischen Politik
und war der engste Vertraute Selenskyjs. Zahlreiche Ämter wurden mit
Personen besetzt, die Jermak nahestanden; Kritiker bemängelten, dass
Jermak den Zugang zu Selenskyj kontrolliere und zu viel Einfluss habe.
Im Zuge des Korruptionsskandals im ukrainischen Energienetz folgte Selenskyj nach wochenlangem Widerstand Forderungen aus dem Parlament und der Gesellschaft und entließ Jermak Ende November. Kurz zuvor hatten Antikorruptionsermittler dessen Wohnung durchsucht. Eine formelle Anschuldigung der Justizbehörden gegen ihn gab es seitdem allerdings nicht.
Ukrainische Medien spekulierten daraufhin, es gebe womöglich keine Beweise für eine Beteiligung Jermaks an dem Korruptionsskandal – und die Durchsuchung sei ein Instrument gewesen, um Selenskyj zur Entlassung seines unbeliebten Mitarbeiters zu drängen. Anderen Medienberichten zufolge soll Jermak auch weiterhin in Kontakt zu Selenskyj stehen.
Bereits kurz nach der Entlassung Jermaks hatte Selenskyj von Gesprächen mit Budanow berichtet, wodurch der HUR-Chef neben Regierungschef Denys Schmyhal und Digitalminister Mychajlo Fedorow als einer der aussichtsreichsten Kandidaten für die Nachfolge Jermaks galt.
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