Die Adresse in der Hofgasse gleich neben der kaiserlichen Hofburg in Innsbruck war immer schon prominent. Die ältesten Teile des Hauses stammen aus der Zeit der Romanik. 1392 wurde es erstmals als „des langen Hainz Haus“ erwähnt. Im 16. Jahrhundert residierten hier die Freiherren von Wolkenstein, die das Palais ausbauen ließen. Im Zuge der Restaurierung kam im dritten Stock eine außergewöhnliche Wandmalerei zum Vorschein.

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Kleine Sensation in der Innsbrucker Altstadt

Bei der Sanierung des Hauses tauchte unter mehreren Putzschichten durch Zufall eine Wandmalerei auf. Das Bild wird in die 1580er Jahre in die Zeit des Manierismus datiert. Dargestellt ist der Ausblick in eine illusionistische Gartenlandschaft mit Scheinarchitekturen. Im Vordergrund erkennt man rechts eine elegante Dame und in der Mitte ein Kind mit einem blauen Papagei auf dem Arm. Dabei könnte es sich um Familienmitglieder des bisher nicht bekannten Auftraggebers handeln.

Es war eines der letzten Projekte, die Walter Hauser, der ehemalige Tiroler Landeskonservator, betreut hat und es war ein kleiner Höhepunkt am Ende seiner beruflichen Laufbahn. Das Denkmalamt befindet sich nur wenige Meter entfernt von dem Neufund. „Es war eine große Überraschung“, freut sich Hauser. „Malereien wie diese findet man in italienischen Palazzi in der Poebene bis südlich von Rom. In der Innsbrucker Altstadt gibt es nichts Vergleichbares in dieser Zeit.“

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Für die Besitzerin, Barbara Stiebleichinger, war die Entdeckung der Wandmalerei eine große Überraschung.

Hotel im Denkmal

Die manieristische Wandmalerei wurde von Restauratoren behutsam freigelegt, gereinigt und teilweise retuschiert. Nur eine niedere Verglasung schützt das kostbare Wandbild im Hotelzimmer. Die Besitzerin, Barbara Stiebleichinger hofft auf die Wertschätzung der Gäste. „Ich klopfe auf Holz, dass die Gäste rücksichtsvoll damit umgehen“, meint die Bauherrin, „bis dato haben wir keine Probleme gehabt. Ich glaube, der Gast fühlt schon, dass das hier etwas Besonderes ist.“

In einer Quelle aus dem 16. Jahrhundert wird das Haus als „wolerpaut – schene Zimber“ beschrieben. Die Verwandlung des bereits 1968 unter Denkmalschutz gestellten Gebäudes in ein Hotel war ein heikler Balanceakt. Es gab intensive Diskussionen um den Einbau von modernen Annehmlichkeiten in die alte Bausubstanz.

Die Hoteliers wünschten sich mehr Licht in den Räumen im obersten Stock. Doch der Denkmalpfleger wollte den Dachstuhl aus der Barockzeit erhalten. „Das war eine von vielen Fragen, doch am Ende haben wir verstanden, warum der Dachstuhl sichtbar sein sollte. Wir mussten uns den Räumlichkeiten einfach anpassen.“

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Einige Dachöffnungen waren aber dann doch erlaubt. Von einer kleinen, in das Grabendach geschnittenen Terrasse fällt der Blick auf den Innsbrucker Stadtturm. Das Erscheinungsbild der Altstadt wird dadurch nicht gestört.

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Neues Leben in alten Gemäuern

Der Denkmalpfleger Walter Hauser freut sich, dass das alte Haus eine neue Funktion bekommen hat. „Das Besondere an historischen Häusern ist, dass sie Geschichten erzählen. Wenn man dieses Haus betritt, dann lebt es von der Stimmung des Vergangenen. Das ist genau das, was wir suchen, wenn wir auf Reisen gehen.“

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Der Denkmalpfleger Walter Hauser hat das Projekt betreut.

„Wir leben nicht mehr im Mittelalter“, erklärt Hauser. „Damals hat es nach den Latrinen und den Schweinen im Hof gerochen. Heute müssen wir gewisse Standards erfüllen, was die Hygiene, die Barrierefreiheit oder die Betriebssicherheit betrifft.“

All diese Standards in ein historisches Gebäude hinein zu zitieren, bedeute in der Regel vieles von dem Objekt zu verlieren. Es gehe darum, einen Plan B zu suchen. Mit gegenseitiger Rücksicht, was Bestand und Neues betreffe, könne man sehr weit kommen. Das zeige dieses Gebäude, meint Hauser.

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Das Haus in der Hofgasse schließt direkt an die kaiserliche Hofburg an.

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Die Fassadenmalerei stammt aus der Barockzeit.

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Von der ältesten romanischen Mauer bis zu Malereiresten aus dem 20. Jahrhundert – als sich hier das Gasthaus „zum Meraner“ befunden hat, konnten viele Schichten erhalten werden, die viele Geschichten erzählen.

Walter Hauser vergleicht die historischen Oberflächen, die das Gebäude charakterisieren, mit dem Gesicht eines Menschen. Man sollte sie behutsam behandeln und nicht mit Schminke übertünchen.