Rettungskräfte und Polizei waren in Hessen erneut Ziel von Attacken in der Silvesternacht. Hessens Innenminister Poseck und das DRK bekräftigen die Forderung nach härteren Strafen. Eine Petition der Polizei für ein bundesweites Böllerverbot sammelt Millionen Unterschriften.

Foto: Mehrere Polizeikräfte in schwerer Montur neben einem Rettungswagen, in der Dunkelheit auf einer Brücke. Viele Menschen gehen und stehen daneben.

Rettungsdienst und Polizei waren an Silvester in Frankfurt vielfach am Main im Einsatz. (Symbolbild von Silvester 2024).
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02:25 Min.|02.01.26

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Vor dem Hintergrund von Angriffen auf Rettungskräfte und Polizei in der Silvesternacht hat sich der hessische Innenminister Roman Poseck (CDU) erneut für härtere Strafen ausgesprochen.

„Wer Einsatzkräfte angreift, gehört aus meiner Sicht grundsätzlich ins Gefängnis“, sagte Poseck dem hr. Es sei wichtig, die Mindeststrafe für solche Delikte von drei auf sechs Monate anzuheben – dann sei ein Ausweichen auf eine Geldstrafe nicht mehr möglich. „Das entspricht aus meiner Sicht dem Unrecht, das diesen Taten zu Grunde liegt“, so der Innenminister.

Einen entsprechenden Gesetzentwurf hatte Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) bereits vor dem Jahreswechsel vorgelegt.

Vor einem nächtlichen Himmel ist ein lichterloh brennendes Haus auf einem Hügel in einem kleinen Ort zu sehen.

Vor allem in Frankfurt Gewalt gegen Einsatzkräfte

Auch in Hessen war es an der Silvester-Nacht zu mehreren schweren Vorfällen gekommen. Nach Angaben des Innenministers Roman Poseck (CDU) wurden hier 14 Polizisten bei Einsätzen rund um den Jahreswechsel verletzt. Acht Beamte seien nicht mehr dienstfähig gewesen. Frankfurt war besonders schwer von Übergriffen auf Einsatzkräfte betroffen.

  • Unter anderem kam es in den Frankfurter Stadtteilen Griesheim, Ginnheim, Rödelheim und Bonames zu Angriffen auf Feuerwehrleute. Sie waren dorthin ausgerückt, um brennende Straßenblockaden aus Mülltonnen und Einkaufswagen zu löschen. Polizeistreifen begleiteten fortan die Feuerwehr bei Einsätzen in den nördlichen Stadtteilen.
  • In den Frankfurter Stadtteil Preungesheim musste die Polizei zwei Räumfahrzeuge schicken, nachdem Unbekannte eine Straßenblockade errichtet und ein Rettungsfahrzeug an der Durchfahrt gehindert hatten.

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Angriffe gegen Rettungskräfte in Silvesternacht

Feuerwerkskörper stehen auf der Straße vor einem Rettungswagen

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  • In der Frankfurter Innenstadt wurde ein Rettungswagen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) während einer Einsatzfahrt von mehreren Personen an der Weiterfahrt gehindert und attackiert. Als einer der Rettungsdienstmitarbeiter ausstieg, wurde er zu Boden getreten und am Rücken verletzt. Die Unbekannten legten eine bewusstlose Frau im Innenraum des Rettungswagens ab. Als der Rettungswagen mit der Patientin losfuhr, wurde er mit Pyrotechnik beschossen.
  • Die DLRG Frankfurt musste ihre Einsatz am Frankfurter Mainufer zeitweise abbrechen, um sich selbst vor fliegenden Böllern in Sicherheit zu bringen. Stefanie Müller, Einsatzleiterin der DLRG Frankfurt, fordert in Frankfurt nun ein generelles Böllerverbot auf der Partymeile statt punktueller Verbotszonen: „Gefühlt hatte jeder eine Rakete oder einen Böller in der Hand.“

DRK und Oberbürgermeister Josef entsetzt über Ausmaß

Das DRK Frankfurt zeigte sich entsetzt über die Vorfälle. „Wir sind schockiert über das Ausmaß an Gewalt gegenüber unseren Einsatzkräften“, sagte Geschäftsführer Dierk Dallwitz laut einer Mitteilung. „Solche Gewalttaten gefährden Menschenleben.“ Insbesondere, wenn sich Rettungsfahrzeuge auf dem Weg zu einen lebensbedrohlichen Einsatz befänden und an der Weiterfahrt gehindert würden. Deswegen begrüße das DRK ausdrücklich eine Strafverschärfung bei Angriffen auf Einsatzkräfte.

Auch Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) verurteilte laut Mitteilung vom Freitag Gewalt gegenüber Einsatzkräften „aufs Schärfste: „Wer Einsatzkräfte angreift, greift unsere Solidargemeinschaft an.“ Er hoffe, die Polizei könne die Täter ausfindig machen. „Ein solches Verhalten muss mit klaren Konsequenzen geahndet werden.“

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Silvester in Hessen: Party, Feuerwerk und Brände

Feuerwerk

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Auch die Frankfurter Feuerwehr sei besonders gefordert gewesen, wie die Stadt in ihrer abschließenden Bilanz mitteilte. Sie habe in der Silvesternacht, der einsatzstärksten Nacht des Jahres, zwischen 19 und 6 Uhr 555 Einsätze gehabt. Darunter seien 166 Brände, 11 Hilfeleistungen und 269 Rettungsdiensteinsätze gewesen.

Millionen Menschen unterzeichnen Petition für Böllerverbot

Unterdessen haben mehr als drei Millionen Menschen eine Petition der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Berlin für ein bundesweites Böllerverbot an Silvester unterschrieben. Das teilten die Initiatoren am Freitag mit.

Allein in den vergangenen Tagen seien über 700.000 Unterstützer hinzugekommen. „Die Politik sollte zeigen, dass sie die Stimmen ernst nimmt“, sagte GdP-Landeschef Stephan Weh.

Am Montag will die Deutsche Umwelthilfe zusammen mit anderen Organisationen, darunter auch die Polizeigewerkschaft, Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) in Berlin eine ähnlich gelagerte Petition überreichen. Diese haben bislang gut 970.000 Menschen unterschrieben. Angesichts von Todesfällen und Tausenden teils schweren Verletzungen auch an diesem Jahreswechsel fordern die Initiatoren, den privaten Kauf und Gebrauch von Pyrotechnik zu Silvester dauerhaft zu verbieten.

Redaktion:
Anikke Fischer

Sendung:
hessenschau.de, Angriffe gegen Rettungskräfte in Silvesternacht, 02.01.26, 16:17 Uhr / hr4,

02.01.26, 16:45 Uhr

Quelle: hessenschau.de, epd, dpa/lhe, KNA

Veröffentlicht am 02.01.26 um 16:55 Uhr